1791_Thmmel_094_314.txt

Nach diesem Probejuwel, dem Gränzstein meines Gesan

ges,

Zieh' aus dem Orkus, wer mag, die voll unheiligen Dran

ges

Gespaltne gelbe Granat' an die Bestrahlung des Lichts! Ich eile mit der Moral zur M a n g o s t i n e 22 vom

Ganges.

Ist's möglich, deck' ihr Gebräm, statt jenes Feigenverhan

ges

Des ersten nackenden Paars, die Blössen meines Ge

dichts!

Sie, gleich der sinnlichen Lust, zerschmilzt und gibt, wie

ein langes

Verträumtes Leben, nur Schaum, und der Erinnerung

Nichts,

Löscht wilden Tieren den Durst, und kühlt die mensch

lichen Wildern,

Wenn jen' ein nagender Wolf, – wenn Amor diese ge

hetzt.

Wär' ich ein Pseudo-Horaz, der weder nützt noch ergötzt, Hätt' ich statt ihrer wohl gar das Haupt von cynischen

Bildern

In der Maldivischen Nuss23 Dir vor die Augen gesetzt. Allein die freche natur hat hier ein Sinnbild geätzt, Das keinen Nachstich erlaubt, auch hab' ich über diess

jetzt

Dir noch ein eigenes Produkt aus feinem Kraftmehl zu

schildern:

Dem, nach dem Landesgebrauch, als ein Orakel ge

schätzt,

Ein ernster Augur bereits sein Opfermesser gewetzt. Sein Auge fordert Gehör, der Gäste Jauchzen zu mildern, Und seine Zunge, zuvor in Wein prophetisch genetzt, Ruft laut: Was Unschuld verbarg, erringt die Liebe zu

letzt!

Nun war das Weihungssymbol bekränzt mit Knospen der

Rose

Dem Gastmahl Platos vereint. Ein Böhnchen einzeln ver

weilt

Verschlossen in dem Gebäck als Bild des grössten der

Loose,

Das, wenn sich's einmal verlor, kein zweiter Festtag ereilt. Sei ein Gewinnst noch so klein, er liegt dem Zufall im

Schoosse.

Oft wenn der Schmidt seines Glücks den Bolzen dreht

und befeilt,

Der doch am Ende nicht trifft, hat Alexander der Grosse Den Gord'schen Knoten so leicht als wir den Kuchen zer

teilt.

Ein fremder Schauer durchlief der Rose Jugendgestalten Dem ersten Angriff geweihtdoch der Begeisterte

schritt

Schnell zu dem Teilungsprozess, der keine Zögerung litt, Im Dienst der obersten Macht das strengste Recht zu ver

walten,

Das für den Ruhm eines Paars von gleichen Ansprüchen

stritt.

Ein jeder Edle verdient das grosse los zu erhalten. Sie zittern beide, doch seht, des Schicksals Rätsel entfal

ten

Sich wie ein Gottesgericht. Ein Wunder leitet den Schnitt, Es hat ein Wunder die kleine Bohne gespalten, Und jede Hälfte, die nun das schöne Ganze vertritt, Teilt' auf des Augurs Befehl, den Dank und jubel um

schallten,

Gehorsam sich den Erwartenden mit. Betroffen blickten die Freundinnen beide Einander in das verfärbte Gesicht; Sie lächelten zwar der männlichen Freude, Den Sinn nur davon begriffen sie nicht. So sassen einmal ein paar errötende Horen An Leda's Neste vor jenem mystischen Ei, Das siemit Wahrheit als Gans in Zevs Umarmung ver

loren,

Und spielten damit und brachen's entzwei, Und dachten nicht das geringste dabei. Sie ahndeten nicht, dass sie Helenen geboren, Und dass des Kindes noch ungestilltes Geschrei Mehr als ein bänglicher laut für zarte Jungfrauenohren, Dass es das Probegetön', der erste Ruf der Schalmei, Zum blutigsten Krieg, den je die Götter beschworen, Um den Besitz einer Kleinigkeit sei. Zehn lange Jahre verstritten die Toren; Zuletzt verschütten sie doch, wie deutsche Köche, den

Brei.

Und Kerzen füllten den Saal. Im Nu durchzitterten Flam

men

Der kalten Psyche die Brust, geschmiegt an Paphiens

Sohn,

Und schlugen über die Kränze von Mohn Der zwei Sirenen und jenen Wellen zusammen, Die kaum vom Lichte verraten, auch schon Gebrochen in ihre Grotten entflohn. – Wer kann die selige Lust an diesem Vorspiel verdam

men?

Doch unsre Helden, voll Kraft der Odysseer, um

schwammen

Die Brandung, senkten den blick und stimmten leis' in

den Ton

Des ewig tröstenden Lieds der Philosophen und Ammen: Geduld! Erwartung ist schwer, doch desto süsser der

Lohn!

Jetzt tritt die Ananas vor, sie, die in feuriger Zone Am Vorgebirge der guten Hoffnung entsprang, Sieht auf der Tafel sich um und setzt zum endlichen

Lohne

Des zärtlich schmachtenden Paars, das seine Wünsche

bezwang,

Verschämt, doch unter Verzicht auf ihren weiblichen

Rang

Setzt sie, geduldsam zerlegt, die beiden Finder der Bohne In den Besitz ihres Reichs, in alle Rechte der Krone, Auf keinen andern Beding als einen guten Empfang. Wie tönt den Helden das Ohr, als ihre Stunde verklang, Als ihrem forschenden blick, nicht ohne Beben, nicht

ohne

Vertraun, sein erster Versuch auf jenes Eiland gelang, Das bald ihr Eigentum wird. Des Mondes Schimmer be

schwang

Die nie bestiegenen Höh'n in jenem schmelzenden Tone Des Morgenmalers Lorain. – Dass sie ein Kobold bewoh

ne,

Befürchtet kein Steiger, der jetzt im Schwung zum däm

mernden gang

Des edlen Erzes, den Arm um seine Begleiterin schlang; Die Holden zitterten nach, und eingesegnet vom Sohne Cyterens, hörten sie kaum auf unsern Abschiedsgesang; Ein Lied der Trauer für mich, das meiner Jugend Ver

gang

Mir zum Entsetzen bewies, indem es näher zum Trone Des Gottes ehlichen Heils, ins stille Brautgemach drang. Dank sei der Liebe jedoch für die paar seltenen Stunden, Die diesen Abend einmal der armen Menschheit gelacht; Sie hat vom Fangstrick des Papsts zwei freie Herzen ge

bunden,

Und was sich reizendes je dem ungestümen Betracht Der Männeraugen ergab, dem Sterbekittel entwunden, Der keine Schöne zur Heiligen macht. Gesetzt