auch nicht die geringste Spur mehr von dem Kopfstosse zu finden."
Ein fröhliches Abendessen, das sich durch drei Flaschen des belobten Weins bis weit über die Mitternacht ausdehnte, vermehrte unsere Zufriedenheit. Keine Redoute kann eine Stadtdame so munter erhalten, als es die kleine Margot während unsers lieblichen Bankets war. Erst bei der dritten Bouteille, die ich und Johann allein übernahmen, wurden ihre naiven Einfälle einzelner – ihre Worte abgebrochener, und die zwanglose natur wiegte sie endlich neben uns ein. Ich winkte ihrem Mann, und half ihm sein müdes Weibchen in das Himmelbett tragen, das dem Schlafstuhle, der mir nun übrig blieb, ungefähr so nahe stand, wie zu Caverac ihr Strohlager dem meinen. Mein alter Kammerdiener konnte nun, ohne ihre Bescheidenheit zu beleidigen, so viel zum Lobe seiner Lebensgefährtin vorbringen, als ihm sein Herz eingab. Ich mochte wohl noch eine halbe Stunde teil an seinen Empfindungen genommen haben, als auch mir die Augen zufielen, und Johann so leise als möglich, um mich nicht zu stören, die angebrochene Bouteille unter den Arm nahm, und zum Zimmer hinaus seiner Lagerstätte nachschlich. Das Opium des öligen Weins wirkte so stark, dass der helle Morgen schon lange über unsern Häuptern schweben mochte, ehe nur eins von uns dreien erwachte, und das war ich. Nun bitte ich Dich für einen Augenblick, lieber Eduard, um ein freundliches Gehör! Sage mir, was würdest Du von einem Maler halten, der aus Furcht, mehr zu sehen, als sein Pinsel wieder zu geben vermag, sein Gesicht von einer paradiesischen Gegend in dem Augenblicke wegwenden wollte, wo die Nebel fallen – die Sonne hervortritt – Berg und Tal überschimmert, und sich ihm die schönste Perspektive der natur eröffnet? Deine Antwort mag ausfallen, wie sie will, genug, ich genoss lange – auf Gefahr, geblendet zu werden – diese eben so glückliche als kritische Lage auf meinem Lehnstuhl. Endlich wünschte ich mir die Schönheiten der Ferne um einige Schritte näher – erhob mich leise von meinem Sitz, und wollte eben meine süssen Betrachtungen fortsetzen – als ein blick auf die Wanduhr, die anschlug, mich, wie vom Donner gerührt, neben Margots Bette niederstürzte. – Jetzt, dachte ich – und Tränen löschten schnell die Flammen meiner Augen – jetzt tritt jene tugendhafte Dulderin vor ihr Gitter – blickt wehmütig gegen Himmel – und flehet zu Gott um die Wohltat einer Zähre. Segen über den Mann, der zuerst der Zeit eine stimme gab! Mit Betrübniss überblickte ich mein zagendes Herz – mit Errötung die in aller Unschuld Schlummernde – erhob mich von meinen Knieen – deckte mit dem Ernste eines väterlichen Freundes, was zu decken war, und nun erst weckte ich sie. Sie flog mir mit liebkosendem Frohsinn entgegen, und auch ich freute mich, dass ich nicht ganz unwert war, ihren Morgenkuss zu erwiedern. "Willst du nicht deinen Mann aufsuchen, Margot, und unser Frühstück bestellen?" Voll jugendlicher Heiterkeit hüpfte sie mir sogleich aus dem gesicht, und ehe ich noch ganz die meinige wieder erlangt hatte, kam sie mit dem glücklichen Sterblichen zurück, der ihre Liebe besass. – Er trug eine Schaale mit Milch herbei – sie ein Körbchen mit Obst. – Es waren auch Pfirschen von den besten Sorten – jedoch meiner jetzigen gesündern Einbildungskraft ohne Gefahr, darunter. Bald nachher traf auch Bastian ein. Ich zog ihn aus achtung für die Schwester mit an unsere runde Tafel. Margot blieb freilich die Perle von der Gesellschaft. Doch gehörten die beiden andern Gäste auch nicht unter die schlechten Feldsteine. Jeder hat seinen Wert, ob die natur gleich keinen so begünstigt hat, wie jene, die der Politur nicht bedarf, um in den Schmuck einer Königin aufgenommen zu werden. Ich wollte indess doch nicht, dass Du es in Berlin herumbrächtest, wie gemein ich mich wieder einmal gemacht habe. Ich trug noch der Kleinen viele Freundschaftsversicherungen an meine guten Wirtsleute zu Caverac auf. – Gott lasse es ihnen wohl gehen! Johann erbot sich, mir von Zeit zu Zeit Lieferungen von dem hiesigen vortrefflichen Muskatenwein nach Berlin zu besorgen – "Und ehe der Sommer verläuft," fiel ihm seine Frau in die Rede, "erfüllen wir das Versprechen, Sie selbst in Ihrer grossen Stadt zu besuchen." "Eins wie das andere" – erklärte ich ihnen dagegen, "bitte ich euch, anstehen zu lassen, bis ihr Nachricht von mir erhaltet – denn wahrscheinlich komme ich in kurzem wieder in diese Gegend, und lasse mich vielleicht gar, wie es Johann gemacht hat – häuslich hier herum nieder." Sie machten grosse fragende Augen – ich hütete mich aber, so schwatzhafte Leutchen tiefer in jenes geheimnis sehen zu lassen, das ich vor dem Altar des Janustempels in den Schooss meines St. Sauveur nieder gelegt habe. Sie zerflossen beide in Tränen, als ich Abschied nahm, und ich und Bastian stiegen auch nicht mit trockenen Augen in den Wagen. Ich kam glücklich in den Postof vor Montpellier, und, was mir eben so lieb war, zeitig genug an, um diese medicinische Mördergrube heute noch verlassen zu können, und wenigstens ein paar Stationen auf meinem Wege weiter fortzurücken. Was sollte ich noch einmal zu Fuss in die Chinawurzel wandern? Ich bedurfte keines Gastofs – mein Frühstück hatte mich hinlänglich gestärkt. Ich schickte also meinen Bastian ab, um mit dem Wirte Richtigkeit zu machen – und setzte mich so lange unter den schattigen Ueberhang meiner Chaise, bis er von seinem