, es hätte sogar die überraschende Nacht Sie ohn' ein härenes Hemd' und fern von geistlichen Run
den
Gott weiss! in welch' eine Lage gebracht; Hoff' ich doch gläubig zu dem, der gleiche Sorgfalt und
Acht
Auf träge Sekula nimmt wie auf den Flug der Sekunden, Die kleinsten Sphären so gut, die er den Liebesgesunden Manchmal zum Spielwerk erlaubt, als jene himmlische
Pracht
Lebloser Welten, die ihnen leuchten, bewacht, Zu dem Bewusstsein hoff' ich, das den Umarmten ver
schwunden:
Sie haben schwerlich sich jemals besser befunden, Je freudiger ihres Schöpfers gedacht. Die guten Kinder sind jetzt im höchsten Spielraum der
Liebe
Der Fliege Kolibri gleich, die nie von Dünsten beschwert, Sanft von dem Zephyr gewiegt, bei leichtem Sättigungs
triebe
Auf Blumen schwebend sich nur von ihrem Aushauche
nährt.
Wenn sich dann Abends zu ihr, gleich liebeatmend und
trunken
Von aromatischem Geist, der schöne Gatte gesellt, Wie freundlich wird nicht der blick des frommen Sehers
erhellt,
Dann überschimmern vor ihm im dunkeln Aeter zwei
Funken,
Der grossen Fackel des Universums entsunken, Den ärmlichen Staub der sublunarischen Welt.
Mir aber, als die Glücklichen verschwunden waren, als ich, statt eines Sylphen, von einem gemeinen Diener geleitet in das Zimmer trat, das mir seine Fackel anwies, und ich über mein einsames Bett hinblickte – mir war, als hörte ich alle Tore des Lebens und der Freude hinter mir zufallen. Ich erschrak, hob den Vorhang des Fensters, riss die Flügel auf, und meine feuchten Augen, flogen über die Milchstrasse hinaus, dem entgegen, der in diesem Gewühl leuchtender Welten jeden Wurm mit Liebe umfasst – dachte an Agaten – und o, rief ich –
Du, der von Ewigkeit her den Busen reizender
Frauen
Zum besten Spielraum der Männer erwog,
Der diese Stunde gelenkt, die durch ein süsses Vertrauen
An Lieb' und Wahrheit, zwei fromme Kinder den Klauen
Der Klosterhyder entzog!
Wie wollt' ich deiner Erbarmung
Nicht danken, führtest auch du
Der Andacht meiner Umarmung
Die dritte Heilige zu!
Achtet auch der Allweise die törichten Gebete nicht, die uns in dem Rausche der Sinne entsteigen; so haben sie doch das Gute, den Verarmtesten die zwei schönsten Blumen des irdischen Lebens, Hoffnung und Geduld, in den Schooss zu legen. Auch ich kam von meinem Aufblicke in die obere Region um ein merkliches beruhigt zurück. Meine sinnlichen Wünsche verloren ihre Heftigkeit, als ob sie erreicht wären, und ich fühlte mich abgekühlt genug, über Agatens Schleier hinweg, nach manchen andern Rätseln zu greifen, die mir der verlaufene Tag eben so unentwickelt zurückgelassen hatte.
Denn, wenn ich gleich jetzt ungefähr erraten konnte, in was für Betrachtungen Saint-Sauveur auf unserm Wege nach Toulon so vertieft war, dass er sich wenig um meine Verzückung in den Himmel und um meine Hymne an das Gestirn des Tages bekümmerte – es mir auch eben so begreiflich ward, warum er mich im Gastofe zum silbernen Anker mit meiner Scheibensammlung allein liess, und es ihm so sehr zur Unzeit kam, dass mein verlornes Einlassbillet einem Spieler, zur Nachfolge für andere, seinen Weg wies – wenn gleich die Seufzer, die damals Klaren entstiegen, als ich ihr meinen Arm bot, und ihre stillen Tränen in den Kelch einer Passionsblume, so wenig als die Erschütterung, die ihr die Gebetglocke des nahen Klosters – der Mönch auf der Galeere und das Mitleiden mit Agaten verursachte, jetzt noch einer nähern Erklärung bedurften – ich auch meine vorgestrige Verwunderung über das Geschäft meines Freundes in dem Steinbruche herzlich belachen musste, und nicht mehr böse auf ihn sein konnte, dass er während der Veranstaltung seiner heutigen Ueberraschung mich auf ein Schiff bannte und gewaltsam nötigte, Voltaire's Geburtstag zu feiern: – so blieben mir doch genug neugierige fragen über den Zusammenhang der heutigen seltsamen Ereignisse übrig, die ich mir schlechterdings nicht zu beantworten vermochte. Diese schwierige Aufgabe würde mein Nachdenken noch lange beschäftigt haben, wenn es nicht ein Umstand unterbrochen hätte, der für mich keine Kleinigkeit war. Ich hörte die Seitentür öffnen, die nach dem Park führt – Das ist Agate, sprang ich von meinem Stuhl auf, die vermutlich, so unruhig als ich, nach Luft schnappt – trat ans Fenster – hörte sie – sah ihren Schleier zwischen den Akazien wehen, und nun war vollends meines Bleibens nicht mehr. Ich eilte aus meinem Zimmer durch das Portal, an dessen Säulen noch einige verlöschende Lampen zitterten. Zu einer andern Zeit würde ich sie als ein treues Sinnbild der Vergänglichkeit aller menschlichen Freuden, in Vergleichung mit den ewigen Lichtern am Himmel, vielleicht länger betrachtet haben; aber in diesem Augenblicke dachte ich weder an Zeit noch Ewigkeit, sondern – solltest du es wohl glauben? an die kleine zarte Mignonne unseres Nachtisches. grosser Gott, und ich suchte Agaten! Ich hatte die längste Weile die lispelnden Sträuche durchirrt, ohne sie zu entdekken, und ich fing schon an zu fürchten, dass es mir hier noch einmal mit meiner Stirne ergehen möchte, wie vor einigen Monaten zu Caverac, als glücklicher Weise ein Fünkchen, das mir in einiger Entfernung entgegen blinkte, meiner gesunkenen Hoffnung wieder aufhalf. Dort – ja dort sitzt das liebe Kind, ihr kleines Laternchen neben sich, auf einer Rasenbank, und so geschwind, als dieser Gedanke, war auch der Zaun, der den Grasplatz von dem Park abschnitt, überstiegen. Ich will sie nicht erschrecken, nahm ich mir vor, glaubte auch, ich ginge langsam