Silbe zu antworten. Unheimlicher ist mir in meinem Leben nicht gewesen. – Ueberlege selbst, Eduard, was hier alles zusammentraf, um mich ausser Fassung zu bringen. – Die hohe fremde Miene der Dame – gegen einen Bekannten, wie mich – ihr gegenüber – die Schreibtafel des baron mit ihrem Mignaturgemälde und meinem Epigramm in der tasche – scheu, wie ich immer gegen alle und jede bin, die Torheiten von mir wissen, so dass ich lieber von ihrem tod höre, als ihnen begegne – und in demselben Augenblicke zugleich von der Gefahr umschwebt – dem Lord – Klärchens Gemal – meine Hochachtung zu bezeigen ... Nein, Eduard – um mit solchen Verlegenheiten zu kämpfen, muss man eine unverschämtere Stirn haben, als ich. Mein Entschluss war kurz – Ich fasste den ProphetenWirt bei dem Aermel – drehte mich um, und eilte nach meiner Chaise. – Als wir so weit waren, dass uns Niemand hören konnte, blieb ich stehen. – "Nun, lieber Herr Mundkoch" – schöpfte ich Atem – "jetzt, bitte ich, befriedigen Sie meine Neugier, die unglaublich ist! – Wir kennen ja beide ihre liebe Nichte von dem Bette an, wo ihr der Teufel zum ersten Male erschien, bis zu dem Sopha, wo ich ihr das Strumpfband der Maria verhandelte – durch welches Wunder ist ihr die Hand eines reichen vornehmen Engländers zu teil geworden?" – "Durch kluge Erfahrung," antwortete er, "die bei den Weibern meistens den Abgang der Unschuld ersetzt – und durch die Blindheit, mit der Gott uns Männer gestraft hat. So erkläre ich mir wenigstens die Sache, wenn mir das und jenes von der Donna einfällt, und ich über ihr Glück erstaune. – Aber jetzt, glauben Sie mir, verdient sie es. – Sie ist ganz wieder auf dem Wege der Tugend, eine zweite Magdalena – liebt ihren Mann und macht ihn glücklich." – "Seit wie lange?" fragte ich. "Seit heute vor acht Tagen," erwiderte er; "sie verlangte – und der Lord freute sich kindisch darüber – in der Franziskanerkirche – gerade über dem grab der tugendhaften Laura getraut zu werden. – Herr Ducliquet hat sie eingesegnet – der getaufte Jude hat bei der Ceremonie aufgewartet – und in der Propstei" ... "Ist, fiel ich ihm in's Wort, die Hochzeit gewesen?" "Ja," sagte er, "und auch das Beilager." Ich schlug bei dieser Nachricht die hände gefalten über den Kopf. – "Barmherziger Gott," rief ich aus, "welch ein Greuel von Menschenverbindung an deinem Altare! Gute Laura, was für antipetrarchische Gedanken mögen an diesem Tage über deiner Asche geschwebt haben!" – "Ruhig, mein Herr!" erinnerte mich der Propheten-Wirt, "meine Nichte bemerkt Sie – Lassen Sie uns alles vergessen und vergeben sein, was vorbei ist, und gedenken Sie künftig der Lady Baltimore im Besten. – Doch ehe wir uns trennen, mein Herr, – denn ich sehe, dass meine herrschaft einsteigt, muss ich Ihnen geschwind einen Irrtum benehmen, in welchen ich Sie in Ansehung Ihres Landsmanns gesetzt habe. – Es war eine boshafte Nachrede seiner fortgejagten liederlichen Bedienten, – denen ich keinen Glauben hätte beimessen sollen. Der brave Mann hat sich mit Klärchen nicht einmal so viel vorzuwerfen – wenn ich so frei sein darf, es zu sagen – als Sie. Ein Liebhaber der Kunst kann ja wohl in allen Ehren ein schönes Mädchen als Modell benutzen! Mehr hat er nicht getan. Ich habe seitdem Herrn le Sauve kennen lernen, den Maler, der für ihn gearbeitet, und dem Klärchen in mancherlei Stellungen gesessen hat – von dem weiss ich alle Umstände. Gnade Gott dem Herrn, der auch die unschuldigste Sache bei verschlossenen Türen vornimmt! – Mehr braucht es bei solchen Schurken nicht, um ihn in den schlimmsten Ruf zu bringen – so dass er zuletzt keine Tasse Hühnerbrühe mehr nehmen darf, ohne Verdacht zu erwecken..... Doch ich muss fort – leben Sie wohl – wir bleiben nur diese Nacht in Montpellier." – Die vier vordersten Wagen waren schon in vollem Galopp – er hatte seinen Platz in dem fünften – dem nächsten vor dem meinigen. Mein Postillion, voll Ungeduld über den Aufentalt, blieb nicht zurück, so dass ich die Ehre hatte, im Gefolge von Lady Klärchen an dem Postause anzulangen, wo die Quartiere für die englische herrschaft schon durch einen Kourier bestellt waren.
Den ganzen Weg über hatte sich meine Neugier um eine Frage herumgedreht, deren Auflösung von meinem geschwinden Aussteigen aus dem Wagen abhing, ehe mir der Mundkoch entwischte. �� Ich kam ihm glücklich entgegen. – "Nur noch ein Wort statt tausend," hielt ich ihn bei dem Kragen. – "Warum in aller Welt führt Ihre Frau Nichte Gnaden wenigstens ein Dutzend Kammerjungfern mehr mit sich, als eine Königin brauchen würde?" – "Das muss freilich Wunder nehmen," antwortete er, "wenn man den wahren Zusammenhang nicht weiss. – Mylord – so hat mir sein Kammerdiener vertraut, schreibt ein systematisches Werk über die Eigenheiten der Weiber. – Englische Schriftsteller wählen ja immer ein auffallendes Tema. – Diese artigen Kinder sind nicht sowohl im Dienste bei seiner Gemalin – als in dem seinigen – sind Studien für seine philosophischen Spekulationen und ahnden es selbst nicht. Sie verraten ihre kleinen Schwachheiten – Fehler und