,
Gleich der, die f e s t und g e s t r e n g , doch nicht so
böse gemeint,
Mit Knappen grau wie Saturn, und andern wackern Ge
hülfen
Zuweilen arglos am Hof bei einem Landtag' erscheint. Nur mute niemand mir zu, trotz meines Vorzugs im
Schmecken,
Aus seinem Harnisch hervor den inneren Mann zu er
spähn.
Dem Noa selbst biet' ich Trotz, der doch die Stammherrn
dem Schrecken
Des Untersinkens entriss, der Enkel Gruss zu verstehn, Die jetzt mit offenem Helm, beschwert mit Panzern und
Decken,
Wie Butter auf der Zunge vergehn. Doch, dass ich Rang und Verdienst nicht durcheinander
verschiebe,
Zieh' ich die Finger zurück, lass' ich den Gästen die Wahl. Gnug, diess Heroengeschlecht passt für ein hochzeitlich
Mahl
Vortrefflich, weckt und erwärmt der Vorzeit glückliche
Triebe,
Und ausser ehlichem Bund und ebenbürtiger Liebe Kennt es so wenig, als ich, von Plato mehr als die Zahl, Die er zum Dreieck verschob und zu berechnen empfahl. Doch bei der Schüsseln Gedräng tritt jeder Zufluss mir
bänger
Für meine Rolle ans Herz, und Komus mag mir verzeihn, Ich übertrage zwar gern, nur nicht aus Küchenlatein, Das lachen, das er erregt. Mein Genius weigert sich, län
ger
In Sieden, Braten und Frikassiren allein, So sehr das Beispiel auch reizt, dem blinden Iliassänger Und seinen Beleuchtern ähnlich zu sein. Drum führe Helios mich, der nur von Blumengerüchen Umschwebt, Pomonen besucht, schnell durch den Nebel
der Küchen
In die Verzäunung des Nachtisches ein! Hier sehe' ich, wie die natur in ihrem Bildungsgeschäfte Mit unbefangener Hand den grössten Endzweck erreicht, Und ohne hülfe des Kochs und seiner gährenden Säfte Durch Täuschung Leben erweckt, und die versunkensten
Kräfte
So lange zupfet und neckt, durch Furcht und Hoffnung
beschleicht,
Bis sie den streitenden teil mit dem bestrittnen ver
gleicht,
Bis sie das schlaue und dennoch ewig geäffte, Verlockte Manntier zuletzt durch weiblichen Liebreiz
erweicht.
Hat sie nicht oft durch ein Haar, auf Weiberscheiteln ge
wonnen,
Gekrönte Tieger bestrickt und ihr Gebiet übersponnen, Mit Kinderspielen den Kopf der Wahrheitsforscher ge
füllt,
Und manchem betenden Mönch, umglänzt von Sternen
und Sonnen,
Statt den verborgenen Gott, das Unsichtbare – der Non
nen
In Zerrgemälden lebloser Wolken entüllt? Auch hier – wer hätte denn wohl bei den Erinnerungszei
chen
Der Nektarfrüchte, die uns aus fernen Wundergesträu
chen
Ihr güldnes Füllhorn, so reich an Brautgeschenken, ge
sandt,
Den Wink einer guten Mutter verkannt? Wem gnügt die persische Frucht, nach ihrem zarten und
weichen
Geweb' und süssen Gehalt die Brust der Venus19 ge
nannt,
Den Augen sinnlos vorbei, nur seinem mund zu rei
chen,
Ohn' ihre himmlische Form mit schönern noch zu ver
gleichen,
Die er hienieden – auf seiner Wallfahrt umspannt? Gleich Spinnen hat die natur uns an elektrischen Fäd
chen
In jedem Marmorpallast ein liebes Hüttchen gebaut. Wer lächelnd neben sich blickt, schwingt immer leichter
sein Rädchen,
Als der mit gierigem Ernst in das Unendliche schaut. Nur durch Vergleichung schminke dein Mädchen, Je schwärzer dein Mohr, je blonder wird deine Braut. D i e grosse Wahrheit hat mir das nächste Körbchen ver
traut.
Denn wer – beim Anblick der zwei Magdalenen20 Wär blöde genug, sich nach der grösseren zu sehnen, Wenn er die kleinre darneben erblickt? Die Stolze, schwerlich für nichts mit einem Namen ge
schmückt,
Der nur die Büssenden ziert, zerfliesst in reuigen Tränen. Gleich einer Opernprinzess erweckt ihr Umfang nur Gäh
nen,
Und ist, besieht man sie recht, von allen Seiten gedrückt. Preis sei der kleinen, die mich, wie vormals Margot, ent
zückt!
Sie, niedlicher als ein Ei, das, weit davon es zu wähnen, Ein lauschend Vögelchen birgt, das an der Schale schon
pickt
Welch' eine herrliche Frucht! Doch leider! eine von
denen,
Die man, zum Unglück für Dich, nicht leicht ins Ausland
verschickt.
Obschon mein träumender Geist nicht ohne sehnsucht
und Wonne
Bald ein Gewächs von der Spree mit einem von der Ga
ronne,
Bald asiatischen Prunk mit deutschen Flittern verglich, Fühlt er doch heimlicher nie und nie gefesselter sich, Als da ihm – während der Sammt der unberührten Mi
gnonne21
Der Schmeichelei meiner Hand mit feinem Nachgeben
wich –
Schon wieder – Kann ich dafür? – das Ideal einer Nonne, Und durch Verbindung mit ihr das Bild Agatens be
schlich.
Welch Wunder eines Fantoms! zart wie aus Stäubchen
der Sonne,
Hell wie Diana bei Nacht, doch ewig Schad', es verblich, Als ungefähr es ein Hauch des nahen Urbilds bestrich. Ihr reinen Herzen! Euch steht der Unschuld Engel zur
Seiten,
Verweht der Ahnungen Gift, die schlüpfrig über Euch
gleiten
Und Eure Würde doch scheun. Nur durch das Edle ge
rührt,
Wie könnt' ein Spiel der natur, ein Nichts, ein blick in
die weiten
Gefilde optischen Trugs Euch in die Träume verleiten, Die zu enträtseln allein dem wilden Jüngling gebührt. Nur ihn ermuntre mein Scherz in unsern ehlosen zeiten Den M a g d a l e n e n vorbei sich eine Frucht zu er
schreiten,
Die der M i g n o n n e verwandt, noch nie von Wespen
erspürt,
Auf Hymens Lager erst reist. Versteht er Zeichen zu deu
ten,
Welch Glück für Augen und Herz, wenn er nach frohem
Erstreiten
Sie, frisch gebrochen vom Stamm, dem Garten Amors
entführt.