Bis ich zuvor mein Haus bestellt,
So fürcht' ich sehr, ich komm' in jener Welt
Gar aus dem Regen in die Traufe."
Das Sprechen hatte ihn so erschöpft, dass er sich auf einmal zurücklehnte, die hände des Mädchens fahren liess, und, ohne meinen Abschied zu vernehmen – einschlummerte. Um kein Geräusch zu machen, warf ich dem guten kind nichts als einen freundlich herzlichen blick zu, indem ich mich mit Katzentritten zu der stube hinauszog, und noch leise auftrat, als ich schon auf der Gasse war. Ich kam über meine fehlgeschlagene Erwartung ganz verdriesslich in dem Gastofe an, und sah von weitem einige Betrachtungen über die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens anrücken, die mir auch keine sonderliche Zerstreuung versprachen. – "Lass uns ausfahren, Bastian," rief ich; "und die umliegende Gegend besehen!" – "Ach!" seufzte er, "lieber Herr, da hätte ich wohl einen bessern Vorschlag." – "Nun, so lass hören!" – "Als wir gestern so schnell den Wagen der Mylady Klärchen nach, durch Lünell fuhren, dachte ich in meinem Sinn: Jetzt eilst du mit deinem Herrn so gerade fort nach Deutschland, und nur drei Viertelstunden von dem Dörfchen vorbei, wo deine Mutter und Schwester wohnt, die du vielleicht in deinem Leben nicht wieder zu Gesicht bekommst. – Wenn Ew. Gnaden nun, anstatt ..." "Ja, du hast Recht, Bastian," fiel ich ihm in's Wort – "Wir wollen nach Lünell. – Dort kannst du deine Verwandten besuchen; ich gebe dir Urlaub bis Morgen gegen Mittag. Deine Schwester aber und meinen alten Johann möchte ich selbst auch wieder sehen. Den kurzen Weg sind sie mir wohl schuldig, da ich ihnen noch einmal so weit entgegen fahre. Lauf auf die Post voraus – bestelle eine leichte Chaise, damit ich schon angespannt finde, wenn ich nachkomme." Bastian war wie ein Pfeil die Treppe hinunter, und ich wollte eben nach, als.. denke einmal, der Kammerherr, aus altgewohnter Hofsitte, mir einen Gegenbesuch machte – zwar nicht in eigener person, sondern, viel gefährlicher, durch eine schön verzierte Karte mit seinem Wappen und Namen, die mir seine junge Aufwärterin überbrachte. – Doch die schönsten elektrischen Versuche hätten mich in diesem Augenblicke nicht aufhalten können. – Ich hatte Margot in Gedanken – schenkte der Ueberbringerin um nichts und wieder nichts einen grossen Taler, und entliess sie mit vielen Empfehlungen an ihren alten Patron.
Der Hausknecht musste mich den nächsten Weg nach dem Postofe führen. – Ich fand eine Chaise mit vier Pferden, setzte mich mit Margots Bruder ein, und ehe zwei Stunden vergingen, befanden wir uns vor einem recht artigen wirtshaus zu Lünell. Bastian – so wie ich abstieg – machte sich auf die Beine. – Ich bestellte sogleich ein ausgesuchtes Abendessen für mich und meine Gäste – und täuschte unterdessen meine Ungeduld mit Besichtigung des Orts und seiner Weinberge – kam aber immer noch zu früh zurück, und wusste jetzt eben so wenig, als vorher, was ich mit mir anfangen sollte. Der nächste Weg vom Weinberge, dachte ich, geht zum Fasse, um das Gewächs zu versuchen. Mit diesem Vorsatz trat ich, vorbeigehend, in die stube des Wirts. – Es war ein verständiger Mann, der mir sehr gern ein paar Flaschen von den beiden vorzüglichsten Sorten auftrug. An demselben Tische sass ausser mir noch ein Narr von Reisenden aus Arles, der mich sogleich in Untersuchung nahm, und sich als einen Antiquarius ankündigte. Ich muss Dir doch etwas von seiner Unterhaltung mitteilen. "Der Herr kommen gewiss über die via Aureliana?"
"Ich komme gerade von Montpellier."
"Mons puellarum, wie einige alte Autoren es nennen – und gedenken also wohl von hier die Antiquitäten von Arles zu besuchen?"
"Nichts weniger!" – Hier schenkte ich mir und ihm ein Glas ein. "Der Ort," fuhr er mit belehrender Miene fort, "verdiente es doch vor vielen andern. Die alten Römer haben ihn, in dem unfruchtbarsten Landstrich zwar, den man sich denken kann, erbaut; denn die Wege von allen Seiten dahin, muss man zugeben, sind die schlechtesten in der Monarchie. Der ältere Plinius nennt schon die dortige Fläche sehr artig Campi lapidei." – "Da hat," fiel ich ihm in die Rede, "der ältere Plinius nach meiner Einsicht, nichts artigeres gesagt, als was, wenn ich dahin ginge, mein Postknecht auch sagen würde. – Dergleichen Wege aber, sie mögen modern oder antik sein, suche ich nicht gern ohne Not auf." "Ohne Not? Das glaube ich wohl," antwortete er spitzig – "aber hoffentlich spreche ich mit einem Verehrer der Alten, und für einen solchen sind keine Beschwerlichkeiten zu gross, um die Spuren ihrer Grösse aufzusuchen. Dergleichen Schätze des grauen Altertums, als unser Telina, oder, wenn Sie es lieber hören, unsere Mammilliaria aufzuweisen hat, treffen Sie nirgends in so einer Menge beisammen an. Der Obelisk, das Amphiteater, die verfallene Wasserleitung können allein schon einem vernünftigen mann das längste Leben erheitern, und nun vollends die Elysäischen Felder – die sind, ich gestehe es Ihnen, mein einziger liebster Spaziergang. Wenn ich dort manchmal in Gedanken vertieft, vor einem Aschenkruge stehe – die Denkschriften – die Beweise jener ruhmvollen zeiten lese – so ergreift mich