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nun aber ein Philosoph gewesen wäre, befragte ich mich, der dir mit diesem entscheidenden Urteile in den Korb geguckt hätte? was würdest du ihm haben antworten können? Ein Glück für ihn, dass ich wieder auf eigenen Füssen stand und alles Hochtrabende in der Chaise zurückgelassen hatte: – denn nun ward mir die Sache erst selbst klärer. – "Nicht ganz getroffen!" erwiderte ich ihm. "Faule Fische, sagen Sie? Nein, mein Herr, es sind gar keinesind nichts, als gute ehrliche Frösche, die ich zum Zeitvertreib mit der Angelrute in dem nächsten Tümpel gewonnen habe, um Versuche, die zu sehr wichtigen Resultaten leiten könnenüber die Reizbarkeit der Nerven anzustellen. Ich mache mir zuweilen den Spass, während Euer Ehrwürden den Ungeheuern des Oceans Wurfspiesse entgegen schleudern, ohne, dass ich wüsste, eins noch getroffen oder getödtet zu haben. Meine Frösche können wenigstens nicht mehr quaken, wenn ihnen die Haut über die Ohren gezogen ist. Ihre gute Absicht, mein Herr, ist jedoch gewiss nicht zu verkennen, und verdient den Dank aller edlen." So kämen wir als gute Freunde aus einander, und gingen, glaube ich, jeder ruhig und mit sich zufrieden ins Bette.

Den 26sten Februar.

Als ich mich gestern Abend der Sektion der Frösche gegen den Philosophen annahm, hätte ich nicht geglaubt, dass ich Dich heute um dieselbe Zeit mit einem Mitbruder meiner Studien bekannt machen würde, der die Sache ins Grosse treibt, und den ich selbst erst zwischen Nimes und Montpellier kennen lernte. Es traf sich sonderbar genug. Ich brach heute mit dem frühesten auf und stieg so schlaftrunken in den Wagen, dass Bastian ein paar elastische Kissen unter meinen Kopf legte und mich der Ruhe übergab, die ich vorletzte Nacht der Unterhaltung des Dominikaners so gern aufgeopfert und in der vergangenen noch nicht hinlänglich ersetzt hatte. Ich legte also eine Station nach der andern so sanft zurück, als wenn es auf meinem Bette geschähe. Wir waren durch Nimes gefahren und schon eine gute Strecke bei Caverac vorbei als meine Chaise still stand und das Fluchen des Postknechts mich ermunterte. Vier Wagen vor dem meinigen sperrten den Weg, weil an ihrer Spitze ein fünfter das Rad gebrochen hatte, und sie mochten schon lange da gehalten haben, ehe ich ankam. Bastian war ausgestiegen, um zu sehen, was vorging. Ich hörte ihn liess nun auch meine Polster. Der erste Wagen, dem ich neugierig vorbeischlich, fasste drei Frauenzimmer, immer eins reizender als das andere. Ich machte ihnen meine tiefe Verbeugung, die ich mit Erstaunen über eine so ungewöhnliche Erscheinung an dem zweiten, dritten und vierten Wagen wiederholen musste. Was in aller Welt ist das für ein Transport? dachte ich. – Entweder ist hier herum eine Pensionsanstalt für junge fräulein, oder ein Bassa von drei Rossschweifen schickt, Gott weiss warum? sein Serail nach Montpellier. Indem ich so da stand und mich der lachenden Gegenstände freute, die den Steinweg belagerten, klopfte mich Jemand auf die Schulter. – Ich drehte mich umerinnerte mich sogleich des ehrlichen Gesichts und ... "Jelieber Onkel!" rief ich ganz verstört – "wie kommen wir denn, so weit von Cavaillonhier zusammen? – Sind Sie denn nicht mehr Wirt in dem Propheten?" "Nein, mein Herr," antwortete er mit sichtbarem Frohsinn. – "Ich habe die lästige Wirtschaft aufgegebendiene seit kurzem als Mundkoch bei Lord Baltimore, der dort sich mit den Leuten zu tun macht, die seinem Wagen aufhalfenund reise jetzt mit ihm nach Spanien." – "Und diese vier Wagen?" fragte ich – "Gehören zu seinem Gefolge." – "Und diess Dutzend allerliebster Kinder?" – "Sind Kammerjungfern seiner Gemalin. – Wenn Sie wollen, will ich Sie unserer jungen Gebieterin vorstellen, der auf jener Rasenbank ohnehin Zeit und Weile lang wirdso ist Ihnen beiden geholfen." "Wohl," sagte ich, "wenn Sie glauben" – und so näherten wir uns der vornehmen Frau. Schon in einiger Entfernung konnte ich schliessen, dass es keine gemeine Schönheit sei. – Ihr Reisekleid von grauem Taffet lag ihr von obenher knapp an, und umflatterte ein paar vorgestreckte niedliche Füsschen. – Ein schwarzer Sommerhut beschattete ein helles Gesichtchendie eine Hand spielte mit einem Spazierstock, die andere ruhte auf einem englischen Windspiele neben ihr, das uns anmeldete. Das Ganze gab ein freundliches Bild. – "Hier, Mylady," rief mein Introducteur, "habe ich die Ehre, Ihnen einen meiner Bekannten vorzustellen, dem die Equipagen Euer Gnaden den Weg verstopfen." Die herrlich schlanke Figur erhob sich ein wenig von ihrem Sitze. Ich verneigte mich auf das ehrerbietigstestotterte einige Entschuldigung über meine Freiheitrichtete mich in die Höhebegegnete ihren Augen und ... "Mylady" – undzugleich – "um Gotteswillen!" rief ich – "Sie sind esKlärchenSie?" –

Wenn Du denkst, dass sie von uns beiden es war, die am meisten erschrak, so kennst Du sie schlecht. – Mit der stolzesten Ruhe mass sie mich mit den Augen, und sagte mit Würde: – "Ich heisse jetzt Baltimore, Gemalin des Herrn, der eben auf uns zukommt. – Wie ist es Ihnen zeiter gegangen?" Ich stand verblüffter vor ihr, als jemalsohne eine