, die es auch heute noch, laut genug, unterstützten, "jene Zeitkürzungen erreicht hast, – die ich dir wohl so fein zergliedern wollte, als den unnatürlichen Auswuchs eines schwammigen Körpers – wirst du dich darum in deiner spekulativen Schlafkammer, – wie ich sie einstweilen so nennen will – glücklicher und grossherziger zu Bette legen, als ein betriebsamer Spediteur allgemeiner Bedürfnisse – ein Banquier von Kredit – ein tätiger Negociant in der seinigen? wirst du von deinem Ausflattern in den leeren Raum der vornehmen Welt weniger ermüdet und zufriedener zurückkommen, als jene von den Schiffswerften, – den Packhäusern und der Börse? Kannst du aus deiner erhabenen Sphäre – können alle, die dir gleichen, wohl das Herz haben, mit Stolz auf unsere Demut – mit Neid auf unsern Erwerb – mit Spott auf unsere einfachen Erholungen herunter zu sehen? Gesetzt sogar, lieber will'm, lass uns immer einmal ernstlich darüber sprechen, du könntest deine viel bedürfende Weichlichkeit in Allem befriedigen und stiegest nur an Blumen-Geländern, erst nach einem Sekulo, wie Fontenelle, ins Grab, würde dein langgedauertes Dasein, bei allen genossenen Freuden, verdienstlicher, als das unsere, und die Erde dir darum leichter werden, als uns und allen und jeden dienstbaren Bienen an dem grossen Honigstocke der Welt? – –"
Dergleichen Hohlspiegel lasse ich mir nun nicht gerne lange vor's Gesicht halten, drum drückte ich dem Redner, als wenn es aus dankbarem Gefühl geschähe, stillschweigend die Hand und liess ihn, um nicht als Raub-Biene seinen Stachel zu reizen, so viel Wachs, Saft oder wasser, als er fortschleppen konnte, den Zellen seiner summenden Mitgehülfen zutragen. "Ich gönne," murmelte ich hinwärts nach meinem Schreibtisch, "dem fleissigen Gewürm seine Freude von ganzem Herzen. Mehr kann ich, mehr kann ein Kammerherr nicht tun. Unsere zwar schön vergoldeten Schlüssel – übrigens aber, das wissen wir alle, von dem schlechtesten Metall, können freilich weder Vorrats- noch Werkhäuser öffnen, denn sie öffnen gar nichts und schliessen nirgends, müssen jedoch, wie alles in der Welt, zu etwas nütze sein, weil sie da sind." Bei dieser tiefsinnigen Ausrede liess ich es einstweilen bewenden.
Den 30sten März.
Es war mir die paar Tage her ganz unlustig zu Mute, und dabei recht Angst, dass Jerom mit Untersuchung meiner handschriftlichen beichte nicht so geschwind denn er erwähnte derselben bis heute Morgen mit keiner Sylbe. Er habe, führt' er zur Ursache an, in meinem Prozess mit der Moral – ein sonderbarer Ausdruck – manche Seiten mehrmal überlesen müssen, um meine Sophistereien ins klare zu setzen, und sein Endurteil doch auch nicht eher abgeben mögen, bis er nicht erst selber darüber mit sich einig geworden wäre, müsse aber zu seiner Schande gestehen, dass es ihm damit nicht besser geglückt sei, als den meisten Fakultisten mit Kriminalakten. "Meines Dafürhaltens," fuhr er fort, "tust du am klügsten, du stellst deine Sache der öffentlichen Meinung und der Mehrheit der Stimmen anheim. Hätte dem Vagabonden, werden nun Wohl die meisten Leser mit mir übereindenken, immer ein Arzt, wie Sabatier, ein Mentor, wie Saint-Sauveur, zur Seite gestanden, seine Reisebeschreibung wäre Zweifels ohne nicht minder erbaulich und nützlich für unsere Kinderstuben ausgefallen, als weiland die Fenelons vom Telemach; denn sich selbst überlassen, belehrt uns sein Tagebuch nur zu deutlich, kommt er in allem Guten eher zurück als vorwärts." Ich schickte mich an, meine Einwendung dagegen vorzutragen, aber, "Auf den Abend" unterbrach er mich, "wenn mein Tagewerk vollbracht sein wird, das Weitere davon!" entfernte sich und lässt mich sonach noch immer über seine endliche Entscheidung in Ungewissheit.
Seit der Teestunde ist meine Angst vorbei. Mein Tagebuch – kann ich Dir nicht eilig genug zu wissen tun, – hat die letzte probe, die ich noch erwartete, hat nun mit der seinigen die Kritiken zweier gleich grossen Welt- und Menschenkenner, als es nicht leicht nach ihnen einer wieder vor die Brille nehmen wird, überstanden. Wie viele deutsche Bücher mögen wohl dieselbe Aufmunterung vor sich, und einen so schönen Beruf haben, ihre Wurzeln auf dem vaterländischen Boden weiter zu schlagen. Nur nicht so verwundert getan, mein lieber Eduard! Du wirst doch wohl nicht immer meinen Autor-Kitzel für Scherz gehalten haben, wenn ich mit lachendem mund davon sprach, denn kann man denn wohl von diesem Jucken sprechen, ohne selbst darüber zu lachen? Ich unterliege ihm jetzt vollends, so schwach als ein Kind. Weder Dein Ernst, noch Dein Spott darüber sollen mich anfechten, denn wenn uns, sage ich mir, ein längst tot geglaubter Freund nach unendlichen überstandenen Gefahren zu wasser und zu land, auf einmal, frisch erhalten und lustig in die stube gepoltert kommt – lass ihn selbst schmutziger erscheinen, als den verlornen Sohn in der Bilderbibel, wie verschränkt müsste das Herz sein, das nicht in der unaussprechlichen Freude des Wiedersehens, wenigstens seine Hausnachbarn, Blutsfreunde und andere liebe Bekannte, zusammen trommelte? Und ist das nicht ganz der Fall mit mir, meinem Tagebuche und seinen Lesern? Freilich – kann ich nicht läugnen – hätten seine beiden ersten Besichtiger gern verschiedene der Malereien, die es mitbringt, retouchirt, einige verschliffen, andere wohl gar, in der andächtigen Stimmung des verstorbenen Herzogs von – – – – vernichtet, um den Hofdamen kein Aergerniss zu geben. Was sagen aber auch die