haben, denn ohne zu entscheiden, ob er mir Sperlinge oder Finken vorgesetzt hat, wollte ich doch, wenn es Not hätte, vor Gerichte beschwören, dass es keine Ortolane waren. Ich hatte an dem Versuche eines einzigen Flügels genug, schob die Schüssel mit Ekel von mir und, "Glaubt der Herr Wirt," fuhr ich ihn an, als er mit schrumpfigen Mandeln zum Nachtisch hereintrat, "dass man einem Deutschen alles weiss machen kann? Hol' Euch dieser und jener mit Euren Ortolanen und Eurem gotteslästerlichen Städtchen!" Ich hätte gern meine Worte wieder zurückgehabt, denn kein elender Skribler, der heisshungrigen Lesern unter dem Titel eines komischen Romans ein Buch in die hände spielt, bei dem ihnen das lachen vergeht, kann sich ungeberdiger gegen die gelehrten Verräter seines Betrugs benehmen, als sich der Mann gegen meine unparteiische Recension seines Geflügels auflehnte.
Nun setzt wohl nichts mehr die Galle in Bewegung, als wenn solch ein Unverschämter, dessen elende Kost wir eben erprobt haben, den Stein, der ihn treffen sollte, nach uns zurückschleudert und zu seiner Rechtfertigung unsern Geschmack verdächtig zu machen sucht, wie es sich dieser Sudelkoch gegen meine feine Zunge herausnahm. Bitter und böse über seine so beleidigende Gegenrede, wollte ich eben Bastianen rufen und noch einmal auf die Post jagen, als ich in der tür einem Quidam entgegen rennte, der im Begriff war, anzuklopfen. "Um Vergebung – ich habe mich geirrt," stotterte er, "ich sah vor dem haus eine Berline stehen und dachte, sie gehöre einem Herrn zu, den ich täglich und stündlich erwarte, dem Sekretär des Herzogs von Bedfort, für dessen Gallerie ich ihm – Lassen Sie Sich nicht stören, mein Herr! – einen Titian verkauft habe."
"Ich weiss nicht, was ich von seinem Ausbleiben denken soll. Er hat mir nichts auf den Handel gegeben und die Zahlungsfrist ist nun schon vor drei Wochen verlaufen." Meine runzlige Stirn klärte sich auf. "Treten Sie doch näher, mein Herr!" nötigte ich ihn in das Zimmer, "mit wem habe ich denn die Ehre zu sprechen? Handeln Sie mit Gemälden?" "Nein," sagte der freundliche Mann, "ich bin hier geschworner Notarius." "Einen Titian sagen Sie?" – "Ja," erwiderte er, "eine Venus von ihm und sicher aus seiner besten Zeit. Sie ist als Fideikommiss auf mich gekommen; ob sie aber, nach einer alten Tradition, dieselbe ist, vor der Karl der Fünfte den Pinsel aufhob, will ich nicht mit Gewissheit behaupten, ungeachtet schon mehrere Kenner die warme Stelle haben angeben wollen, wo er dem Maler von allzustarkem Entusiasmus entschlüpft sei." "Der erste Umstand," sagte ich lächelnd, "würde für den Wert des Bildes auch wenig beweisen. Grosse Herren heben oft Pinsel aus dem Staube, die es nicht verdienen, und lassen bessere liegen, die sie aufheben sollten. Das sind zufällige Dinge, auf die sich ein wahres Genie nichts zu Gute tut, und die selbst als Anekdote in der geschichte der Kunst von keinem Belang sind. Die Gemütsbewegung des Künstlers hingegen, von der Sie sprachen, wäre schon bedeutender. Aber dürfen Sie denn, mein Herr! ein Fideikommiss veräussern?"
"Die Verbindlichkeit seiner Erhaltung," erklärte er mir etwas weitschweifig, "hört, den Gesetzen gemäss, bei dem letzten Nachkommen des Erblassers auf. Nun kann ich zwar die Familie noch nicht für erloschen ausgeben, da mir eine Tochter geblieben ist, die den besten Willen hätte, sie fortzusetzen, wäre ihrem Freier nur mit einer bloss gemalten Ausstattung gedient. Indem ich aber von dem wenigen Meinen, ausser diesem Kunstwerke, durchaus nichts entübrigen kann, so tritt die Rechtsfrage ein, ob ein Vater in meinem Falle seine einzige Tochter der Gefahr, ihren Bräutigam zu verlieren, aussetzen, oder ihrem nicht unbilligen Verlangen nachgeben soll, das Bild der Liebe der Wirklichkeit aufzuopfern? Ich habe den Zweifelsknoten als Rechtsgelehrter erst auf allen Seiten betrachtet und ihn endlich als ein zärtlicher Vater gelöst."
"Denn kann auch, sage ich, das herrliche Gemälde nach seinem Verkauf nicht auf die künftigen Leibeserben meiner Tochter übergehen, so müssten sie doch, sage ich, vor den Kopf geschlagen sein, wenn sie mich desshalb in Anspruch nehmen wollten, da ich doch ehrlicher Weise ihnen zu ihrem Dasein nicht anders verhelfen kann."
Ich machte dem schwatzhaften Mann so viele schmeichelhafte Komplimente über die Bündigkeit seiner Deduktion, und wusste zugleich meine in Geheim aufsteigenden Wünsche so geschickt durch die sehr wahrscheinlichen der bedrängten Schönen zu unterstützen, dass ich ihm bald genug die Erklärung, an der mir am meisten lag, abgelockt hatte: "er wolle nun auch keinen Tag länger auf den saumseligen Bezahler lauern, wenn sich ein Liebhaber fände, der in seinen Kauf träte." "Und auf wie hoch, wenn ich fragen darf, haben sie ihn abgeschlossen?" "Auf tausend kleine Taler," erwiderte er, "eine mässige Summe für einen Titian, der so gut erhalten ist, als es ein Fideikommiss nur sein kann; aber, wie gesagt, die bängliche Lage meines armen Kindes" ... "O, diese" fiel ich ihm ins Wort, "könnte wohl selbst einen so zärtlichen Vater vermögen, noch etwas von jenem Preise nachzulassen, wenn er baares Geld sieht. Nicht wahr?" Er zuckte mit den Achseln. "Nun darüber