eine Empfindung, die sich nicht beschreiben lässt. Was für ein Volk muss das gewesen sein, das solche Männer hervorbringen konnte, als jene Inscriptionen besagen. Strabo und Pomponius Mela haben ..." Mir lief hier ein kalter Schauer über die Haut. Ich wartete seinen angefangenen Perioden nicht ab – schob ihm für seinen Unterricht die Flasche zu, die mir in Vergleichung der andern nicht schmekken wollte, setzte den Ueberrest der bessern, die ich schon halb im kopf hatte, in d e n meines Huts – nahm ihn unter den Arm und taumelte in mein Zimmer; denn von allen Schwätzern, lieber Eduard, ist mir keiner so zuwider, als der mir Gelehrsamkeit auskramt, während ich eine Trüffel schäle – an dem Bein eines Haselhuhns klaube, oder – wie hier der Fall war, vortrefflichen Wein schlürfe. Das wäre eher ein Mann für unsern Freund G**, als für mich. – Wie würde ihn so ein Gesellschafter aufmuntern – ihm so eine Mammilliaria, behagen. – Er –
Der seine schöne Frau und ihre Jugendwächter
Und seine Kinder kaum mit der Gewissheit kennt,
Als die verloschenen prätorischen Geschlechter
Vom ersten Consul an, bis zu dem letzten Fechter
Des abgelebten Roms, und um ein Monument
Vor Christi Kreuzigung sich aus dem Atem rennt;
Wie könnt' er wohl dem bettelnden Lateine,
Wenn ihm das Sprüchelchen: S t e h , W a n d r e r ,
still und weine,
Ins Auge leuchtet – widerstehn,
Und einem Sarkophag und einem Leichensteine
Aus Nero's Zeit vorübergehn?
Für mich mag, was sie will, die graue V o r w e l t
lügen!
Im heuchlerischen Hang, die N a c h w e l t zu betrü
gegen,
War sie nicht ehrlicher, als ihre Kinder n u n .
Ich weiche b e i d e n aus auf meinen Ritterzügen,
In Hoffnung, von dem Kampf mit menschlichem Ver
gnügen
Auch ohn' ein Marmorgrab gemächlich auszuruhn,
Und hab' jetzt gnug mit mir, und unter allen Krügen
Mit einem Aschenkrug am wenigsten zu tun.
Stieg ich schon die Treppe unter solchen belebenden Gedanken hinauf, so rieb ich mir erst vor ausgelassenem Mutwillen die hände, als ich mich mit meiner halben Bouteille ungestört allein sah – leerte sie vollends aus, und klingelte nach einer frischen. Je leichter auch diese ward, desto begeisterter fühlte ich mich, diesen herrlichen Wein zu besingen. Ein Lächeln innerer Zufriedenheit – ein sanfter Trieb allgemeinen Wohlwollens, besonders gegen das gute freundliche Geschlecht, das mir immer im Sinne liegt, durchwärmte mein Blut, und in der süssesten Schwärmerei stimmte ich das erste Trinklied an, das mir je über die Zunge gekommen ist. O, rief ich, indem ich mein volles Glas gegen das Licht hielt:
O dass mir Bacchus nie den Quell
Von diesem Wein verstopfe,
Und immerdar so rein und hell
Dein Gold, o geistiger Lünell,
In meinen Becher tropfe!
Perlt nicht in deinem Wundersaft,
Gleich einem Salbungsöle,
Ein Opium der leidenschaft,
Ein Elixir – der Lebenskraft,
Ein Labetrank der Seele?
Wer deine Süsse schmeckt, wird nie
An Tyrannei erkranken.
Beim Traume der Philosophie
Schwör' ich, dass Dohm28 und Beccarie29
Von diesem Weine tranken.
O, hätt' einst unsern Frederic
Ein solcher Geist erheitert.
Wär' unter seinem Adlerblick
Wohl nicht mein ankerloses Glück
Im Sturm des krieges gescheitert.30
Denn Mitleid schleicht bei dem sich ein,
Den deine Trauben tränken;
Es schäumt der Wunsch in deinem Wein,
Freund seiner und der Welt zu sein,
Und kein geschöpf zu kränken.
Euch, die mit mir Ein Punkt der Zeit
Nach Einem Zwecke neiget,
Ihr Grazien der Weiblichkeit,
Euch sei der süsse Duft geweiht,
Der meinem Glas entsteiget.
Mein liebes künftiges Geschlecht,
Dem nur in diesem Wein bezecht
Ich froh entgegen gehe,
Stoss an – Gott fülle mir so ächt
Einst den Pokal der Ehe.
Indem flog die Tür auf, und Margot mir in die arme. Ich hätte wohl gewünscht, dass sie eine Strophe eher gekommen wäre. Sprachlos hielt sie mich fest umschlungen, und ich, eben so sprachlos sie umschlingend, bedeckte das rührende Gesicht mit Küssen von dem zärtlichsten Gehalt. Wir vergassen uns in dieser Scene des Wiedersehens so sehr, dass keins den guten Johann, der weniger geschwind zugeflogen kam, als seine leichtfüssige Frau, eher bemerkte, bis er mich tränend bat, dass ich auch ihm eine Hand reichen möchte. Nun kam sie zur Sprache – nun erzählte sie mir, welche unverhoffte Freude ihr Bastians Besuch – noch mehr aber die Nachricht von meinem Hiersein in ihrer nächsten Marktstadt gemacht, und wie sie mit eigenen Händen geholfen hätte, die Esel zu satteln, damit wir nur recht bald zu unserm so gar guten Herrn kämen. Ach Gott! unterbrach nun eins das andere, wie unaussprechlich glücklich haben Sie uns gemacht! Eben noch so unbefangen in ihren Tänwieder ganz warm ums Herz. Mit welchem hellen Gelächter erinnerte sie sich nicht unserer Wirtschaft zu Caverac, und gern hätte sie mich noch einmal – wäre ich ihr nicht auf dem dach gewesen – über den Strauchdieb auf dem Fichtenberge abgehört. Doch konnte ich ihren beiden lieben Händchen nicht schnell genug wehren, dass sie mir nicht ein paar Runzeln von der Stirn glättete, um nachzusehen, ob mir nicht eine Narbe geblieben wäre. "Johann," rief sie, "sieh nur her, was mein Kräuterumschlag für Wunder getan hat! Da ist