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Hospital zusammenschnüren. Ich habe es deinem Kammerdiener zugestellt, um es zu deinen übrigen Kostbarkeiten zu packen, denn hier bin ich dir Arztes genug. Dass Sabatier dir, nach seiner Entfernung, nicht mehr zur Seite sein konnte, machte mich Anfangs sehr um dich besorgt; denn hatte ich nicht alle Ursache zu fürchten, dass deine Wiederkehr in die gesunden Tage so keck und ungestüm sein würde, als es bei schlaffen Seelen nur zu gewöhnlich und von den schrecklichsten Folgen ist? Zu meiner Beruhigung aber hörte ich, er habe deine Unbedachtsamkeit in die strenge Aufsicht eines andern rechtschaffenen Freundes gegeben, der" – – – "Ach damit," unterbrach ich ihn, "hat er den edlen St. Sauveur gemeint. Ja, teurer Jerom, diesen Mann kann ich zum Glück dich in seiner ganzen Vortrefflichkeit aus dem U e b e r r e st e m e i n e s T a g e b u ch s kennen lehren, ohne dass ich die S ch n i t t l i n g e in meinem Puderbeutel dazu ziehe, denn diese betreffen bloss die Genealogie Ludewigs des Vierzehnten." "Was in aller Welt willst du damit sagen?" fragte er. "Hast du denn bei deiner Unordnung ein Tagebuch gehalten? und welche Gemeinschaft hat es mit deinem Puderbeutel?" Aber kaum erteilte ich ihm, notdürftig, Erläuterung über die beiden unterstrichenen Worte, so drang er in mich, die abgerissenen Glieder zur Ergänzung meines Skelets aus ihrer jetzt unnötig gewordenen Verborgenheit zu ziehen, schlug alle meine Einwendungen nieder und lief in die Nebenstube. "So höre doch nur, ungeduldiger Mensch!" rief ich ihm nach; er aber eben so geschwind nach Bastian, der auf seine Anweisung bald darauf mit meinem Portefeuille zu mir hereintrat und den diplomatischen Puderbeutel neben mir auf den Schreibtisch setzte. Was blieb mir übrig, als meinem Wirt zu gehorchen, ob es schon keine leichte Aufgabe ist, eine so zerrüttete Biographie wieder in einen klugen Zusammenhang zu bringen. Das erste Blatt ward mir blutsauer, ehe es, in Ordnung geschoben, zum Abschreiben vor mir lag. Ich musste den Atem an mich halten, um die oft winzigen Zerstückelungen der Toulouser Scheere nicht auch noch auf dem Stubenboden auflesen zu müssen, oder eine aus ihrer Lage zu verrücken; dafür bin ich aber nun sicher, dass ich der Königin Anna nicht um einen Buchstaben Unrecht getan habe.

Je mehr sich die Anzahl der kleinen Bruchstückchen in dem Puder verminderte, je geschwinder ging es mir von der Hand. Ich kam nach Massgabe der Schwierigkeit mit meiner musiven Arbeit immer noch bald genug zu stand, wenn Du überlegen willst, dass ich oft ein Blatt, das Du jetzt in einer Viertelsekunde umwendest, stückweise vielleicht zweihundertmal umwenden musste, um auf die andere Seite zu kommen. O, wie würde unsern Autoren das Schreiben verleidet werden, wenn sie sich, oder andere, so abschreiben müssten. Meine grosse Geduld muss mir bei jedermann zur Ehre gereichen, der das Handwerk versteht.

Der holprige Weg lag nun glatt und eben wieder vor mir, und freudig pochte ich an Jeroms tür. Zu hastig im Hereintreten, flogen ihm alle die aufgehäuften Originalschnittchen meiner Handschrift wie Mükken und Sommervögel um den Kopf und schüttelten ihren weissen Staub ab.

Er blies sich einen Weg durch die Wolke, trat aus ihr heraus, wie ein Apoll, setzte sich mir gegenüber und hörte nun der Vorlesung meiner mannichfaltigen Abenteuer mit gutmütiger Aufmerksamkeit zu. In meiner Krankheitsgeschichte, die ich, wie Du weisst, nach Bastians Anzeige niederschrieb, kam ihm nichts so merkwürdig vor und beschäftigte sein Nachdenken mehr, als der stärkende ruhige Schlaf nach dem Delirio, in welchem ich die Hälfte meines Tagebuches zerriss und zum Kaminfeuer beförderte. "Du nahmst," sagte er, "ohne dir es deutlich bewusst zu sein, Gerechtigkeit an dir selbst, und die nachfolgende wohltätige Krise lässt sich ganz wohl erklären." über den Wahrsagergeist des heiligen Fiacre neun Monate vor der Entbindung der Königin Anna spottete er wie ein medicinischer Freigeist, lachte aus vollem Herzen über mein Verhör zu Toulouse, so wie über die Furcht, die mich auf die See trieb, und fing nun selbst an zu bedauern, dass die erste Abteilung meiner Reise in der Asche lag.

O! es wird allen Lesern der zweiten so gehen, dachte ich.

Den 26sten März.

Sei aufmerksam, Eduard, ich bitte Dich. Als ich gestern Abends mit dem heisern Hals eines Fastnachtspredigers in mein Zimmer trat, fiel mir das mächtig grosse Packet in die Augen, das Sabatier für mich bei Jerom niedergelegt hatte. Nun Gott erbarme sich deiner! stemmte ich beide arme in die Seite, wenn der gute Mann dir so viele Krankheiten zuteilt, als dieser Haufen Recepte voraussetzt. Mein Körper, das gebe ich zu, bedarf freilich mancherlei Notülfe, aber Jerom hat Recht mit dem Hospital.

Nein, das sind sicher, besann ich mich, die zwei Quartanten mit Kupfertafeln, die der gelehrte Arzt vor kurzem über die Anatomie herausgegeben, und sollen wahrscheinlich ein Geschenk für deine Bibliotek sein. Sehr artig von ihm! Nur ist das keine Lektüre im Bette. Die Ansicht eines Menschengewebes befördert unter keinerlei Umständen den Schlaf, und vollends zergliedert verursacht es mir allemal Krampf. Bleibt mir vom leib, sagte ich, indem mich ein Schauer überlief, stieg schnell zu Bette und weiss nun meiner Vorsicht nicht genug zu danken. Denn, als ich tisch, den Bündel