Säbel geführt haben, da er jetzt noch mit seiner Krücke so gut trifft!" Ich blickte den Schwätzer mit grossen Augen an. "Sie hätten aber auch nur," fuhr er fort, "die innige dankbare Freude des armen Graukopfs sehen sollen, als ich ihm nach Ihrer Anweisung das Goldstück einhändigte." "Nach meiner Anweisung?" fragte ich, "weise sie doch her!" Ich drehte mich mit meiner Visitenkarte nach dem Fenster, sah mit Verwunderung meine eigenhändige Schrift vor mir, und trällerte, um Bastianen keine Verlegenheit merken zu lassen – Gott weiss was für ein Liedchen – das aber sicherlich keins zum Lobe Beziers und der Physiognomik war, denn – kannst Du denken! der lahme bettelnde Soldat, dessen offenes Gesicht mich gestern so weich machte, hatte meine ihm zum Botenlohn verschriebene Schuld von vier und zwanzig Sous mit derselben dürren Hand, die er mir zitternd entgegenstreckte, und einer Geschicklichkeit ohne Gleichen, in so viel Livres verfälscht, die der arglose Bastian und mit tausend Freuden, wie er mir versicherte, auszahlte, ja nebenher noch eine Flasche Wein auf die Gesundheit des geretteten Menschenverstandes seines armen Herrn mit dem Helden ausleerte. "Daran hast du sehr wohl getan!" sagte ich, – "warum batst du ihn nicht auch noch heute zum Abendessen; denn käme er mir jetzt unter die Augen, ich wollte ihm wohl meine Erkenntlichkeit noch tätiger beweisen. Hier hast du deinen Rechnungsbeleg wieder. Ich hoffe, es soll keiner dergleichen mehr vorkommen." "Dazu gebe ja der Himmel seinen Segen!" seufzte Bastian, indem er mir das Schreibzeug zurecht setzte.
Will ich auch des lieben Gottes nicht weiter erwähnen, der Beziers, das wiederhole ich dem Herrn Hübner und Krebel zum letztenmal, so wenig, wie ich, zu seinem irdischen Aufentalt wählen wird – so wohnt doch immer ein Stattalter von ihm, ein Bischof da, der, dächte ich, wohl vor allen Dingen seiner diebischen Gemeine das siebente Gebot näher, als es das Ansehen hat, an's Herz legen sollte; aber eben erfahre ich vom Wirt, mit Nebenumständen, die mich so giftig machen, als ob mich wirklich ein toller Hund inoculirt hätte, dass der Hirte dieser räudigen Heerde seine schöne Terrasse sogar, nie als einige Tage zur Frühlingszeit in Amtsverrichtungen besucht, die seine Gegenwart erfordern.
"Der Zutritt zu jenem Weltwunder," erzählte er weiter, "wäre zwar gegen ein Gratial jedem Durchreisenden vergönnt, aber nur nicht vor zehn Uhr des Morgens; so lange schlafe der gnädige Herr in Paris und sein Kastellan hier." "Nun, Herr Wirt," schrie ich ihm dagegen in die Ohren, "so bestelle Er mir die schon einigemal recht schändlich abgesagten Postpferde auf Morgen desto pünktlicher mit Anbruch des Tages, denn ich mag in diesem mir höchst fatalen Ort keinen weiter verlieren." Nach dieser, wie ich glaube, deutlichen Erklärung flüchtete ich, ohne mich weiter so wenig um ihn, als um die bischöfliche Burg und meine verpfändeten Augen zu bekümmern, voll Bosheit ins Bette.
Beziers.
Den 5ten März.
Und stehe jetzt in einer zehnmal ärgeren – in einer wahren ruchlosen Stimmung wieder auf; denn ich möchte mich gern dem Teufel übergeben, um mich von hier wegzubringen, wenn ich so gut Freund mit ihm wäre, als Doktor Faust.
"Warum hätte ich denn Sie und Ihren Kammerdiener," überschrie der Kerl meine Flüche, als er nach neun Uhr vor mein Bette trat, "um nichts und wieder nichts aus dem süssen Schlafe rütteln sollen, da, so hören Sie doch mir! vor Nachmittags keine Postpferde zu haben sind. Was verlieren Sie denn dabei? Sie sind ja hier gut aufgehoben, und können nun die Residenz, die Bilderkammer, den Hausschmuck und die Terrasse von Monseigneur nach aller Bequemlichkeit besichtigen; denn ehe Sie mit Ihrem Frühstücke und Anzuge fertig werden, ist der Kastellan munter."
Der Mensch blieb mir unausstehlich, er mochte vorbringen, was er wollte. Ich wies ihm die Tür, ging dreimal die stube auf und ab, und wiederholte, wie jener Kaiser, das A.B.C. um über meinen Ingrimm Herr zu werden. Ich ward es, und machte mich um zehn Uhr auf den Weg. Alleweile, da ich zurückwärmtes Essen habe ich dahin gewiesen, wo es herkam; denn ich mag nicht eher wieder essen, trinken und mich sonst nach einer Freude umsehen, als in Castelnaudari. Dort in dem trefflichsten Gastause der ganzen französischen Monarchie, wie die Kenner behaupten, hoffe ich wieder Freundschaft mit mir selbst zu stiften und während eines herrlichen Frühstücks Dir den Pallast, die Terrasse, die Zimmer und Gemälde des Bischofs und seine persönlichen Amtsverrichtungen so poetisch zu beschreiben, als sie es verdienen. Habe ich doch über den heutigen halben Tag und die folgende ganze Nacht zu gebieten, um in meiner lieben heimlichen Berline, die ich eben nach langem Stillstand wieder begrüssen und nicht eher, als vor dem Tore jenes berühmten Hotels verlassen werde, meine schönen Rückerinnerungen in Musik zu setzen.
Castelnaudari.
Den 6ten März.
Keiner von allen mir bekannt gewordenen Wegen der Welt ist mir weniger langweilig, reizender und ebener vorgekommen, als der mich aus dem Fegfeuer zu Beziers in das Paradies, das ich nun glücklich erreicht habe, gebracht hat.
Ich ward in den funfzehen Stunden, die mich, ungeachtet meiner elastischen Chaise, umsonst in den Schlaf zu wiegen suchten, immer munterer