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Bauern vermag, und müssen dem Ehebette gegen über schlafen."

"Kerl," fuhr ich auf, "glaubst Du, dass ich ein Dragoner bin?"

Aber Johann liess sich nicht stören – "Mit solchen Menschen," fuhr er fort, "wie diese sind, ich weiss es im voraus, treten Sie gern in alle Verbindungen, wie sie möglich sein wollen. – Reine, unverdorbene natur, die glückseligste Häuslichkeit, und ein ..."

"Lass es damit gut sein," fiel ich ihm in's Wort, und schüttelte den Kopf: "Erzähle nur ganz einfältig und gerade, warum es eben ein so enges Stübchen sein musste?" –

"Ich hätte Ihnen zwar eben so leicht," antwortete Johann, "ein grosses, prächtiges, leer stehendes Haus, das dem Herrn des Dorfes gehört, mieten können, und es steht Ihnen immer noch frei, es zu tunDoch es wird keine Not haben. – Ich kenne Ihre Bedürfnisse, und mehr Fröhlichkeit, Reinlichkeit und Dienstfertigkeit, als Sie in dieser Hütte antreffen, würden Sie sogar in den schönsten Palästen Berlins vergebens suchen. Ich habe in einigen davon gedient, ehe ich zu Ihnen kam: aber aber ..."

"Gut, mein lieber Johann," sagte ich etwas beruhigter: "Morgen mit dem frühesten trage meinen Namen in der Stadt herum, und übermorgen mit Tagesanbruche wollen wir uns auf den Weg machen.

Den 20sten December.

Von dem heutigen Tage nichts, was sich der Mühe verlohnt! – Es ist alles abgetan, was die leidige Höflichkeit verlangt, und sogar von meiner poetischen Freundin ist mir der Abschied nicht schwer geworden. Meine Koffer habe ich meiner Hauswirtin, bis zu meiner völligen Abreise aus dieser Provinz, übergeben, und bezahle ihr das Quartier auf den ganzen monat. Sie wimmert, dass ich ihren Pavillon so bald verlasse, und schimpft auf die hässliche Grippe, die ihr schon manchen guten Fremden verjagt hätte.

Wirklich kann auch dem gesellschaftlichen Leben nichts nachteiliger sein, als der verwünschte Wind, der oft unversehens die schönsten Spiel- und Lustpartien aus einander stäubert, und der Schnupfen, den er mitbringt. Er erschlafft alle Sehnen und erkältet das Herz. Befällt er nun vollends Menschen von meiner reisst, nicht so geschwind wieder an seine Enden zusammen geknüpft

Da die Winde hier einmal wie das andere ihren Strich halten, und nicht wie Salomons Winde blasen, wohin sie wollen; so hat man eine bequeme Karte, auf der man leicht übersehen kann, welche Oerter ihrem Durchzuge unterworfen sind. Wäre Nimes eine Meile seitwärts auf der Stelle des Dörfchens gebaut, das ich morgen beziehe, so würden die ärzte wenig hier zu tun finden, und ich hätte meinen Pavillon schwerlich so bald verlassen. Was würde aus Nimes geworden sein, wären die Römer so empfindlich gegen den Schnupfen gewesen als ich!

Den 21sten December.

Heute in der Wärme eines Frühlingsmorgens bezog ich mein Dörfchen, das den Namen C a v e r a c führt, und nur andertalb Stunden von der Stadt entfernt ist. Es ist einem Baron zuständig, der um seinen König herum kriecht, und sein Schloss unbesucht lässt, das ohne hülfe unter seiner eigenen Pracht und Grösse erliegt. Die kleinen Bauerhütten, die es umzingeln, sehen wie Brocken aus, die Wind und Wetter von seiner Felsenwand abgespült haben: aber sie liegen sicher und ruhig, indess die zerstörende Zeit unermüdet an dem Einsturze des nachbarlichen Kolosses arbeitet. das Johann, mit einem Gefühl, das seinem Herzen Ehre macht, für mich ausgesucht hatte, und möchte es, so hölzern es ist, für keinen Preis gegen den traurigen Aufentalt in jener Steinmasse vertauschen, die ihm zur belehrenden Aussicht gegen über liegt. – Und die Bewohner dieser Hüttewer wollte nicht mit ihnen zufrieden sein?

Dess Herz war wohl seit dem Ergüsse

Des ersten Tropfen Bluts vergällt,

Der sich zu gut zum Mitgenusse

Der Freuden dieser Menschen hält;

An ihrer Patriarchen-Sitte

Der Städte Politur vermisst,

Nicht unterm Strohdach ihrer Hütte

Gern seine Gobelins vergisst;

Dem fette Milch aus irdner Schlüssel

Nun keine Fürstenkost mehr däucht,

Weil sie kein Herr nom goldnen Schlüssel

Mit ernstem Amtsgesicht ihm reicht;

Der nie den ungesuchten Scherzen,

Des Landmanns Tischgesprächen horcht,

Weil er sie nur dem frohsten Herzen,

Nicht Fontenellen abgeborgt."

Reine, unverdorbene natur! Warum verwies ich meinem Johann diesen Ausdruck, der, so oft er auch gemissbraucht wird, doch auf diesen gesunden, tätigen, fröhlichen Mann und auf sein junges, reizendes, liebevolles Weib so passend ist, dass ich für diese glücklich zusammen Gepaarten keinen schicklichern ausfindig zu machen wüsste.

Ein Morgen Land, der an ihre Hütte anstösst, mit Oliven, Feigen und Maulbeerbäumen besetzt; eine Oelpresse und ein Behälter im Vorhause für ihre Seidenwürmer: das sind die einfachen Mittel ihres Unterhalts, und nie, sagen sie, habe sich noch Mangel und Schwermut ihrer Schwelle genähert. Sie treiben ihre Handarbeit wie ein Spiel, durch das sie Hunger, Schlaf und Stärke der Liebe gewinnen. An die Seele denken sie nicht: diese ist bei ihnen ein Acker, der von selbst nur reine und gesunde Frucht tragen kann, und keiner mühsamen Bearbeitung bedarf. Die Kunst, zufrieden zu sein, liegt ihnen in dem Herzen, wie die Kunst zu sehen in den Augen. Sie nützen diese natürlichen Eigenschaften, ohne einen Augenblick über die Mechanik derselben nachzudenken.

Da es für