und gewann dadurch den überraschenden Anblick des immer glänzender hervor tretenden Schauspiels. So sehr es mein Herz entzückte, so neu war es ihm auch – neuer, als ich gegen die natur verantworten konnte. Ich tat ihr meine öffentliche Abbitte des verwegenen Gedankens halber, den vorzusetzen, das den Gaum eines so übersatten Menschen, wie ich, noch reizen könne.
Was für eine Allgewalt hat nicht die Bergluft über die bessern Empfindungen der Seele! Weisst Du es noch nicht aus eigener Erfahrung, so eile, Freund, sie zu gewinnen, so bald es nur Euer eiserner Himmel erlaubt.
Wer, in dem Bruderarm gesunden Schlafs erquicket.
Sein Lager im Gefühl der Auferstehung flieht,
Vom ersten Sonnenstrahl, der durch den Nebel zücket,
Sein Morgenopfer brennen sieht.
Dem lohnt Begeisterung. – Sein frommes Auge strebet
Dem Unsichtbaren nach. Sein weis'res Herz versteht
Die edle Bangigkeit, die seinen Busen hebet,
Und jeder blick wird ein Gebet.
Entschluss gerecht zu sein, Mut zu der Freundschaft
Taten,
Veredeltes Gefühl der Lieb' entsteigen nur
Der Dunkelheit des Walds, dem Wellenschlag der
Saaten,
Und deinem Säuseln, o natur!
Nach dem köstlichen ländlichen Mahl, das mich an der Seite zweier guter Menschen erwartete, als ich hungrig zurück kam, führte mich mein Wirt auf den allgemeinen Kegelplatz des Dorfs, um mich mit einem Blicke die ganze Gemeinde kennen zu lehren. Der Nachmittag ist in diesem land nur dem Vergnügen – und keinem mehr gewidmet, als dem Kegelspiele; und nichts kann wohl deutlicher von dem leichten Nahrungserwerb seiner Bewohner zeugen, als dieser Hang. Der Seidenwurm erfordert nur sechs Wochen Aufsicht und Wartung, wie unsere Kindbetterinnen, und belohnt dennoch dem Landmann weit reichlicher seine kleine Mühe, als der fruchtbarste Getreidebau und die fruchtbarste Frau bei uns. Die Olivenernte schlägt selten fehl, und der äusserst wohlfeile Preis des trefflichsten Weines zeugt von seinem Ueberflusse. Was für Forderungen können also diesen guten Leuten noch zu befriedigen übrig bleiben, als die Forderungen des Vergnügens?
Mein Begleiter war allen willkommen und ich mit ihm. Ich nahm indess nur einen mässigen Anteil an ihrem Zeitvertreibe, da ich nicht weit davon die jüngere Klasse des Dorfs nach dem Takte einer Leier ihren Mut auswalzen sah. Ich stahl mich unvermerkt von der Seite meines Führers hinweg, und labte mein Auge an dem Ausdrucke, der Freude – an den feurigen Blicken der Jünglinge und dem pochenden Herzen ihrer Geliebten. Blaise, mein Freund – immer erlaube mir, auch ihm diesen Namen zu geben – überraschte mich, da eben meine Augen auf dem liebevollen gesicht eines Mädchens ruhten, das der Huldigung eines Sultans würdig gewesen wäre. Er sah es, und fand ganz natürlich, dass mir dieses Geschlecht nicht gleichgültig sei.
"Wenn Sie morgen," redete er mich auf meine Miene an, "mit meiner Frau allein essen wollen, so will ich Ihnen zwei Stunden von hier eine gewisse Margot holen, die alle Schönheiten unsers Dorfs weit übertrifft; ein glückliches munteres geschöpf, die Tochter meiner Schwester und unser aller Liebling. Sie soll, wenn Sie es gut finden, so lange bei uns bleiben, als Sie bleiben werden: – ich weiss, Sie werden mir es danken."
Nun erschrak ich zwar nicht wenig über den Zuwachs unserer Gesellschaft, da mir der Gelass des Hauses nur zu bekannt geworden war; doch hielt ich es weiter nicht für nötig, ihm mein Bedenken mitzuteilen: noch weniger getraute ich mir, ihm die Gefahr merken zu lassen, die für mich aus der nahen Nachbarschaft eines Geschöpfes entstehen könnte, das seiner Beschreibung glich; denn dafür hatte der gute Mann keinen Sinn. – Es bleibt mir sonach nichts übrig, als in Geduld zu erwarten, was sein Versprechen leisten wird.
Den 23sten December.
Spotte, wie Du willst, guter Freund! Ich gefalle mir immer mehr in meiner einförmigen Lebensart, die eben so viel Mannigfaltigkeit hat, als sie mir neu ist. Da ist mir der heutige Vormittag wieder so angenehm reichste Stadt auffordern kann, mir einen bessern Morgen zu schaffen. Es ist freilich nur eine poste aux ânes – aber was tut das? Ich habe keinen so überfeinen Geschmack, als Ludwig der Grosse, und kann zu zeiten einen Bauerntanz von T e n i e r s mit mehr Teilnehmung betrachten, als eine Menschenschlacht von L e B r ü n .
Das Leben und Weben der Ankommenden und Abgehenden; das Satteln und Absatteln; die Anforderungen und Abrechnungen; die Ordnung und Unordnung; kurz das ganze groteske Gemälde, das sich jeden Angellblick erneuerte, verfehlte nicht, auf mein der Freude geöffnetes Herz seinen Eindruck zu machen. Doch gab ich nicht bloss einen müssigen Zuschauer ab. Warum hätte ich nicht dann und wann ein artiges Kind, das schalkhaft unter seinem Sonnenhütchen hervor blickte, aus dem Sattel oder in den Sattel heben, ihren freundlichen Dank oder sonst eine kleine Belohnung, die sie mir vergönnte, mitnehmen sollen?
Man kann kein fröhlicher Bild sehen, als so ein Landmädchen, wenn es, zwei Körbchen an der Seite mit Bedürfnissen, die es aus der Stadt geholt hat oder nach der Stadt bringen will, lustig einher oder davon trabt, dem flinken Burschen, der ihrer wartet, das Band reicht, das sie ihm mitbrachte, oder sich einen Kuss von ihm aus den Weg geben lässt. In unserm traurigen land, lieber Eduard, wird man sich selten den Zeitvertreib verschaffen können, auf einem so kleinen Umkreise so viel fröhliche Gesichter