denn es ist unglaublich, was der kleinste Beweis von Auszeichnung, mit welcher St. Sauveur jemanden beehrt, in den Augen der Rechtschaffnen für einen Glanz auf ihn zurückwirft. Unter diese Zahl gehört Herr Filbert unstreitig, ein Name, der zwar von keinem Stammbaume beschattet wird, den ich aber in den meinigen vor vielen andern aufnehmen möchte, die, stiftmässig, ihr Leben in Spiel-, Trunk- und Teegesellschaften vergeuden. Er habe sich, sagte er, um seine nichts weniger als anlockende Stelle beworben, die seiner Mutter Bruder aber, trotz ihrem geringen Schimmer, zu einem wahren Ehrenposten erhoben hätte. Ich zog den Hut ab, als er mir auf mein Befragen nach dem Namen seines Oheims den edlen Howard nannte. "Wenn ich etwas Gutes in meinem beschwerlichen amt bewirke, so verdanke ich es dem Stolze, einem solchen Blutsfreunde nachzueifern, den ich ganz jung kennen lernte, als er die hiesigen Gefängnisse und Armenhäuser besuchte. Ich habe, wie er, nicht die Phantasien der Weltweisen, sondern der Narren studirt – nicht die Kunst, Paläste anzulegen und zu verzieren, sondern bequeme Kerker zu bauen, und mit gesunder Luft zu füllen, ihm abgelernt, werde der Nachwelt so wenig, als er, eine verbesserte Taktik – wirksamere Mordgewehre, oder neue Plane zu Lotterien und Auflagen – aber der Menschlichkeit in einer Wissenschaft, die noch sehr im Finstern liegt, hellere Augengläser vererben. Diese Anstrengung meiner wenigen Kräfte glaube ich dem Ruhme meines Oheims schuldig zu sein." Es ist gut, Eduard, dass die natur durch das Hirngespinst körperlicher Verwandtschaft manchmal auch noch eine geistige stiftet, so wie der leere Schall eines Namens, den ein berühmter Vorfahr auf uns gebracht hat, selbst bei dem Unvermögen, ihn zu erhöhen, uns doch gewiss abhalten wird, ihn verächtlich zu machen. Ein Namensvetter von Howard oder Filbert könnte, dächte ich, kein unnützer Weltbürger werden. Meine Begriffe sind gewiss von dem Verdienste eines Monarchen nicht klein, der seine Staaten in Ruhe zu erhalten und das Glas voll gährender Hefen so geschickt zu tragen versteht, dass es weder zerbricht noch überläuft; wenn aber die Behauptung wahr ist, dass ein Haufe verschobener Köpfe schwerer zu behandeln sei, als eine Armee, die, da sie aus lauter klugen in eine Masse zusammen gezwängt ist, geduldig dem Winke eines Lappens folgt, den ihr Gebieter ihnen zur Hetze auf eine andere Menschenmasse vortragen lässt, die er – ihren Feind nennt: – so sollte es beinah scheinen, als ob das Regenten-Verdienst eines Narrenwärters mehr besage, als das eines Fürsten. Nach besserer überlegung halte ich jedoch dafür, dass die Regierungskunst des einen wie des andern auf einerlei Grundpfeilern beruhe, und die einfachen Mittel, die Filbert gebraucht, um seine tobende Republik in Gehorsam und Ordnung zu erhalten, dieselben sind, die unser Friedrich, nur nach einem grösseren Massstabe, anwendet. "Ich bändige," sagte er, "durch Hunger – belohne durch die Freude der Sättigung, und lasse übrigens in gleichgültigen Dingen jedem tollen kopf das Spielwerk seiner Laune. Sie werden mich sogleich deutlicher verstehen, mein Herr."
Er führte mich nun in die erste der vier Abteilungen, die in einem weitläufigen Bezirke die verschiedenen Klassen dieser Brüdergemeine von einander sondern. Wenn Apollo einmal einem Dichterchor sichtbar erschiene, schwerlich könnte er von feurigern Augen bewillkommt werden, als hier aus einem Dutzend finstrer Behälter meinem Begleiter entgegenfunkelten. "Nach was," fragte ich, "strecken diese Rasenden ihre hände so weit aus ihren Gittern?" "Nach Federn, Tinte und Papier," war seine Antwort, "sie würden aber bald die ganze milde Kasse gesprengt haben, wenn ich ihnen hierin immer zu Willen stände. Diesen Hof, mein Herr, habe ich nur den Genies der Gesellschaft eingeräumt, die meiner Aufsicht um desswillen am nächsten sind, weil sie ihrer am meisten bedürfen. Sie taugen durchaus in keine andere Abteilung, denn sie würden jeden Narren, der nicht mit ihnen auf derselben Höhe steht, nur noch närrischer machen. Hier hält das Excentrische des Einen den Unsinn des Andern im Gleichgewicht. Die Nachwelt ist zwar das allgemeine Steckenpferd, das sie reiten, und die Minderjährigkeit des Zeitalters ihre ewige Klage." "Da sie aber," wendete ich ihm ein, "einander meistens in die Fenster sehen können, wie ich bemerke, so dächte ich, müsste bei gleichen Forderungen ein unaufhörlicher Zwist unter ihnen herrschen, dessen Ausbruch nur die stärksten Ketten hindern können." "dafür habe ich gesorgt," erwiderte der Aufseher. "Es gibt der Wege zur Unsterblichkeit so viele! und indem ich hier dem Tragödien-Schreiber einen Systematiker – dort dem medicinischen Freigeist einen Sternseher – weiter unten dem Goldkoch einen Heldensänger, und am Ende des Hofs dem Weltverbesserer einen Liederdichter gegen über gesetzt habe, lachen die einen über die andern, und treffen sich nie in einem Gleise zusammen. Jeder verführt ruhig seine Waare der Ewigkeit zu, ohne sich um die Ladung des Gegenüberstehenden zu bekümmern. In ihrer Kost sind sie sehr genügsam; desto gieriger aber nach gelehrten Zeitungen, und ich kann allemal aus der rasselnden Kette des einen, oder der schäumenden Wut des andern abnehmen, wenn einer ihrer Zunft in dem neusten Blatte gelobt ist. Desshalb lasse ich seit einiger Zeit nur ein gewisses Journal, seiner herabwürdigenden Urteile wegen, unter diesen Herren cirkuliren, und kann dem Herausgeber nicht genug dafür danken: denn es scheint nur für Narren geschrieben