," fuhr ich fort, "lässt sich noch sprechen, wenn Sie mir erlauben, Ihnen und der Venus meine Aufwartung zu machen." "Viel Ehre für beide!" verneigte er sich. "So darf ich Ihnen wohl folgen?" fragte ich, "denn länger, als eine gute halbe Stunde kann ich mich hier nicht aufhalten." "Das tut mir leid," entgegnete er, "und ich kann sonach Ihnen nur noch eine glückliche Reise wünschen, weil ich vor drei Uhr nicht wieder zu haus sein kann – nötiger Geschäfte wegen." "Das," besann ich mich, "lässt sich wohl noch vergleichen. Die meinigen sind nicht so dringend, um darüber einen schönen Anblick aufzugeben. Ich darf ja nur die Postpferde später bestellen. Nach drei Uhr also, lieber Herr Notar, will ich mich einstellen."
Er nickte mir bloss mit dem kopf zu, ergriff verdriesslich seinen Hut und ging. Unter der Tür drehte er sich noch einmal nach mir um. "Wenn Sie lange Weile haben, und wollen unterdessen, bis ich zurückkomme, meiner Tochter zusprechen, so steht es bei Ihnen. Die Venus aber kann Ihnen freilich ein Mädchen nicht aufdecken. Der Kellner weiss, wo wir wohnen." Er war schon auf der Treppe, ehe ich antworten konnte. Das ist ein wunderlicher Heiliger, dachte ich; erst so gesprächig und nun so kurz abgebrochen! Sollte er denn aus den paar Worten, die ich über den Preis seines Gemäldes fallen liess, einen Knauser in mir vermuten, der erst den Vater treuherzig gemacht hätte, um durch jüdischen Handel die Verlegenheit der Tochter zu benutzen, und ihren ohnehin geringen Brautschatz noch zu schmälern? Das möchte, wohl bei andern Käufern der Fall sein. Nein, ich will nicht zur Ungebühr so presshafte Personen noch mehr pressen. Das schwör' ich bei dem Andenken des unsterblichen Titian.
Es wäre doch drollig, Eduard, wenn das abgeschmackte Beziers mir zu einem Kleinod verhülfe, nach welchem ich, seit ich denken und fühlen kann, vergebens geangelt habe. Zum Glück – auch in dem Falle sogar, wenn die misslichen Umstände eines einzigen Sprösslings den Vater auch nicht zu einem Sous Nachlass bewegen könnten, – bleibt meiner Kasse noch hinlänglich Kraft, den gebannten Geist des grossen Malers aus dem verfallenen Bau des Notars zu erlösen, ohne dass mir, wie gewöhnlich den Schatzgräbern, weitern Fortkommens wegen bange sein darf. Reiche ich mit meiner Baarschaft nur bis Leiden! Bei einem Freunde, wie mir Jerome ist, habe ich keine Verlegenheit zu fürchten, wenn ich ihm nichts leereres verrate, als meine Geldbörse!
Wie hat mich doch in diesem Augenblick eine Postchaise erschreckt, ehe ich sah, dass sie durchfuhr!
Es müsste aber auch wunderlich zugehen, wenn der Zufall eben jetzt den erwarteten Sekretär in die Quere brächte. Sein Termin ist verlaufen. Es hat drei geschlagen; ich fliege nun meiner Schutzgöttin entgegen.
Den 3ten März.
Du siehst mich immer noch hier, Eduard, und kannst leicht denken, dass sich, ausser meinem wichtigen Handel von gestern, noch andere Dinge eingemischt haben müssen, die meine Abreise von diesem fatalen Ort verzögerten. Die Sache hängt so zusammen. Ich fand den Notar und seine einzige Tochter vor einem grossen Topf Chokolate à double Vanille, zu meiner Bewillkommnung. Die Liebesgöttin lauschte hinter einem grünlichen Vorhang, gerade über dem abgenutzten Sopha, auf welchem die Braut sass, deren Jugend und Farbe mir einen sehr billigen Kauf versprach, wenn ich ja in Versuchung käme, bei einem Meisterstücke der Kunst an gute Wirtschaft zu denken. Das gute Kind, bemerkte ich mit heimlichem Vergnügen, hatte ihre Blütenzeit schon so weit hinter sich, dass es toll und töricht vom Vater wäre, wenn er noch einen Tag anstände, vermittelst des älteren Fideikommisses dem jüngern Luft zu machen.
Die gar zu höflichen Leutchen verschwendeten einen Schwall ihres Getränkes an mich, das ich, während meine Gedanken hinter dem Vorhange schwebten, aus Zerstreuung hinunter – und dagegen in allem meinem Geäder eine gewaltige Hitze aufjagte. beiten, der mich, seiner natur nach, mit jeder Tasse viel weiter nach Paphos zu treiben drohte, als es für den Vorteil meines vorhabenden Geschäfts gut war, benutzte ich jede gelegenheit, dem vergilbten Mädchen das Glück der Ehe und die Seligkeit verbundener Seelen aufs reizendste vorzumalen. Meine Poesie blieb nicht ohne wirkung. Ihre Wangen flammten stärker noch, als die meinigen, und sicher liess sie in ihrem pochenden Herzen jedesmal hundert Livres von dem geforderten Preise nach, so oft ich mich geneigt fühlte, mein Gegengebot um funfzig zu erhöhen. Dieser stillschweigende Handel um ein verdecktes Gemälde ward mir jedoch je länger, je lästiger. Ich musste alle meine Artigkeit zusammennehmen, um im Beisein der verschämten Braut den Vorhang nicht ein wenig zu lüften. Endlich – auf einen bittenden Wink des Vaters, setzte sie die Tasse aus der Hand, rückte den Tisch und entschloss sich, die beiden Herren mit der Venus allein zu lassen. Ich hätte sie, und das will viel sagen, umarmen mögen, als sie mit der dritten und letzten Verbeugung an der Tür, meiner Ungeduld ein Ende machte. Welch eine Erwartung, welch ein köstlicher Augenblick! Der Notar ergreift die Schnur – ich zittere am ganzen leib – der grüne Vorhang fliegt seitwärts – meine feurigen Augen, wie Lichter, die schnell in das Dunkle treten, stürzen nach und umfassen nun mit Erstaunen das Gebild, das mich