sich nichts erwiedern – Er bestellte sogleich die Pferde, und wünschte nur, dass meine Reise glücklich sein, und ich bald von Montpellier zurückkommen möchte. – "Freund," fiel ich ihm ernst ins Wort – "alle die frohen Tage, um die ich mich bringe, sind mir eine harte – aber wohlverdiente Strafe. Sei gerecht und suche sie nicht zu mässigen! Von Montpellier habe ich fast eben so weit nach deiner Burg als zu der deutschen Gränze. Lass mich also immer den Weg, auf den mich meine einfältigen Streiche gebracht haben – nach der Heimat fortsetzen! Aber höre noch, was dir mein Herz vorzutragen hat – die Zeit ist zu edel, um es mit Umschweifen zu tun. Versprich mir, lieber Saint-Sauveur" – und ich flog ihm an den Hals – "dass du Agaten für mich aufheben willst – und gewiss umarme ich dich eher wieder, als du denkst – Frankreich soll mir alsdann von Berlin nur ein Katzensprung sein – dort bleibe ich nur so lange, als Not ist, um meine Bücher – Kupferstiche und andere Kleinigkeiten zu verkaufen – dem besten meiner deutschen Freunde schenke ich meinen Gypskopf und meine Scheibensammlung – und wenn ich mich so leicht gemacht habe, wie ein Vogel – fliege ich fort und bin der eurige auf ewig. O dass ich dir die Lücke deines Grammont ersetzen möchte! – Glaubst du nicht, lieber Saint-Sauveur, dass mir Agate ein wenig gut werden könnte, wenn ich erst mehr um sie bin?" "Darüber," antwortete der behutsame Mann, "behalte ich mir vor dir zu schreiben – Traue übrigens in deiner Herzensangelegenheit meiner Freundschaft und dem Wunsche, einen solchen Sonderling, wie du bist, in meiner Nähe zu haben." Indem kam der Wagen vor das Portal des Janustempels angefahren. Hochbewegt umarmte ich meinen teuern Freund. "In der Hoffnung des baldigsten und glücklichsten Wiedersehens," schluchzte ich ihm vor, "vergiss um Gotteswillen meinen Auftrag nicht! – Sage deiner lieben Gesellschaft guten Morgen von mir und lebe – lebe wohl!" Ich warf mich unter einem Erguss zärtlicher Tränen von einer ganz eigenen Mischung in die Chaise. Als sie ein wenig verlaufen waren, gesellten sich allerlei Betrachtungen zu mir, die eine trat mir vorzüglich an das Herz. Während Bastian – überrechnete ich – ein- und aufpackt, hast du wohl noch Zeit, deinen immer verschobenen Besuch in dem Tollhause abzulegen – denn wie möchtest du diese Gegend verlassen, ohne die bedauernswürdige Frau kennen zu lernen, für die du vergangene Nacht auf dem grab ihres entleibten Gatten so inbrünstig gebetet hast. Ich äusserte gegen meinen Landsmann den Wunsch, wenn es möglich wäre, noch vor neun Uhr in der Stadt zu sein – "Möglich?" drehte er sich zu mir, "ich verspreche es Ihnen um eine ganze Stunde früher." Er teilte seinen Diensteifer durch ein paar tüchtige Peitschenhiebe seinen vier Rappen mit, und hielt so gut Wort, dass er mich sogar einige Minuten eher, als er versprochen hatte, vor den heiligen Geist brachte. Es traf sich alles nach Wunsch. Bastian war zu haus und Passerino bei ihm zum Frühstücke. Kaum waren sie von meiner ernstaften Angelegenheit unterrichtet, so traten beide zu meinem Dienste zusammen – der Maler besorgte die Postpferde – Bastian das Einpakken, inzwischen ich die freien Augenblicke benutzt und Dir erzählt habe, durch welche sonderbare Verkettung der Umstände – um nur das geringste zu erwähnen, die vergangene Nacht mit einem Teile des heutigen Morgens so verschmelzt wurde, dass sich sogar darüber zum erstenmal in meinem chronologischen Tagebuche der gewöhnliche Abschnitt der Zeit verrückt hat. In den meisten Geschichten scheint es mir zwar sehr gleichgültig – wie die Uhr stand, als die Sache vorfiel, wenn sie nur wahr ist. Hier aber ist es nicht so ganz einerlei, und wenn sich nicht das eine aus dem andern natürlich erklären liesse, müsste es doch wohl jedermann auffallen, dass ich eben so schmuck, als ich gestern von der Hochzeit kam, heute bei Narren auftrete. Wo hätte ich die Zeit hernehmen sollen mich umzukleiden? Passerino hat sich Bleistifte von allen Farben – Bastian einige Pfunde Schnupftabak zum Austeilen unter die armen Presshaften geholt, und so gehen wir nun – kecker vielleicht, als wir sollten – dem belehrenden Schauspiele entgegen, das Torheit und Raserei der ihnen nur zu nah verwandten menschlichen Vernunft zu gute geben.
Den 25sten Februar.
In ein kleines, ruhiges, mit einer dunkeln Lampe erleuchtetes Stübchen verwiesen, sitze ich hier in einem ländlichen Postause, zwei Stationen von der betäubenden Hauptstadt – denn weiter konnte ich heute nicht kommen – und blicke meinem abgelaufenen Tage in einer Gemütsstimmung nach, wie ich sie mir nur, bei dem letzten herabrieselnden Sandkörnchen Ewigkeit wünschen kann. Ich habe die, selbst in ihrer Verrückung noch, unübertreffliche Frau gesehen, gehört, bejammert und angebetet. Wären ihr alle Verstandesberaubte gleich, so würde ich die mahomedanische religiöse Verehrung derselben ohne Bedenken in meine Glaubensartikel aufnehmen. Doch gemach! Wir müssen erst, lieber Eduard, einen langen sauern Weg zurücklegen, ehe wir in die verschwiegene Halle gelangen, die diese Heilige von der grossen lärmenden Gesellschaft gemeiner Unsinniger scheidet. Ich liess mich bei ihrem Vorsteher als einen Freund des Marquis ansagen. Er empfing mich schon darum mit vieler achtung, die schnell in Zutrauen überging, da meine Eigenliebe ihm nicht verschweigen konnte, dass ich dem grossen Feste, von dem ich eben zurückkäme, als der einzige Fremde beigewohnt hätte: