1791_Thmmel_094_334.txt

Dame de Graces von Cotignac?" "Auch diese Notelferin" – erboste ich mich über seine Torheit – "hat dort keinen Ruf. In unserer Religion und bei unsern Gensdarmeswas brauchts da solcher ausserordentlichen Vermittlerinnen? Und nun vollends Ihre Marinen! – Dortüberlegen Sie selbstauf dem festenja, wie einige behauptenauf dem festesten landnahe bei Nürnbergwie können Sie wohlhoffen, dass Sie damit Eindruck und aufsehen machen werden? Als Vorbilder taugen Ihre StürmeKriegsschiffeKaper und Brander nicht einmal so viel, als Ihre Madonnen. – Als Anleitung zur Seeräuberei erreichen sie nicht die schlechteste Deduktion, und für das natürliche Strandrecht würden Ihre Beweise mit dem Finger auf dem gemalten Ocean denen weit nachstehen, die ein dort abgegangener Kammerrat oder Direktor längst schon gegen die Gränznachbarn geführt hat. Folgen Sie mir, verkaufen Sie, um den schweren Transport zu ersparen, Ihren ganzen artistischen Nachlass einem hiesigen Trödler, ohne lange zu handeln. Kann er Profit daran machen, so gönnen Sie es ihm ja ... Doch noch Eins, alter Freund, ehe wir uns trennen! Haben Sie auch Reisegeld?" – Er schüttelte kleinmütig den Kopf. – "Nun so borge ich Ihnen, was ich gestern nicht getan hätte, vierzig Louisd'orhier nehmen Siedamit können Sie das Post– und die Einnahme von Ihren Gemälden dazu gerechnet, – auch das Schmiergeld bezahlen! – Und nunleben Sie" – ich streichelte ihm das Kinn – "recht wohl, armer gerupfter Sperling, und zaudern Sie nicht, um bald in die Federn zu kommen." Er begleitete mich bis an den Wagen, weinteküsste mir dankbar die Hand, und so schieden wir beide sehr gerührt von einander.

Es erweckt doch ganz eigene Empfindungen, wenn man nach so vielen Erfahrungen, als ich in der Fremde gemacht habe, endlich seine Wagendeichsel dem vaterland zugekehrt sieht. Aber hätte mich nicht meine Unbesonnenheit mit der Schreibtafel gezwungen, den Weg fortzusetzen, glaube mir, das Gesetz der moralischen Schwere, das dem Schweizer, wie dem Lappländer, ausserhalb seinem Neste keine Ruhe vergönnt, würde sogar in diesem Augenblicke von seiner Kraft an mir verloren haben..... Edler grossmütiger St. Sauveur! Die überraschenden Stunden, in denen du meinem erschlafften Herzen so viele schöne Beispiele männlicher Tugend zuspieltestder Zauber jugendlicher Schönheit und Unschuld, durch den die holde Gefährtin deines Lebens einige Tage des meinigen verklärte, sind Bande, die mein Wesen an das eure bis zur Auflösung des Grabes fesseln. – Und du, der reinen schönen unverdorbenen natur herrlichster Zöglingdu meiner Wünsche erhabenes Ziel! – Wie viel lange Morgen noch, o Agate, werden meine Träume bis zu dem Zeitenwurf über dir schweben, der, wenn Gott mein Gebet erhört, alle folgende Tritte deines Gangs mit Rosen bestreuen soll. Durch meine Vereinigung mit dir wird mein Dasein erst sein wahres Koloritund jeder Winkel der Erde, an den du es ankettest, den Reiz meines Vaterlandes gewinnen. Aber Ihr, zu denen diese Empfindungen in der Ferne, die uns scheidet, hinströmendu heilig verbundenes drei! vergieb mir, wenn ich in dieser hinfliegenden reichhaltigen Minute, über dich und deinen Himmel voll Seligkeit noch eine Macht erkenne, die selbst, ergreifender als du, mein bebendes Herz anmahnt! Ja, Eduard, in diesem Gedränge so lieblich schwärmerischer Gedanken war sie es, die holde Irrende, die gebietender als alle andere Lockungen vor meine Seele trat. Jenes heilige Gefühl, unter ihren Augen gewonnen, das sich von dem weltlichen Geschäfte, dessen ich mich eben entledigt habe, wie die Andacht von dem Wucher, zurückzog, heftete sich jetzt nur desto stärker an meine empfängliche Seele und verbreitete sich über sie in vielfach dunkelm Geflechte. Sie schien meinem vorbeirollenden Wagen aus ihrem Kerker nachzurufen: Kehre um, leichtsinniger Mensch! – Erwarte das grosse Schauspiel meiner Genesung, um an meinem Altar dein Herz an der heiligen Flamme zu erwärmen, die mein grausendes Schicksal umnebeln, aber nicht verlöschen konnte. Kehre um und sieh, wie sich aus der Verklärung meines Freundes ein Funken herabsenket, der meinem Irrgestirn zur Rückkehr in seine Bahn vorleuchtenan meiner Brust loderndas Ebenbild seines Vaters zurückstrahlen, und mein vertrocknendes Auge mit lindernden Tränen befeuchten wird! So sprechend stand die hohe Dulderin vor meiner Seele; als ich aber aus dem Kreise des magischen Spiegels heraustrat, und mich nach mir selbst wieder umsahergriff und schleuderte mich mein Bewusstsein in einen desto düsterern Abgrund.

Freund, ich habe Dir nie verleugnet, was in meiner Tiefe vorgingwarum sollte ich Dir jetzt die beschämenden Gefühle verhehlen, die, wie der Zugwind auf offene Wunden, auf die schmerzhaften Stellen meines Herzens eindrangen. O! das ist eine viel zu schonende Vergleichung. – Es war der reine Lichtstrom aus Agatens unbefangenemaus Klarens belohntem und aus dem bangenden Herzen der heiligen Märtyrin zusammengeflossen, der die Kruste eines stehenden Sumpfs bespülte und die Quellen seines schädlichen Aushauchs sichtbar machte. – Der Anblick empörte meinen Stolz. – Ich wollte Trosterwartete Schutzforderte Beruhigung von ihmerhob michund, woher, fragt' ich übermütig, kommt dir so unverlangt die Beleuchtung deines Unwerts? – von einer Wahnsinnigen...... Wie? welcher Dämon gab mir diess verunstaltende Wort ein?

O du schuldloses Opfer des grausamsten Verhängnisses. – Wehe dem