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zu sein, und beruhigt die meinigen ausserordentlich. Auf lucida intervalla darf ich nicht eher bei ihnen rechnen, als bis ein Licht in der gelehrten Welt verlischt. Es ist, als ob sie nach einer solchen Anzeige mehr Luft bekämen: denn jeder berühmte Mann scheint ihnen den Raum zu verengen. Könnte sie ein Schlagfluss alle auf einmal tödten, ich glaube, den Tag nachher bekämen diese gelbsüchtigen Toren alle wieder gesunde Farbe." "Dürfte ich wohl," fragte ich, und winkte Bastianen, "diesen Herren einen teil meines mitgebrachten Geschenkes anbieten?" "O," antwortete mein Führer, "Sie können es nirgends zweckmässiger anwendennur erwarten Sie keinen Dank dafürdenn so weit reinigt die stärkste Niesewurz ihr Gehirn nie." – Indem rief mir der Tragikus mit ironischem Ingrimm und mit einem blick zunein, Lucan hat der Furie, die ein Nest Schlangen zerdrückt, während der Sohn des Pompejus sie um den Ausgang der Pharsalischen Schlacht befragt, keinen erschrecklichern gegeben – "Steht der junge Herr dort" – rief er – "etwa auch in dem Wahn, ein Dichter der ersten Klasse zu sein?" – "Gott bewahre mich," rief ich äusserst erschrocken, "vor einem so übermütigen Einfalle," und beschwor Herrn Filbert, mich aus der Nähe dieses groben Narren zu bringen. –

Die anstossende Abteilung war still wie das Grab. "Sie verwahrt," sagte Filbert, "ehemals gute, nützliche Bürger, die durch äussere unglückliche Zufälle in hülflosen Blödsinn geraten, und auf ihrem harten Strohlager einer bessern Zukunft entgegen träumen. Das Mitleid wird zu sehr gespannt, um hier zu verweilen; doch werfen Sie immer im Durchgehn einen blick in die mittlere Zelle, weil Sie bald die Mutter des jungen Mannes, der hier eingesperrt ist, sehen und hören werden. Er ahndet nicht, dass er der Grausamen so nahe wohnt, die, um es kurz zu sagen, ihn durch ihr Beispiel verdorben, durch ihre Lehren zur Verschwendung seiner Jugendkräfte, zum Missbrauche seines guten Verstandes gereizt und in diess Elend gebracht hateine geschichte von gewöhnlichem Ursprung und entsetzlichem Ausgange.

Sein Vaterein reicher Banquiersonst höchst behutsam in seinen Unternehmungen, – war es nur nicht in der Wahl seiner Gattin. Er blickte aus seinem Komtoir in die junge weibliche Welt, wie in ein Waarenlager, und suchte sich das Mädchen aus, das einstimmig unter den Kennern für die Reizendste erklärt wurde. Stolz führte er sie bald als sein Eigentum durch die Reihe ihrer Anbeterglaubte ein unschätzbares Kleinod erhandelt zu haben, ohne zu bedenken, dass es keins in der Ehe gibt, wenn es sich nicht selbst zu schätzen weiss. Das wusste seine junge Frau so wenig, wie der Diamant des grossen Mogulsund Erwenn er nur seine Geldkasten unter dem Schlüssel hatte, glaubte alles in seinem haus verschlossen. Während er gekrümmt an seinem Schreibetische sasshatte er kein Arges auf die Bälle, Redouten und Opern, wo sein Edelstein glänzte. Eifriger konnte er aber kaum seine Wechselgeschäfte treiben, als sie das ihrige. Sie hätte sogar den Vorteil gehabt, es länger fortzusetzen, als er, da ihn ein schneller Tod von der Seite seiner schönen Hälfte wegnahm, und nun das Ganze ihren Liebhabern überlassen blieb, wenn nur nicht nach und nach neben ihrer Wechselbank andere mit mehrerem Kredit entstandenschlankere Gestalten auf den Maskeradenleichtere Tänzerinnen auf den Bällenjüngere Gesichter in den Logen erschienen wären, die alle Lorgnetten von der ihrigen abzogen. In dieser Verlassenheit, die mit den Jahren zunahmbekam sie Zeit, an die Erziehung ihres Sohnes zu denken, der schon ziemlich durch ihr Beispiel gebildet, siebenzehn Jahre alt, und reich und schön genug war, das Werkzeug ihrer doppelten Rache an unserm und ihrem eigenen Geschlechte zu werden. Als er an einem Redoutenabend sie um Rat fragte, was er tun solle, um sich auszuzeichnen, stand sie als Zauberin masquirt vor ihmhob ihren Stab und entliess ihn mit folgendem Orakelspruch: Blicke um dich und sieh, wie jene stimmenden Bienen die Knospen der Rose belagern, um, sobald sie sich auftun, den ersten Honig aus ihrem Kelche zu saugenund du könntest die Flügel hängen und anderm Gewürme ruhig den Vorgenuss einräumen? Ich hasse mein Geschlecht und ergrimme über das deinige. Schaffe mir Genugtuung von beiden und Seelenruhe durch deine Triumphe!

An diesem Abend, erzählt man, gelang ihm seine erste Verführung in einer Schäfer-Maske bei einer Schneiderstochter, als Diana gekleidet, und beider Unschuld ging verloren. Durch mütterliche Erfahrung wehrhaft gemacht, wie gefährlich ward nicht dieser verwahrloste Jüngling jeder unbewachten weiblichen Tugend? Wie manche herrliche Frühlingsblume hat nicht dieser gehorsame Sohn, auf Kosten seiner eigenen Jugendblüte zerstört? In seinem vier und zwanzigsten Jahre verfiel sein, durch Wollust entkräfteter Körper in ein schleichendes Fieber, dem sich die Verstandesschwäche anschloss, die alle seine Ansprüche auf ein frohes Leben vereitelt und ihn endlich unter meine Aufsicht gebracht hat. Die Welt bestrafte das mütterliche Ungeheuer mit Ekel und Verachtung, und der oberste Richter, nach einer mehrjährigen Folter unbefriedigter leidenschaft, durch Wahnsinn, der sie auch hier nicht einmal dem Mitleiden, sondern dem Spotte der Neugierigen Preis gibt. Sobald sie einen von unserm Geschlechte zu gesicht bekommt, wird sie gesprächig, und entwickelt den gang ihres hässlichen Lebens mit einer unbeschreiblichen Naivetät, die jedoch für einen Psychologen nicht ohne Wert ist. An der Spitze einer Schaar sinnloser