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Wünsche zu versichern. Gott sei Dank für die Gewissheit, mit der ich nun zu Bette gehe, dass keine menschliche Kreatur meinetwegen leidet. So darf ich auch wieder einmal auf eine vollkommen ruhige Nacht rechnenund ach, auf noch mehrere; denn seit einigen Tagen hat sich doch vieles, was mich insgeheim drückte, gehoben! Mein armer Lehrmeister, für den ich noch immer die alte anhänglichkeit hatte, ist, wider alles Erwarten, klug und reich geworden. Klärchenfast noch unbegreiflicherist unter die Haube gebracht. Die Puppenspieler sind ihrer tollen Wirtschaft wiedergegeben, und die fatale Sucht, eine Heilige zu entdecken, hat seit Agatens Bekanntschaft sich glücklich bei mir verlorenist mir sogar zum Ekel geworden, da ich aus Baltimores Beispiel gewahr geworden bin, was solche Studien am Ende abwerfen. Welch ein behagliches Gefühl gewährt doch ein erleichtertes Herz! Bei der Rückkehr ins Vaterland kann man gewiss keinen angenehmern Begleiter haben.

Montpellier den 27sten Februar.

Ich erwachte wie eine Unke, der ein Sonnenstral in den rücken fällt. Die beiden Puppenspieler und Elektra knieten vor meinem Bette, und benetzten meine herunterhängende Hand mit heissen Tränen. Warum war mir doch ihre Dankbarkeit so überlästig? weil ichmochte ich mir kaum gestehensie so wenig verdient hatte. "Geht, geht, Ihr guten Kinder!" – suchte ich sie von mir abzuwehren – "Euer gerührtes Herz wirft mir aufs bitterste meinen Leichtsinn vor, der Euch in Ketten und Banden gebracht hat. über Schmerzengeld und Entschädigung für Euren Jahrmarktsverlust will ich mich sogleich mit Euch berechnenund dass mir die Prozesskosten zufallen, versteht sich ohnehin." "Diese, mein lieber Herr," erwiderte der Epilogus, "hat der Herr Baron bereits an einen Banquier gewiesen, der dafür haftet. Wollen Sie dennoch ein Uebriges tun, so gewähren Sie uns die Bitte, dass wir heute das Teater mit der Vorstellung unsers tragischen Zufalls eröffnen und dass tung in einer glänzenden ApoteoseSie, teuerster Herr, als den deus ex machina vorstellenin Ihrem gewöhnlichen Kostümewie wir's kennen" – "Seid Ihr toll, lieben Kinder?" fuhr ich in die Höhe – "Doch" – nachdem ich mich einige Augenblicke besonnen hatte – "meinetwegenWenn Ihr glaubt, dass es zu Eurem Vorteil sein kann, so stellt mich aus, auf welche Art es Euch beliebt. Die Leute, mit denen ich hier etwa Bekanntschaft mache, kommen doch schwerlich in Eure Boutique." Sie sahen, dass mir angst und bange im Bette ward, und trollten sich fort. Gleich darauf kam Bastian herein, dem die Gesellschaft auf der Treppe begegnet war, und freundschaftlich ein Freibillet verehrteEr bat um erlaubnis, dieser Comedie larmoyante beizuwohnen, die ich ihm herzlich gern erteilte. Die Nachricht, die er mir von der Abreise des baron brachte, war mir ungleich interessanter. Sein Bedienter, der mit dem Koffer voraus war, hatte das Portefeuille vergessen, das seit gestern Abends auf meinem stuhl liegen geblieben war. Bastian fand und trug es ihm nach, während ich noch schlummerte. Als ererzählte er mirin dem Postof ankam, war eben der Lord im Begriff, mit seinen fünf Equipagen aufzubrechen. Er erkannte den Baron als einen alten guten Bekannten, und glaubte ihm etwas recht neues in seiner jungen Frau vorzustellen. Die Lady stutzte, als sie den Baron, und hinter ihm einen Bedienten mit dem wohlbekannten Portefeuille und der Schreibtafel, so nahe bei ihrem Gemal sahdoch der artige Deutsche freute sich so ungezwungen über die Ehre ihrer Bekanntschaft, und liess vor ihren Augen Portefeuille und Schreibtafel in die Wagentasche stecken, dass ihr Mut bald wieder zurückkam; indess beging er doch die kleine Bosheit, in ihrer Gegenwart den Lord zu fragen, ob er endlich das Resultat seiner vieljährigen Studien gefunden hätte? – Ja, antwortete der Philosoph mit grosser Selbstzufriedenheit und so strahlenden Augen, dass seine junge Gemalin die ihrigen äusserst verschämt niederschlug, und rot ward bis über die Ohren. Der Lord war viel zu scharfsichtig, als dass ihm das Himmelszeichen hätte entgehen sollen, das jungen, erst kürzlich verheirateten Weibern so gut steht. bien, klopfte er dem Baron auf die Achsel, qu'en dites-vous? Aber die Dame trippelte nach dem Wagen. Triumphirend hob er sie hinein, und schwang sich ihr nach. Lieber Gott, vergieb mir die Frage! – aber was soll man zu deinen Anstalten sagen, wenn man sieht, dass sogar die Angst des bösen Gewissens eine Frau in den Augen ihres betrogenen Ehemanns noch verschönert? Der Baron nahm jetzt den Propheten-Wirt so lange auf die Seite, bis der letzte Wagen vorfuhr, und sprach sehr ernstlich mit ihm. Ehe er in den seinigen stieg, legte er Bastianen in den Mund, was er mir von diesem komischen Auftritt erzählen sollte. Seine geheimen Gedanken dabei wollte er mir aufheben, bis ich zu ihm käme. Alles recht schön, wenn nur der gute Mann es seit einer Stunde nicht ein wenig bei mir verschüttet hätte! Seine Grossmut gegen die Puppenspieler ist nicht viel besser als eine Beleidigung für mich. Prozesskosten soll ihm doch seine Schreibtafel nicht zuziehen, und wenn ich sein Hochzeitgast sein soll, haben wir uns erst darüber zu verständigen. Musst Du mir nicht hierin Recht geben, Eduard?

Ob ich gleich keiner Braut nachzurennen habe, werde ich es doch nicht lange hier aushalten. Die