, was mir noch einigermassen meinen Ausflug über die Gränze zu einer nützlichen merkwürdigen Reise stempeln konnte. Jetzt bringe ich meinen Landsleuten doch in der Gotteswelt nichts mit, das der Mühe lohnte. Welcher Leser wird an meine historische wichtige Entdeckung glauben, da ich sie mit keinem Original-Dokument zu belegen vermag. Mein Wort? Das Vidimus meiner eigenen Abschriften? Ja! damit darf man einem deutschen Gelehrten wohl kommen! – Indess wär' ich doch heilfroh gewesen, als ich den Blutrichtern des armen Calas nun über die Gasse nachsah – hätte ihre Bekanntschaft meiner Einbildungskraft nicht Schattenbilder zurückgelassen, die beinahe noch fürchterlicher waren, als sie selbst. Was kann noch aus dir werden, fing ich schauerlich zu berechnen an, wenn die Mehrheit der Stimmen dir dein Absolutorium verweigerte – wenn die ältern Kapitouls, klüger als die abgegangenen jüngern, auf den natürlichen Einfall gerieten, deine Aussage mit deinem Tagebuche zu vergleichen, wenn sie es einem Translator, der Oden nicht für Wäschzettel nimmt, übergäben, du in deinem Jammer, so lange bis es in französischer Sprache eben so geradebrecht wäre, als ihr Homer, warten, und nachher, Gott erbarme sich! alle die Stellen verantworten müsstest, deren sie nur zu viele, als kriminell, oder als unverständlich, mit roter Tinte anstreichen würden. Verwünscht sei der Prior zu Cotignac mit seinen Konventualen! denn nur sie, die nicht mittranken, nur ihr Neid über ein Geschenk, an dem sie keinen teil hatten, können allein diese Verräterei an dir und dem lustigen Pater André begangen haben. O die heillosen Mönche! – Mitten in diesem Selbstgespräch vermehrte ein Gerichtsbote, der dazwischen trat, mein Herzklopfen, ehe ich sah, dass es der liebe erwartete Erlaubnissschein zu meiner Abreise war, den er mir einhändigte.
Der grosse Taler, den ich ihm für seinen gang in die Hand drückte, ging ungleich leichter von mir, als jener, den ich dem teuflischen Kastellan zu Beziers opferte. Meine Freude war aber nur augenblicklich. Unter allen Bewegungen der Seele ist keine, die der Phantasie mehr zu schaffen macht – einem männlichen geist überlästiger, mit einem Worte keine, die demütigender, albernèr und peinigender ist, als die Furcht. Mir kamen die schauderhaftesten Beispiele aus einer Menge Kriminalakten wie zugeflogen, an die ich sonst in meiner Unschuld gar nicht zu denken gewohnt bin, und die ich meinem Zustande doch jetzt so anpassend fand, als ein eingebildeter Kranker jede grasse Sektionsgeschichte dem seinigen.
Ich überlas meinen Freipass wohl zehnmal mit äusserstem Misstrauen. Jeder Punkt und Strich, den ein Unbefangener gar nicht bemerkt, kann ja, dachte ich, ein abgeredtes Zeichen mit Polizeidienern sein, an die man in voraus weiss, dass du geraten musst. Spielen nicht oft boshafte Jungen mit einem armen Vogel, um ihn sicher zu machen? Kann er weiter fliegen, als der Faden lang ist, den sie ihm heimtückisch um den Fuss schlangen, und kann ein so guter Kerl, wie du, nicht schon tagelang auf der Diligence in engem Verhaft sitzen, und immer in dem süssen Wahn stehen, er reise nach seinem vaterland, bis seine Auflaurer für gut finden, ihm solchen zu benehmen? Kaum hatte ich von allen diesen schreckhaften Möglichkeiten eine abgefertiget, als gleich eine andere an ihre Stelle trat. Einmal versuchte ich trotzig zu tun. Possen, sagte ich, die Originalschriften sind ja den königlichen Bevollmächtigten überliefert. Wer kann mir beweisen, dass ich sie gelesen habe, ausser – stockte ich ganz auf einmal niedergeschlagen – dein unseliges Tagebuch. Nun – fuhr ich schnell besonnen fort, was hindert dich denn, es zu vernichten, ehe es wider dich zeugt? Die eine Hälfte liegt schon in der Asche – lege die andere dazu! Ja, wenn nicht die väterliche Liebe zu dem Nestling gewesen wäre, die sich geradezu gegen den grausen Gedanken sträubte. Endlich kam ich – was gewinnt man nicht durch Nachdenken! – auf einen Einfall, der mir in meiner ängstlichen Lage als der beste Notelfer so genialisch erschien, dass ich ihn sogleich auf das herzhafteste ausführte. Ich unterwarf nämlich mein Buch der Operation des Origenes. Die ausgeschnittenen gefährlichen Blätter teilte ich wieder in zahllose Dreiecke, die ich an einem gewissen staubigen Orte verbarg, dem sich nicht so leicht ein schwarz gekleideter Kommissair nähern wird. Ich will den Inquisitor loben, der ihn als verdächtig anspricht, oder auch die Papier-Schnitzel ohne meine hülfe in ein lesbares Ganze zusammensetzt.
Nach solchen genommenen klugen Massregeln, sollte wohl jeder Vernünftige glauben, müsse mir das verzagte Herz gewachsen sein. Nichts weniger. Der Schrecken war mir einmal ins Blut getreten und stieg mir immer höher zu kopf.
Wird es denn der König, warf ich die Frage auf, wohl für wahrscheinlich halten, dass jemand seine Ahnen-probe vierzehn Tage in der tasche haben kann, ohne sie zu untersuchen? und ist nicht der königliche Glaube an die Möglichkeit allein schon hinlänglich, ihn par raison d'Etat in das erste beste gefängnis so gut mit einem Maulkorbe zu stossen, als mit einer eisernen Maske? Heiliger Fiacre! schütze mich, dass ich nicht um deinetwillen auf die Brescauische Austerbank, der du glücklicher entgangen bist, als du verdientest, zu liegen komme! Hier unterbrach mich Bastian mit der Nachricht, die Wasserkutsche sei sammt dem Daraufgelde für den guten Platz während meines Verhörs ab und davon gefahren. "O desto besser," rief ich, "die Gesellschaft, die man auf einem Toulouser Postschiff erwarten