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alle Blumenbeete durchstöbern, und würde doch die schönste nicht bedeutend genug finden, um Dir ihreso weit von Berlinischem Prunk abstehende Grazie zu versinnlichen. Saint-Sauveur fühlte sein Glück und mit Recht unendlich stärker als ichsenkte schweigend sein gerührtes Auge auf die holde Gestalt, die zu ihm auf lächelte, und schien sich in dem ruhigen Stolze seines Gelingens für einen Gott zu halten, dem ein seliger Engel in dem arme liegt. Als die Sonne höher trat und blendete, wand sich das reizende junge Weib, wie ein bittendes Kind, aus den zögernden Händen ihres tändelnden Freundes. – Er träumte ihr einige Augenblicke nach, dann nahm er mich bei der Hand. "Ich bin nun diesen Morgen ganz dein, Wilhelm!" sagte er. "Lass uns das Tal durchstreichen, und hilf mir nur E i n e n Menschen in der weiten Welt entdecken, der glücklicher ist als ich, damit sich nicht Uebermut meiner bemeistere." Unvermerkt leitete ihn der Hang seines Herzens zuerst auf unserm Spaziergange nach dem Janustempel, der ihm seit gestern nach seinem Brautbette wohl der liebste Fleck der Erde geworden ist. Während er nun unter der zierlichen Wölbung nur die einzelnen Stellen aufzusuchen schien, über die Klarens Füsse geschwebt hatten, wo sie sass, zitterte, weinte und ohnmächtig ward, verbreitete sich meine Bewunderung über das einfache schöne Ganze. "Ich sehe wohl," rief ich endlich lachend meinem Freunde zu, "dass du über die Benutzung dieses Juwels von Felsen nicht nötig hattest, weder mich noch meinen alten Lehrer der Baukunst, den ehrlichen Sperling, zu Rate zu ziehen" – "Wie?" unterbrach er mich ganz betroffen, "heisst denn der alte Gurkenmaler so, der an dem Hafen wohnt?" "Ja wohl," sagte ich, "aber er hat seinen deutschen Namen ins Italienische übersetzt, seitdem er hier ist" – "Das tut mir sehr leid," versetzte SaintSauveur, "denn, wenn mich mein Gedächtniss nicht ganz betrügt, so habe ich schon mehrmalen nach demselben mann Steckbriefe in den Berliner Zeitungen gelesen, die ich bloss eures Königs wegen noch halte" – "Nach Teodor Sperling?" – "Ja gerade nach diesem" – "Unmöglich," fuhr ich fort, "dieser, zwar als Künstler sehr unbedeutend, ist jedoch die ehrlichste Haut, die ich kenne, und wahrlich auch nicht verschmitzt genug, der preussischen Polizei zu entwischenDu irrst dich, lieber Mann!" – "Nun das ist leicht zu erörtern," antwortete er sehr bestimmt, und befahl dem Bedienten, der uns von weitem nachgetreten war, nur die zwei letzten Monate der deutschen Zeitung bei seinem Kutscher zu holen, der sie aus Vaterlandsliebe sammelt. Mittlerweile gerieten wir in ein Gespräch, das mir mit jeder Minute wichtiger ward. Saint-Sauveur zeigte mir von weitem in seiner magischen Laterne den Plan, den er angelegt hatte, um den ohnehin glücklichsten Sommer seines Lebens durch hülfe der Kunst, der natur und seines Ueberraschungssystems noch mehr zu erhöhen. "Die nächsten acht Tage," sagte er, "bleiben wir in diesem Freudentale beisammendann schwinge ich mich mit Klarenwie Vertumnus und Pomona, auf das erfrischende Hochgebirge meines Stammguts. Mein Ahnherr, der diese romantische Burg erbaut und mit unserm Geschlechtsnamen beehrt hat, muss die Gabe besessen haben in die fernste Zukunft zu blicken, und mich unter seinen Nachkommen seines Schutzes am würdigsten zu halten, so genau passt das Ideal, das ihn beim Anbau jener Gegend leitete, zu meinen glücklichen Verhältnissen. Hast du nicht in einem gewissen Mährchen von einem schloss gelesen, das ein Zauberer aus Feldsteinen zusammensetzte, und die hundert Säle und Zimmer darin allen den Rittern Preis gab, die in der Folge der Zeit dort absteigen und einsprechen würdeneine einzige himmelblaue Rotunde ausgenommen, die nur dem glücklichen Sterblichen zu öffnen erlaubt und möglich war, der seinem alten Feinde, dem Schwarzkünstler auf den sieben Hügeln, den von ihm so oft missbrauchten Talisman der wahren Seligkeit rauben, und in jene Freistätte flüchten würde. In derselben Minute, setzt das Mährchen hinzu, wo er dort den geretteten Ring an den Finger stecktüberziehen sich die grauen Mauern mit Smaragdendie himmelblaue Rotunde prangt in äterischem Feuer, er hört die Harmonie der Sphärenatmet nur Wohlgeruch, erfasst, wo er hingreift, nur Lilien und Rosen, und seine fünf Sinne kommen ihm als so viele Tore vor, durch die Schaaren von Liebesengeln auf sein Herz eindringen. Dieses Luftgebäude der Phantasie nungehört in der Wirklichkeit mir zuder Eroberer des Kleinodes, dem alle diese Wunder ankleben, bin ich, und unter Klarens Anblick werden sich jene Feldsteine meiner Burg in BergkrystalleRubinen und Ametyste verwandelnKomm mit uns, lieber Wilhelm, sieh und bewundere mit eigenen Augen die Wirkungen des Talismans, dessen ich mich, glücklicher als alle meine Vorfahren, bemächtigt habe. Meine SäleZimmerKüchen und Keller stehen jedem Rittersmanne offen, bis auf die himmelblaue Rotunde, die mein Ahnherr mir ausschliesslich vererbt hat." Man mag sagen was man will, ein Feenmährchen hat seine eigenen Verdienstees erwärmt, es befeuchtet bei Kleinen und Grossen das kalte oder vertrocknete Gehirn. Kinderum nur bei ihnen stehen zu bleibenvergessen Essen und Trinken darüber, wenn ihnen nur kein Zuckerbrot in die Nähe kommt; aber auch dann noch leiht die einmal erregte Phantasie der Wirklichkeit einen Reiz