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beisammen zu sehen. In dieser Rücksicht halte ich die posts aux ânes für eine der wichtigsten Entdeckungen, die ich je gemacht habe.

Mein Wirt, den ich dahin begleitete, ging von hier aus mit einem Kourieresel ab, und wird auf dieselbe Art diesen Nachmittag mit der schönen Gesellschafterin zurück kommen, die er mir gestern versprach.

Stelle Dir übrigens nur nicht unter den hiesigen Eseln so langsame unbehülfliche Tiere vor, als sie bei uns sind. Hier ist nichts träge und langsam, und die verächtlichste Kreatur, wie die geschätzteste, empfindet hier den wohltätigen Einfluss dieses so milden Himmelstrichs. Des himmels Segen deckt diess Treibhaus der natur: Durch rein gefärbtes Licht erhoben, Glänzt es dem Sohn des Epikur, Wie ein Brillant auf unserm Globen. Der Forscher sieht erstaunt, wie lebhaft, wie geschwind Hier alle Räder gehen, der Weitzen seine Körner, Der jüngste Most die Stärke des Falerner, Contur und Federkraft die jüngste Brust gewinnt. Schnell läuft der Esel hier, das Füllen wieh'rt, – das Rind, Der Bock, der Hirsch, und was etwa noch ferner dazu geboren ist, trägt dreimal gröss're Hörner, Als sie bei uns gewöhnlich sind. weniger Ursache, es auch den Nachmittag zu sein. – Ich habe, einem Engel von weib gegen über, meinen Hunger an dem schmackhaftesten Braten gestillt, wie ihn der König nicht essen kann, wenn er seine Schöpse nicht auch mit Rosmarin füttern lässt, der den hiesigen die gewöhnlichste Weide isthabe eine Flasche Landwein getrunken, den man den Kennern in Berlin mit aller Ehre für Burgunder vorsetzen könnte, und kaum stand ich mit glühenden Wangen von meinem Schmause auf, so trat mein Wirt mit seiner Nichte an der Hand herein, und brachte mehr Leben mit, als ich brauche.

Ich will es Dir nicht zu Leide tun, die kleine Margot mit allen ihren Annehmlichkeiten zu schildern; doch sei versichert, dass sie von Euern Operngesichtern wenigstens so weit absteht, als die aufblühende von einer bis zur Hagebutte verschrumpften Rose. Und so ein Mädchen wird mir aus lauter Guterzigkeit zugeführt! Für wie alt muss mich Mein ehrlicher Wirt halten, wenn er glaubt, dass diess nichts zu bedeuten habe?

Ich habe hierüber schon die erste Viertelstunde ihres Hierseins eine missliche Erfahrung gemacht. – Ich glaubte etwas recht kluges zu tun, setzte mich mit einem philosophischen Auge den schalkhaften Augen des Mädchens gegen über, und wollte berechnen, durch was für natürliche Kräfte es möglich sei, dass dieser Körper, dieser Geist, einer so unbefangen, so unverschleiert und so ausgebildet als der anderewie so viele leibliche und geistige Fülle einem dreizehnjährigen kind angehören könne? Aber, anstatt der Entscheidung der Hauptfrage näher zu kommen, fand ich mich am Ende nur in den Nebenumständen, und zwar so gefährlich verwickelt, dass ich meine Untersuchung aufgeben und Gott danken musste, dass ich es noch zu tun im stand war.

Während ich diess niederschreibe, tragen die Leutchen, mir nichts dir nichts, die Betten zusammen, auf denen die kleine Margot diese Nacht und die folgenden, kaum sechs Schritte von mir, ruhen soll. –

Nun jadas Bette ist fertig, und ich habe das Fieber. – Ich muss an die Luft gehen, um meine Verlegenheit über diese Anstalten zu verschnaufen.

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Ja, wenn nur alles so in der Luft verdunsten wollte, was dem Herzen zu viel ist! Zur Erhaltung des Gleichgewichts in unserer kleinen Welt wäre das eine treffliche Sache. – Ich habe eben keinen grossen Zirkel um das Haus herum gezogenda sitze ich dem kind schon wieder gegenüber, kaue an ihren kleinsten Bewegungen, und freue mich, wie in diesem land, man mag seine Blicke ausschicken, wohin man will, alles so nebellos ist. – Hat mir Jerom es nicht vorher gesagt?

Du bist wohl sehr gut, wenn Du mir erlaubst, in so abgebrochenen Sätzen fortzuschreiben: – aber ich kann nicht anders. – Ich werfe meine Gedankenblitze auf das Papier, wenn die Kleine zur tür hinaus stürmt, und werfe die Feder ebenso geschwind weg, wenn sie wieder hereingehüpft kommt.

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Das kann ein gefährliches geschöpf für meine Ruhe werden, wenn es noch acht Tage älter unter meinen Augen wird, und der Eindruck, den es auf mich macht, mit jeder Stunde so fortsteigt wie heute! – Sie ist schon so bekannt mit mir, als wenn sie meine Tochter wäre. – Sie ruft, verschickt, befiehlt meinem Johann, wie es ihr einfälltbald, glaube ich, wird sie auch mir befehlen. – Ich verlor keinen laut ihrer stimme, als sie mir alleweile von ihrem Hänfling erzählte, den sie so kirre gemacht hätte, dass er ihr aus der Hand frässeund was sie für ein Glück mit den Blumen habe! – Sie dürfe, sagte sie, das dürreste Reis nur in die Erde stecken, so blühe es. –

Ich weiss es wohl, es sind armselige Kleinigkeiten, die ich Dir erzähle: sie sind es aber, Gott weiss es, wenn sie über ihre Lippen gehen, so wenig, dass ich mich kaum erinnere, etwas Geistreicheres gehört zu haben.

Ich breche ab, liebster Freund, die kleine Gereiste schläfert. – Die Engel des himmels mögen über ihre Ruhe wachen! – Ich will gern auch schlafenwenn ich kann ...

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Den 24. Dezember

Ich habe einen Verlust erlitten, der mir nahe geht. Mein