Majestät haben mich in meinem stillen Museo mehrmalen mit den grossmütigsten Beweisen Allersie mir keinesweges als Belohnungen zueignen durfte, so habe ich sie mit dem demütigsten Dank als Folgen des grossen Charakters betrachtet, der Ew. Majestät auszeichnet, und habe im Stillen den umfassenden Geist bewundert, der eben so liebreich den Wissenschaften begegnet, als er mächtig und allgemein auf sein Zeitalter wirkt. Ich gehe oft der tätigen Hand mit Erstaunen nach, die mit gleicher Fertigkeit, den Plan eines Gesetzes, und den eines Schauspiels entwirft, und der kein Gebiet zu entfernt, kein Zirkel zu klein ist, wo sie eine Nation beglücken – oder ein häusliches Vergnügen befördern kann. Ew. Majestät haben das geheimnis wieder gefunden, das seit Augusts zeiten verloren war, aber wie sehr haben Sie es nicht, grosse Frau, unter Ihren Händen verschönert! Mit dem Stolze, den mir der Gedanke einflösst, ein litterarischer Zeitgenosse Ew. Majestät zu sein, habe ich die Ehre in der tiefsten unbeschränktesten Ehrfurcht zu ersterben
Ew. Kaiserlichen Majestät
alleruntertänigster aller gehorsamster
T.
Gota den 6. März 1793.
Leiden.
Den 25sten März.
O wie hat die grosse Frau meinen Glauben an ihr glückliches Gestirn und Kosodawlew mein Vertrauen zu ihm und seiner Kenntniss gerechtfertigt, die noch weit über Kompass und Seekarte hinausreicht! War es doch, als ob Wind und Wetter ihm so gehorsam als die Matrosen – und die Wellen des Meeres nur Stahlfedern wären, die auf weichen Polstern uns hüben und forttrügen. In welcher Glorie ist mir die natur erschienen, und wie freuten sich meine Augen an jedem wiederkommenden Morgen, dass sie noch nicht, verloren für die Anbetung Gottes, in des Grabes Moder versunken waren! Ich glaubte in jenem Blumental, das Agaten umschliesst, den Sonnenkörper in seiner grössten äterischen Pracht besungen zu haben, ach ungleich poetischer sah ich ihn in der feierlichen Geburtsstunde des Tages über den Horizont hervor wallen und mein Erstaunen verstummte. Wer den Mond und die Sterne nur über dem Dunstkreise des Erdballs funkeln sah, denke ja nicht, dass er ihren wahren Glanz kenne, und niemand behaupte, sein eigenes Herz zu verstehn, der seinen Freund oder seine Geliebte noch nicht zwischen wasser und Himmel umgeschmeidig unter uns, der andere über unsere Häupter eben so wolkenlos aus, als auf dieser meiner ersten Seereise, ich wüsste wohl, welchem Elemente ich mein irdisches Glück anvertrauen würde, denn nirgends fühlt man das kostbare Geschenk des Lebens dankbarer und inniger, als auf diesen schwimmenden Bretern und nirgends reicht uns der Tod näher, schmerzloser und gaukelnder die Hand, als bei der Punschschale, die unsere Abende begeistert und von der wir nicht eher, als mit dem letzten Tropfen, in süsser Betäubung nach unserer Hangmatte taumeln, ohne darauf zu achten, wie sehr sie einem Leichentuche ähnlich sieht. Wer möchte nicht lieber in dem freien Weltmeere begraben sein, als in einem verschlossenen Sarge unter einer drückenden Erde, – dem Spielplatz aller bösen Neigungen, künstlicher Bedürfnisse und Laster. Wie verächtlich erscheint einem Beschiffer des Oceans die übrige Welt mit ihren Eitelkeiten und Freuden.
Der glücklichste Monarch kann nicht zufriedener von seinem glänzenden Trone gegen Himmel blicken, als ein Seemann von dem Verdecke seines schiffes. Die stärkende Seeluft, die physische Abgezogenheit von dem Beginnen der Menschen entwickelt die schönste moralische in seiner Seele. Grossherzig und neidlos belächelt er in seiner philosophischen Kajüte das Wettrennen des Hochmuts nach Rang, Ehrentiteln und nach den Gängelbändern widersinniger Orden, und ärgert sich über gelehrte Flugschriften, lügenhafte Zeitungen und das summende Geschmeiss, das seine faulen Eier hineinlegt, nicht eher, als bis er gelandet hat.
Dann erst, in der Nähe geistiger und leiblicher Apoteken von einem Sprach- oder Spiel-Zimmer, von einem Tanz- oder Spiegelsaal in den andern getrieben und verfolgt von dem Zungengeräusch der guten Gesellschaft, verlässt ihn sein glücklicher Gleichmut. Er sehnt sich ermattet zurück in seine schwebende Klause, und will lieber um verdiente heitere Tage und vorwurfsfreie sternhelle Nächte mit Sturm und wilden Fluten kämpfen, als mit den schmeichelnden Zephyren und den glatten Herzensergiessungen der grossen Welt um die Zerrbilder ihrer erdichteten Empfindungen, mit denen sie gegen die verwahrlosten Naturkinder, die ohne Anspruch auf Glanz edel nur denken und handeln, so gern gross tut. Ich schwöre Dir bei allen Winden, die uns von dem Hafen zu Bordeaux aus bis an die Holländische Küste trieben, dass während meines Herüberschwebens mir nicht eine unmutige Stunde, kein trüber Augenblick in den Flug kam, ausser da ich mit Anbruch des letzten Morgens meines Volontair-Dienstes, von dem Hurra des Schiffsvolks geweckt, ein Land aus dem Nebel hervorleuchten sah, das ich beim Schlafengehen noch hundert Meilen entfernt glaubte, und da bald nachher ich, indess mein Koffer, Tagebuch und Puderbeutel in ein kleineres Fahrzeug geladen wurden, das wie ein Sarg auf mein Hineinsteigen wartete, tränend an der Brust meines guten Kapitains, vor Schmerz kaum ein abgebrochnes Lebewohl stammeln konnte. Ich atmete noch schwer, als ich schon am Ufer stand, wusste vor Betäubung nicht, wie viel oder wie wenig ich den beiden Matrosen, die mich herüber gerudert hatten, als Beitrag zur allgemeinen Trink-Kasse aus meiner Geldbörse in den Hut warf, und winkte mit dem meinen so lange noch dem lieben schiffes-Patron zu, bis mich ein anderer Führer sehr verschiedenen Ansehens in einen räderlosen Wagen nötigte und wie einen armen Sünder zum Richtplatz von Schevelingen nach Haag und von da mit einem untergelegten Pferde nach der Leidener Treckschüte hinschleifte.
In diesem langweiligen Fahrzeuge fand ich Musse genug