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Indess von ihm gewandt, im Zauberkreis des Spottes Mein blick den Raum durchstrich, wo Coypels
Dichterflug
Die traurige Gestalt des bessern Donquixotes
Ins Panteon der Narren trug. Schon sah ich über mir den halben Tag verschwunden Und fiel, dem Ueberdruss der Kunst kaum losgewunden, Mit jedem weitern Schritt in neuen Ueberdruss; Denn dieser Peiniger, den mir des Schicksals Schluss An meine Fersen festgewunden, Ach dieser Brutus meiner schönen Stunden Berauschte sich, wie's schien, in meinem Ungenuss. Gott, welch ein Trauerspiel! Bald fiel es in das Grasse. Denn, war vor Ihm in meinem Hasse Gleich noch so hoch kein Sterblicher gediehn, hatte' ich doch, wie Linnée, den Tiger in die Klasse Der Katzen nur gesetzt, ihm Krallen nur verliehn. Jetzt stieg Er schwärzer auf in meinen Phantasien. Denn, als nach manchem Saal, im prächtigen Gelasse Der Ritterzeit – nach manchem Baldachin, Die Ihn so blendeten, dass er den Hut zu ziehen Nicht widerstand, nun endlich die Terrasse, Nach der ich längst geseufzt, erschien, denke mein Entsetzen Dir, dann erst erkannt ich Ihn Für Jenen, den mein Mund beim Eintritt von der Gasse So frevelhaft citirt. Glüht nicht dem Satanasse Mein Aufgelb in der Hand? Was sollt' ich tun?
Entfliehn?
Z u spät, Er hielt mich fest, warf schreckliche Vergleiche Mir in den Weg, wies mir den Unterscheid Von mir zu seinem Herrn – geweiht und nicht geweiht Fürst oder nichts zu sein – und zeigte mir die Reiche Der Welt und ihre Herrlichkeit. Leis rief ich: "Hebe dich von hinnen! Ich gelobe Dir nichts als meinen Fluch." Da wirbelte die grobe Verworfne Faust zwei Stiegen mich hinab Zu der, dem Pallium, dem Kreuz, dem Hirtenstab Und Bischofshut geweihten Garderobe. Und als ich seinem Wink mich dennoch nicht ergab, Zog er mein schwächstes teil, mein Herz noch auf die
probe.
Zwei Flügel sprangen auf. Ein Duft von Rosen brach Aus einem Himmelbett, grün, wie ein Laubedach, Zu räumig nur für einen einzeln Christen. "Ist hier der Hain," rief ich, "wo Amors Tauben nisten? Wohin bin ich versetzt?" Und der Versucher sprach: "In des Prälaten Schlafgemach!" Hier, wo die Grazien nicht nur in Marmor-Büsten, Nein, Töchter auch des Lands in jungfräulichem Licht Zur Zeit der Firmelung sich ihm entgegen brüsten, Stürzt Er – nicht wie ein Spatz auf Kirschen nur erpicht, Die keinem andern Spatz den Schnabel schon
versüssten –
Er stürzt – wie Jupiter mit göttlichen Gelüsten Zur Ruh auf Ledens Schooss durchs Empyreum bricht – Aus seinem Wolkenbett. Nach schlauer Uebersicht Der holden Kinderchen, die aus dem Schlaf ihn küssten (Diess ist ihr Eingangs-Zoll ins Prälaturgericht) Wählt Er ein Gänschen aus, mit Schwingen, die noch
nicht
Sich so heroisch blähn, als ob sie längst schon wüssten Nie sie mit wogendem, dankbarem Gleichgewicht Den Segen seiner Hand gerührt erwiedern müssten. Je mehr ihr Jugendglanz ihm in die Augen sticht, Je schüchterner sie seinen blick begrüssten, Je sanfter lispelt Er: "Mich drängen Amt und Pflicht, Euch lieben Schwächlinge zum ersten Unterricht Für eures Daseins Zweck mit Kenntniss auszurüsten; Das hohe Lied dien' uns zum Führer! Es verspricht Den Lernbegierigen nach kurzen Stundenfristen Den Spiegel ihrer selbst – doch, Alberne, was ficht Dich für ein Schauer an? Kennst du diess Lehrgedicht?" Sie nickt. "Verstehst es auch?" Er hört mit Wohlbehagen Ihr kindisch Nein – er hört, dass vor den Ostertagen Sie schon der Rut' entwuchs, und drum der Schul'
entfloh.
Weil der Präceptor ihr – Sie schäme sich's zu sagen, Wenn sie im Lesebuch ein A mit einem O Vertauscht – "Still!" fällt er ein, "lass lieber, statt zu
klagen,
Mich deine Augen sehen – Scheust du sie aufzuschlagen, Weil sie zu feurig sind? Ich bin ja nicht von Stroh." "Nun dabei," lächelt sie, "habt Ihr wohl nichts zu
wagen."
Sie lässt drei Blicke los – nur drei – und lichterloh Brennt schon sein Hirtenstab, sein Hermelin am Kragen, Und jede Trottel brennt an seinem Domino. "Jetzt," lallt sein Mund, "jetzt hilf die Grillen mir
verjagen.
Horch! Gott schuf Mann und Frau mit Herzen, Kopf und
Magen,
Doch i h r hing er auch noch ein kleines quid pro quo Zum Freudenwecker an. Das Bild an jenem Schragen Stellt dir ein Beispiel dar. Sieh, wie geweckt und froh Ein reizend Mädchen dort, ohn' eine Spur von Zagen Mit einem Schwane spielt, der wie ein Tier sich roh Und keck dabei benimmt. Sieh, wie er seine zwo Verliebte Schwingen hebt, aus diesem Nest voll Plagen Die kleine Nackende ins Paradies zu tragen, Das, ehe der Advent mit Fasten uns bedroh, Ich dir jetzt zeigen will." Betroffen fragt sie: "Wo? Liegt denn – wo sucht Ihr denn das Par.." und sinkt im
fragen
Mit einem laut als säng sie ein Adagio, Tief in sein Lotterbett, wo schon oft Klügre lagen, Die jetzt, als Heilige, weit über andre ragen. "Ach, Hoch – ehr – würdger Herr," stöhnt sie, "beim
Salomo
bitte ich – beschwör ich Euch – wollt Ihr mich denn
zernagen?
Ist's möglich! Firmelt