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, ohne seine Absicht zu ahnden, den glücklichen Ausgang seines geheimen Spiels befördern mussten. Dass er dieses alles in seiner Kutte geleistet hat, wird Dir der Verfolg meiner Erzählung beurkunden. Den Gouverneur schien das Testament seiner Gemahlin nicht weiter zu beunruhigen, so bald er hörte, dass die Vollstreckung seinem würdigen Hausfreunde übertragen war; er kannte seine Grundsätze, und merkte bald, dass es nicht ein Kloster sein konnte, wohin er seine Pflegbefohlne zu leiten suchte. Er verabredete den Plan ihrer Erziehung mit jener trefflichen Frau, die ihre treue Begleiterin bis vor dem Altare blieb, wo auch sie durch den Preis überrascht wurde, den ihr Liebling erhielt. Er gab ihr an der Prinzess von Montbasson und Agaten zwei liebenswürdige Gespielinnen zu, und verbarg diess reizende Trio der Neugier und der Verführung, unter die Schatten eines frohen ländlichen Wohnsitzes, wo ihnen nur die natur zuflüsterte, und ihre Herzen und Augen unbefangen blieben. Hier tränkte er ihre Seelen mit grossen erhabenen freundschaftlichen Empfindungen, bereicherte ihren Verstand mit den schönsten Kenntnissen, übte ihre hände in den geschätztesten Talenten, und sorgte gleich der zärtlichsten Mutter für das Gedeihen ihrer aufblühenden Reize. Mit allen diesen, Klosterfrauen unnützen Vollkommenheiten, brachte er Klaren in ihrem funfzehnten Jahre dem erstaunten Vater zurück und in St. Sauveurs Bekanntschaft, den er schon längst als ihren Retter ausersehen hatte. "O der Freude, die ich damals empfand," strömte es ihm von der begeisterten Zunge, "da ich den tiefen Eindruck bemerkte, den das schöne herrliche Kind auf sein Herz machte! Ich hatte gewonnenIhre gegenseitige Zuneigung stieg mit jedem Tage höherendlich so hoch, dass sie nach meinem Wunsche einander unentbehrlich wurden. Jetzt erst, da das holde Mädchen der gebenedeiten Jungfrau schon zu weit aus den Augen war, um ihren Ruf zu hören, trat ich mit dem furchtbaren mütterlichen Testamente auf. Da ich, seitdem sie unter meiner Aufsicht stand, dessen nie mit einer Sylbe erwähnt hatte, so erschreckte sie mein unerwarteter Vortragungefähr, wie ein aufgefundener Wechselbrief, den man längst für verloren gehalten und vergessen hat, ob man gleich, wenn die Zahlung gefordert wird, die Schuld nicht abläugnen kann. Jeden andern aber, der davon hörte, erschütterte diese Neuigkeit, und ich musste sogar die gehässigsten Nachreden über mich ergehen lassen. Nur Sie, die fromme Tochter, benahm sich gross und edel, sobald der erste Schrecken vorbei war. Sie kämpfte zwar, aber nur wenig Minuten, mit der notwendigkeit ihres kindlichen Gehorsamsempfahl sich der Barmherzigkeit Gottes, und unter einigen zärtlichen Tränen, die sie dem Andenken ihrer würdigen Mutter darzubringen glaubte, wählte sie das Kloster der Urselinerinnen, von denen ich einigemal rühmlich gesprochen hatteJa einige Stunden nachher konnte sie sich selbst über den Zuwachs an Vermögen freuen, den ihr guter Bruder durch ihre Annahme des Schleiers erhalten, und mit ihrer geliebten Montbasson in glücklicher Zufriedenheit geniessen würde. Der Marquis, der diese Nachricht durch einen Brief erfahren hatte, schickte mir einen Wagen mit sechs rauchenden Pferden, die mich abholen und auf seinen Landsitz bringen mussten. Ich fand ihndiesen sonst so mutvollen Mann, niedergeschlagener als ein Kind, und der hohe Grad von Wehmut, der über sein ganzes Wesen verbreitet war, hätte wohl jedes andere Herz als das meinige, das so freundschaftlich für ihn schlägt, zum tiefsten Mitleiden bewegen müssenMein Freund, wimmerte er mir tränend entgegen: – aber es war mir nicht möglich, ihn weiter fortjammern zu lassenIch unterbrach ihn mit einer so gelassenen Mienemit einem so viel versprechenden beruhigenden Händedruckdass ihn sogleich aus der Dunkelheit meines Auftrags ein Strahl der Hoffnung überschimmerteKleinlaut fragte er mich: Darf ich den Engel noch fortlieben? Ich bejahte es. Darf auch Sie? Ich schwieg: aber ich bat ihn um einen Platz zur Errichtung einer KapelleEr bewilligte es mit einem starren blickIch hatte schon längst seinen Steinbruch umgangen und gemessen, und überreichte ihm jetzt meinen Plan zur EinrichtungEr billigte alles, sobald er auf der Waldseite den Eingang in die Kapelle, auf der andern den Balkon mit der Treppe in seinen Park erblickte. Er umarmte mich einmal über das anderehielt sich eine ganze Weile die hände vor die Augenüberrechnete die Zeit bis zum Geburtstage des Fräuleins, kritzelte in der Geschwindigkeit einen Brief an den berühmtesten Baumeister in Marseilleriss mir meinen Plan aus den Händen, und befahl dem Haufen seiner Bedienten, alle mögliche Maurer und Zimmerleute, die sie auftreiben könnten, für doppeltes Tagelohn anzuwerben. Wie schlug mir das Herz bei dieser leidenschaftlichen Heftigkeit, indem ich daran dachte, dass es zwar nicht wahrscheinlich, aber doch möglich sei, dass Klara in dem entscheidenden Augenblicke verstummte; und auch bei ihm trat bald nachher die Furcht der Ungewissheit an die Stelle der kleinen Hoffnung, die ihm mein Händedruck mitgeteilt hatte. Ich konnte und durfte ihn nur mit halben Worten trösten, und verliess ihn endlich mit der ernstlichen Bitte, Klaren in ihrem jetzigen Traume nicht zu stören, nie mit ihr von seiner Liebe zu sprechen, sie weniger zu sehen, und das übrige der Zeit und der Hand Gottes anheim zu geben. Eine viel grössere sorge hat mir die edle Montbasson durch ihren schnellen Entschluss gemacht, der Freundschaft das grosse Opfer ihrer Liebe zu bringen. Sie bekam auf einmal eine Abneigung gegen den Bruder, der sich durch das Unglück seiner Schwester, wofür sie es ansah, bereichern sollte. Durfte ich