Lästerer, der das Kleinod deines Wesens darum nicht für unschätzbar erklären wollte, weil es getrübt ist! Er lasse den Nebel des Augenblikkes verdünsten, und wie ein angehauchter Diamant, wird es in seinen angebornen Glanz – in seine flekkenlose natur übertreten. – Selbst in der Glut der Vernichtung wird es, gleich ihm, in Aeter zerfliessen und keine Spur irdischen Ursprungs zurücklassen. –
Ich habe mir längst abgemerkt, Eduard, dass jede liebevolle Empfindung mir weit wärmer in den Kopf tritt, wenn ich fahre oder reite, als auf meinem Lehnstuhle. Ueberfällt mich ein solcher Entusiasmus in einer Postchaise, so verliere ich mich selbst – wie hier, zu Pferde gemeiniglich meinen Hut. Wundere Dich also nicht über die kostbaren Ausdrücke meines Selbstgesprächs, und lass mich ruhig fortschwärmen, bis ich die Station erreicht habe. O Liebe, Liebe, rief ich gegen Himmel blickend, du in der Sprache der Engel erhabenstes Wort – in dem Sternenkranze des Ewigen mildester Strahl – herrlichstes aller Gefühle, nur dem Menschengewürme unbegreiflich, das über den ächten Sinn deines Namens weg – zu Sprachverwirrern hinkriecht, die ihn mit Schlangenzungen missdeuten. Ach! kein Pulsschlag verklingt in dem Reiche der natur, der nicht Millionen Verlästerer deiner Gotteit erweckte. Als Sinnbild von dir setzen sie das raubgierigste Ungeheuer auf deinen Altar – wähnen bei der Entüllung ihres befleckten Götzen deinen heiligen Schleier zu heben, und schmücken die Opfer, die sie ihm würgen, mit dem Afterscheine deines unsterblichen Kranzes! O ihr Betrüger euer selbst, ihr lieblosen Verfolger der weiblichen Würde! Haben sich wohl je eure Irrgänge dem stillen Pfade genähert, auf welchem die Liebe einherwandelt? Unschuld tritt ihr voran, reulose Freuden folgen ihr, und ihr Ausgang verläuft sich in die seligste Ewigkeit. Werfet nun einen blick auf das Blendwerk eures Anführers, und zittert! Selbstsucht ist sein Schild, Trug seine Rüstung, und seine Waffengefährten sind in der Hölle geworben. Nur niederträchtige Künste – sinnliche Verlockung – Meineid und Verläumdung folgen seiner Blutfahne. O ihr, seine strafbaren Anhänger, aus was für entsetzlichen Haufen müsst ihr nicht die Mitgehülfen eurer Untaten wählen, um an ein Ziel zu gelangen, wo nur Seelenpeiniger in scheusslichen Larven euer warten. – Euer ehrloser Rückzug geht über Felsenspitzen und Dornen, und aus euerm schändlichen Sieg werdet ihr nichts von der mühsam errungenen Beute nach haus tragen, als ein verletztes Gewissen. – Und nun dieselbe Hand auf's Herz, die diess ernste Gemälde entwarf! Konnte sie denn nirgends ihren Pinsel reinigen, als in einem Tollhause? Buhlerisches Avignon – dort war es, wo ich – was will ich's läugnen? – die sittlichste Kunst zum Dienste des Unsittlichen erniedrigte – dort, wo mein entbranntes Gehirn jene schlüpfrigen Bilder entwickelte, zu denen ich, wo nicht selbst sass, doch andern Missgestalten zu sitzen erlaubte. Könnte der Zufall, der sie mir auf dem Krankenbette wegstahl und zum Feuer verdammte, den Maler beruhigen, der sie aufstellte, wie froh wollte ich über ihren Staubhügel hinwegsehen! ... Das könnte ich wollen? Nein, Eduard; ich würde vielmehr mit Freude jene Erfahrung meines Lebens – wenn ich die Palingenesie verstände, – aus ihrer Asche hervorrufen; – sie sollten vor meinen und anderer Augen leuchten, so lange der Schmutz, aus dem sie entstanden, noch Farbe hielte. Dem Unerfahrnen, der meine Bilder anstaunte, dem Lüsternen, der ihnen zulächelte, und dem Kenner, der die Treue der Kopie aus seinem eigenen Originale abzöge – ihnen allen sollte mein Kabinet offen stehen, und – wenn die Herren über dem Eingang die Aufschrift: Plusque ex alieno jecore sapio quam ex meo – gelesen und ihre Ferngläser hell gerieben hätten, – sollte es mir lieb sein, sie, von einer Nudität zur andern verlockt, endlich an der Warnungstafel anprallen zu sehen, die ich mit beträchtlichen Kosten an dem Ausgange meines Saals aufgerichtet habe. Hier möge dann jeder sich besinnen – den Spaziergang durch meine Gallerie mit dem vergleichen, den er durch die Welt nahm – möge sich – nachdem es kommt – entweder freuen, dass er, Gott sei Dank, auf allen seinen Reisen zu wasser und zu land nie an solche Klippen gestossen – möge, wenn er kann, sich etwas darauf zu gute tun, dass sein Putz- und sein Schlafzimmer – von Scipio's Entaltsamkeit an bis zu der keuschen Lucretia, nur mit Tugendspiegeln getäfelt sei – oder er fasse auch den kurzen Entschluss, sich nie von seinem Ernste und seiner Studierstube zu entfernen, um sich keinen solchen Gefahren auszusetzen, als mich leider! betroffen haben, und, wenn sie ihm ja aufstiessen, mein abschreckendes Beispiel zu benutzen, und ihnen klüger auszuweichen, als meiner Wenigkeit gelang. Auch das soll mir recht sein. Müsste er sich aber als ein ehrlicher Mann gestehen, dass seine Sittlichkeit, hier und da, wohl noch schimpflichere Niederlagen erlitten habe, als die meine, so weiss ich ihn mit keinem bessern und brüderlichern Rat zu entlassen, als – er schlage den Weg ein, auf den mein hölzerner Arm hinweist – den Weg der Reue, wo er auch mich mit meinem Wanderstabe finden wird.....
"Das sind faule Fische" – war das erste Wort, das ich hörte, als ich mit meinem Selbstgespräche vor dem Postause abtrat. Ich stutzte – bis ich sah, dass es nur einer Höckerin galt, die der Hausknecht, trotz der Versicherung, dass die Sardellen frisch wären – abwies. Wenn es