meine wankenden Füsse zu dem Entschlüsse, auf gut Glück den ersten besten Radium dieses Gebirges zu erklimmen. – Mühselig war mein Weg; oft glaubte ich vor Erschlaffung wieder zurück zu stürzen: – aber – wie belohnend war auch endlich der blick, den ich nun an dem errungenen Ziele in den Abgrund ta! An seinem rand erholte ich mich wieder von meiner Müdigkeit und Angst, und bald zeigte mir menschliches Gefühl wiederkommender Eitelkeit, dass ich gerettet sei. Ich versuchte zuerst meine erneuerten Kräfte an einem ungeheuern Sandsteine, den ich kaum mit der grössten Anstrengung die wenigen Zolle fortbewegen konnte, die er vom Abhange des Felsen entfernt lag. "Du sollst," sagte ich, "das Monument meines Hierseins werden." Und nach der Arbeit einer Stunde hatte ich das Vergnügen, ihn rollen, in seinem Falle die Felsenspitze abschlagen, und das tiefe Moos, in das er sich einsenkte, um ihn herum auffahren zu sehen. – Hier wirst u vielleicht noch liegen, dachte mein Stolz, wenn die folgenden Jahrtausende alle deine gleichzeitigen Monumente grösserer Taten und Verirrungen von der Oberfläche der Erde weggespült haben – und mit gutmütigem Lächeln verliess ich diesen merkwürdigen Ort.
Da ich in einer mässigen Entfernung auf dem Rükken des Gebirges ein grosses Gebäude erblickte, war ich ausser Sorgen. Dort werden vernünftige Geschöpfe wohnen, dachte ich, und ward meinen kleinen Irrtum nicht eher, als nach einer guten halben Stunde gewahr. Du kannst denken, ob ich jetzt genau auf meinen Weg achtung gab. – Behutsam stahl ich mich auf die Seite, jeden Abhang vorbei, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, mir noch ein Monument zu setzen, und so kam ich glücklich bis an die Mauern eines Klosters, eben in dem glücklichen Augenblicke, da die Gesellschaft aufbrach, um in die Abendmette zu gehen.
Ich hielt mich in gehöriger Entfernung von ihrem zug, der abwärts ging, trat, wie er fortrückte, immer weiter vor, sah mein liebes N i m e s unter mir liegen, und die weiss gekleideten Mönche mit gesenkten Häuptern in einen, wo nicht der prächtigsten, doch geschmackvollsten Tempel treten, der, wie an den Fuss des berges gelehnt, mir in das Gesicht fiel.
So lehnte sich in königlicher Grösse,
Als Hirte noch, auf seinen Stab
Ismai's Sohn, im blöckenden Getöse
Der Herde Vieh's, die ihn umgab.
Kein Pilger geht vorbei – ihn rühret
Der Weisheit Ernst, diess sprechende Gesicht;
Nur seine Herde, die er führet,
Blöcht um ihn her, und kennt ihn nicht.
Wie ein Wollust atmender Liebhaber aus fein berechneter Sinnlichkeit verweilt, um jeden einzelnen Reiz seiner Geliebten, den eine andere Stellung, eine andere Seite, ein anderes Licht ihm. gewähren kann, noch aufzufangen; wie er seinen Heisshunger bis zum Ungestüm wachsen lässt, ehe er sich erlaubt, den letzten Schleier zu heben so verzögerte auch ich manche Minuteauf dem Schlangenwege, der zu diesem Tempel führt, fing die Strahlen seines Glanzesin jeder Wendung auf, und genoss erst jede nach und nach hervortretende Schönheit meines Gemäldes, ehe ich mich dem Eindrucke des Ganzen Preis gab.
Meine Augen verirrten sich jetzt bald in dem spielenden Laubwerke, das die Corniche füllte, die, wie eine königliche Binde, den Dom dieses Tempels umwand; bald weidete ich sie an der erhabenen Stellung und den herrlichen Verhältnissen seiner kanelirten unversehrten Denkmals römischer Grösse, würde mich vielleicht noch Stunden hindurch beschäftigt haben, wenn nicht der hastige Durchbruch der Mönche meine weitschweifnde Einbildungskraft geschwind wieder in die jetzigen zeiten versetzt hätte.
Als ihr Haufe beisammen und auf seinem Fortzuge begriffenwar, und nun auch der letzte Geweihte heraus trat, der dieses Heiligtum verschliessen musste, wagte ich es, mich ihm in demütiger Stellung zu nähern, und um die erlaubnis zu bitten, auch das Innere dieses trefflichen Altertums zu bewundern.
"Sehr gern," antwortete der dicke kurz atmende Mönch. "Ich will Ihnen alles zeigen – alles erklären."
Wir traten ein. Ein blick schon überzeugte mich, dass hier für meine Art Schwärmerei nichts weiter zu tun sei, und die Erzählung, mit der mich mein Begleiter, während dass wir zum Hochaltare hin, und zur Halle, zurück kamen, beschenkte, liess michohnehin auf nichts anders achten.
"Welch ein Ideal!" fing ich an – das einzige Wort, das mir mir erlaubte: denn sogleich legte sich seine astmatische stimme darein, die unter ihrer Last von abgebrochenen Sätzen und zerquetschten Sylben immer auszubleiben drohte, und ich kenne keine Muse so grotesk-komisch, deren Beihülfe mir die Nachäffung dieses Vorbilds erleichtern könnte. Hier hast Du indess, mein nachsichtsvoller Freund, einen gewagten Versuch. Hilf Deiner Einbildungskraft damit, so gut Du kannst! Lies ihn aber, wenn Du nicht allen Schatten der Wahrheit davon verlieren willst, nicht eher als nach einer guten Mahlzeit, und in einer Weste, die Dir zu eng ist – So möchte es noch am ersten gehen!
Traulich verschlang der Mönch meine dürre Hand mit seiner fleischichten Tatze, und fiel mir, wie folget, in die Rede:
"Das Ideal
Zu dem Gebäude
Erfand einmal
Ein blinder Heide:
Ein Mönch vor Zeit
Hat es erhandelt
Und Dunkelheit
In Licht verwandelt.
Doch lange stritt,
Sich hier zu setzen,
Maria mit
Der Heiden Götzen.
Der Gott des Weins
Sass viele Jahre
Vor Anno Eins
Am Hochaltare.
Ihm ward das Glas
Und seine Venus
Sein Gratias
Und sein Oremus;
Der Göttin