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Geschäfte zurückkam. Ein heimisch angenehmer Schauer des Eigentums flog mir über die Haut. – Die Stadt lag mir im gesichtich hatte den rücken frei, und dachte an mein Vaterland. Wenn ich es nur erst wieder erreicht habe, so verschwöre ich.... Doch nein, unterbrach ich mich erschrockenden Meineid gegen Agaten ohnehin bei Seite gesetzt, wäre es noch immer ein höchst verwegenes Gelübde. – Denn ob mir gleich jetzt der Stein des Doktor Kämpf nicht mehr auf dem Herzen liegt, wer kann für die Zukunftwer kann dafür stehen, dass du nicht auch einst als ein veralteter Kammerherr den elektrischen Funken nachtappen musst, die hier dem schönen Geschlecht, wie bei uns den Katzen, entsprühen. – Und wenn dich nun Agate, wovor Gott sei, nicht möchte, und dich nun nach und nach bei zunehmenden Jahren die gute Gesellschaft zu Berlin von ihren muntern Soupers als ein unbrauchbares Mitglied ausschlössewas bliebe Dir wohl zu deiner Erheiterung übrig, als dich an eine zu halten, die mit ihrer Haut dafür steht, und die man, so viel ich weiss, an keinem Orte in der Welt antrifft, als hier. Ich machte also, indem ich von dem Monte puellarum Abschied nahm, wegen meines Wiederkommens einige kluge Bedingungen, und bei der letzten Zeile des Akkords, den ich zu meiner Erinnerung in die Schreibtafel eintrug, war Bastian wieder da, und der Wagen bespannt.

Wenn mich einst Husten, Stein und Gicht

Aus jugendlichen Reihen jagen,

An meinem hageren Gesicht,

Melancholie und Schwindsucht nagen,

In jenen unwillkommnen Tagen,

Wo man das Ordensband, das unsre Brust umrauscht,

Den Sack voll Gold, auf den der Erbe lauscht,

Gern um ein Pflaster für den Magen

Und einen Kräutertee vertauscht,

Nur ärzte noch nach unserm Pulse fragen,

Kein Kuss sich mehr an unsre gelbe Haut,

Kein kluges Mädchen mehr an unser Bette traut,

Und uns nur Schmerz und Missbehagen

Von einem Stuhl zum andern tragen

Wenn mich des Landes Fett nun lange g'nug genährt,

Mein Fürst, den ich erzog, so sehr mein Alter ehrt,

Und ihm Erholung gönnt, dass er mit süssen Mienen,

Doch mit dem Vorbehalt, wenn es die Not begehrt,

Sich meines treuen Rats noch ferner zu bedienen,

Mich in dem Spiegelsaal zum Veteran erklärt;

Wenn sein Heiduck nun jener Furche lächelt,

Die meine weise Stirne zieht,

Und die Prinzess sich stärker fächelt,

Je näher sie mich kommen sieht,

Belebter nun der Hof mit neuen Müssiggängern

Sich ohne mich um seine Axe dreht,

Um mich herum die Schatten sich verlängern,

Und mein Gestirn, das jetzt im Mittag steht,

Den Kreis verlässt und untergeht

Wenn Wielands ausgespielte Flöte

Nun auch nicht mehr die schlaffe Seele rührt,

Und mich nicht mehr die Abendröte

Nach Amatunt in unsers Göte

Geheime Myrtenwäldchen führt

Und wenn auch Dir, der mir um eine Stufe

Des Lebens dem vertrauten Rufe

Des Todesengels näher steht,

Manch Lüftchen schon aus Platons Haine

Die Wettgesänge der Gemeine,

Die Deiner harrt, entgegen weht;

Wenn auch n u n Du, mein Leukon,31 in den Frieden

Der Seligen hinüber eilst,

Die Nebel, die den Lebensmüden

Vom Aeter der Verklärten schieden,

Mit Deiner Rechten schon zerteilst,

Nur mit der Linken noch hienieden

An Deines Freundes Brust verweilst;

Wenn Dir schon lächelnd auf der Schwelle

Der Ewigkeit das neue Licht,

Wie Deine Tugend, rein und helle

Mit Jubelglanz entgegen bricht,

Dein Mund mich küsst und sterbend spricht:

Er war mein Freund, mein trautester Geselle,

In Scherz und Ernst, trotz seiner Schelle,

Ihr Seligen, ach trennt uns nicht!

Dann schliesse deine engste Gasse,

Der dickste Duft von deinen Spezerei'n,

Bis ich einst ganz die Mumie dir lasse,

O Montpellier, mich Abgelebten ein.

Dein Hundsstern sauge noch die letzten Lebenssäfte

Mir aus und leuchte mich in mein willkommnes

Grab. –

Nur jetzt, da noch viel fröhliche Geschäfte

Mich weiter ziehen und alle meine Kräfte

Mir nötig sind, lass von mir ab!

Fussnoten

1 Das Schiff Vengeance. 2 Es gibt zwei Medaillen, die auf Voltairen geschlagen sind, davon die eine den 20ten Febr. die andere den 20ten Nov. 1694. als seinen Geburtstag angiebt. Palissot in seiner Eloge hält den erstern Datum für den richtigen; so auch die Kaufleute zu Nantes, die obiges Schiff ausgerüstet haben. 3 Discours à mon vaisseau. 4 Diess Wortspiel brauchte Voltaire, wenn er von Frerons Année litter sprach. 5 Der Autor dieses Tagebuchs kann wohl die Wahrheit seiner Erzählung nicht besser belegen, als durch das unverwerfliche zeugnis des Geschichtsschreibers Papon, eines von den Vätern des Oratorii zu Marseille. Wenn er die Schlussfolge derselben, die er dem Leser überlässt, mit Stillschweigen übergeht, so ist diese Zurückhaltung nur seinen Verhältnissen zuzuschreiben. In seiner Histoire litteraire de Provence, die 1780 zu Paris erschien, heisst es: – – Ludewig der Dreizehnte hatte schon drei und zwanzig Jahre in einer kinderlosen Ehe gelebt, als eines Tages der Bruder Fiacre, ein Barfüsser, Gott um Fruchtbarkeit für die Königin anflehte. Die heilige Jungfrau, sagt man, erschien ihm am 3. November 1637, und versicherte ihn, dass sein Gebet erhört wäre, doch mit dem Zusatze, dass die Königin ihr dreimal neun feierliche Messen und zwar neun davon in der Kirche U.L.F. der Gnaden, in der Provence sollte halten lassen. Zum Beweise, dass sein