, machte mir es begreiflich, wie manche ihrer wirklichen Diener, wenn sie andere Höfe und Länder besuchen, auf Stelzen einhertreten, und ich möchte sie beinah entschuldigen, wenn es mir möglich wäre, der Schwachheit des Stolzes das Wort zu reden, oder sein Vordrängen auf meinen geraden einfachen Lebensgang mit Gleichmut zu ertragen.
Ich gehöre, wie sich das so ziemlich aus meinem lachenden Hinstaunen in die Welt ergiebt, gewiss nicht zu der Klasse der Friedensstörer; wer mich aber aus Ursache seines Eigendünkels beleidigt – jede andere kann ich eher vergeben – mir, um mich zu hänseln, wasser in meinen Wein mischt, darf sich nicht wundern, wenn ich, ohne lange daran zu schlucken, den unreinen Trank ihm in das Fratzengesicht sprudele. Nicht etwa erst als russischer Titular-schiffes-Lieutenant, sondern schon längst habe ich in meinen häuslichen, politischen und litterarischen Verhältnissen das System angenommen, das meine anscheinende Gebieterin zur Sicherung der ihrigen erfunden hat – das System der bewaffneten Neutralität. Es ist von allen, die ich kenne, gewiss das beste. Wir sind beide, wenn ich meine Kleinheit neben ihre Grösse setzen darf, zu gutmütig, um nicht jedem seine Sturmhaube, oder seine Schellenkappe zu gönnen, so lange er seinen eigenen Spass damit treibt; aber niemand in der grossen Welt darf seine Lanze gegen sie, und in der kleinen seine Peitsche gegen mich aufheben, wenn ihm seine Haut lieb ist.
Du siehst, Eduard, dass ich in dieser Rücksicht meinem Officiershute so viel Ehre mache als Sie ihrer Krone.
Während ich mich aus einer Gasse in die andere drehte, als wenn ich sie der Länge und Breite nach ausschreiten wollte, die Weinhändler, die hier jeden Fremden schon von weitem als einen Einkäufer anlächeln, durch mein Gesicht voll Würde in ihre Kellerstuben zurückschreckte, und den Policeidienern, ohne dass sie es ahndeten, in Gedanken Trotz bot, besorgte Bastian meine letzten Geschäfte mit vieler Einsicht.
Er kaufte für mein Bedürfniss, wie er glaubte, Lord Ansons Reise um die Welt, und ein paar englische Halbstiefeln, und verhandelte meine gepriesene Berline, als unnötig zur See, an den Mietkutscher des Preussischen Konsuls, unter der Bedingung, meine Habseligkeiten noch umsonst bis an das Ufer zu fahren. Er selbst ging mit meinem Puderbeutel in der Hand voran, den ich seiner besonderen Sorgfalt um desswillen empfohlen hatte, weil er, wie ich Dir wohl jetzt vertrauen kann, einen Schatz für mich, die Schnittlinge nämlich meines in der Uebereilung der Furcht kastrirten Tagebuchs entält. Sonach verlasse ich nicht nur um vieles leichter, als ich gekommen bin, sondern auch ungleich einiger mit mir selbst, ein Land, von dem, genau besehen, ich nichts mitnehmen möchte, als das Sonnental und Agaten. – Die Dämmerung erinnerte mich zur rechten Zeit an den Vergang meines militairischen Urlaubs. Ich schüttelte, wie ein Apostel, mir den Staub von den Schuhen, wendete beim Eingang des Hafens noch einmal mein zufriedenes freies Gesicht nach der grössten der unzähligen Trompeten dieses, in allen Dingen, hoch trabenden Reichs, nach der Festung der Stadt, als nach dem letzten Gränz- und Markstein, den ich nicht sowohl zwischen mir und dem prahlerischen Gallien, als vielmehr in stiller Hinsicht auf mein künftiges Leben, zwischen dem französischen Leichtsinn und dem deutschen Ernst setzte. Ach welche reuige Empfindungen, gutmütige Gefühle und meines Vaterlands würdige Vorsätze bewegten mein Herz, indem ich über die auf dem kräuselnden Strom gebrochenen Stralen des Abendsterns, den ich reiner und freundlicher nirgends erblickt habe, zurück nach meiner Garnison fuhr.
Es war mir, wie einem, der seiner Besinnung lange beraubt, ihrer nun seit kurzem mächtig geworden, und mit freudigem Zittern, in der Hoffnung, nie wieder zu kommen, dem Tollhause entschleicht.
Das erste Wort meines Befehlshabers, als ich in seine Kajüte trat, wo er so tiefsinnig über einer Seekarte schwebte, als ein Denker über einem moralischen Werke, war ein Lob auf den herrlichen Wind. Als schiffes-Lieutenant, glaubte ich, müsste ich Ehren halber mit einstimmen; es schien aber, der gute Mann erriet mich. Er zeigte mir auf der Karte den Weg nach Petersburg und sprach so gleichgültig davon wie von einer Spazierfahrt, tröstete mich freilich dadurch über meinen Katzensprung nach Holland, aber nur halb, denn es lief mir schon beim Anblick des leer gelassenen Papiers der Meeresfläche, das doch gewiss mehr Unfälle bedeckt, als alle angränzende Länder, die mir grün und gelb vor den Augen flimmerten, ein kalter Schauer über den Leib. Ich berechnete die entsetzliche Tiefe und dass ich nur waten, aber nicht schwimmen könne. Das grosse kaiserliche Schiff verkleinerte sich in meinem Gehirne zu einer zerbrechlichen Schachtel – die mich – als wenn es in meinem täglichen Bette viel anders wäre, – nur im Schweben zwischen Zeit und Ewigkeit hielt. Denke nur: mitten in diesen ernsten Gedanken fällt mir noch, zu meinem Unglück, der grässliche Sturm ein, den der Anspachische Teodor in seinem wirbligen Kopf erregt hat. Ein schlechtes, lächerliches Vorbild, ich weiss es, das sich aber dennoch meine Phantasie nicht wehren lässt so täuschend auszumalen, als es nur ein Stück von Vernet sein kann. Wenn das Schiff stranden sollte – ach, ich fände kein Bret, worauf ich mich, oder meinen Namen retten könnte; denn auf Votiv-Tafeln, den Schutz der Heiligen und auf die Gebete der Mönche darf ich, wie es wohl andere tun, am wenigsten rechnen. Ich habe es