in dem Gefächel des Westes Der Seher Augen, und hängt zuletzt noch heller gefacht Ein wahres Freimaurerlicht sich an die Loge der Nacht. Tief in dem Busen indess der beiden Huldinnen hämmert, In frommer Hülle gezwängt, die seine Höhen verdäm
mert,
Das blinde Schrecken noch fort, das ihn seit kurzem
durchfuhr.
Ihr blaues Auge, (wenn nicht der Schein das meine betrü
get)
Spielt schillernd über ihn hin, so wie des himmels Lasur Von fern das Felsengestad der Freundschaftsinseln um
schmieget.
Vergebens grübeln sie nach, welch' eine Folge doch nur Von höherm Wohlstand für ihn in dem erlassenen
Schwur
Der Keuschheit und des Gelübd's, ihn zu verheimlichen,
lieget.
Sie überschwindeln vor Angst die angewiesene Spur Der Liebe, glauben sich bald von einem Prior gewieget, Und bald, wie Psyche, verklemmt an Amors Marmorfi
gur;
Erhöhn zum Satanas ihn, der einen Seraph bekrieget, Und beten heimlich zu Gott für die bedrängte Klausur. Inzwischen nahet die Zeit, die manchen Skrupel besieget, Die Sterne flimmern, es flüstert die Flur, Puls, Mond und Abendgeläut, sogar das Picken der Uhr Weckt die Erinnerung auf, wie bald die Jugend verflieget. Doch noch geschwinder, als Wachs in heissen Dämpfen
sich bieget,
Erweicht die Kochkunst ihr Herz nach dem Bedarf der
natur.
Wer mag es läugnen? Sie ist's, der auch die schläfrigsten
Geister
Entgegenträumen – Sie ist's, die jedes Dunkel erhellt. Schwebt sie als Schutzgöttin nicht um unsers Friedrichs
Gezelt
Im Kreis der Musen? und fühlt er nicht des Mittags sich
dreister
Als nach dem Morgengebet? Hat diese Feder der Welt Sein deutsches Herz nicht schon oft durch Frankreichs
Brühen und Kleister
Mit seinen Apollen zum Kampf und seinen Cäsarn ge
schwellt? –
Und o! wie weise hat sie auch unsre Tafel bestellt, Und rund um Amors Altar drei kostverständige Meister Zu dreien hungrigen Kindern gesellt! Ich prologire hier nicht nach dem System der Hyäne Und ihres groben zermalmenden Zahns. Ob diess Banket schon verdient, dass ich es dankend er
wähne,
Preis' ich doch mehr noch den Sinn des hochzeitmässigen
Plans.
Denn kein Gerippe kam hier an einer fas'rigen Sehne, Kein Ueberrest eines verklärten Organs Der seinen Zung' in den Weg, und keine weibliche Trä
ne
Fiel auf die Knöchel herab des Abelardischen Hahns. Leicht und entgrätet durchfloss die weissen Klippen der
Zähne
Der Goldbarsch,14 Argus15 und Tun16 mit der antiken
Muräne
Auf süssen Mundwein des persischen Chans. Bedient von Sylphen, was fehlt wohl unsrer Sättigungs
scene
Zum Prunkgelag eines Feen-Romans? Die Ihr berufen euch dünkt, das Glück der Schmecker zu
lästern,
Mariens Sklaven! die Ihr an Klostertische geschraubt, Von Hülsenfrüchten gebläht, euch Gott gefälliger glaubt, O! warum hat nicht der Propst der neun barmherzigen
Schwestern,
Der keuschen Musen ehrwürdiges Haupt, Euch Sitz und stimme, wie mir, bei diesem Nachtmahl
erlaubt?
Ich wett' – ein einziges Ei, wie hier aus indischen Nestern Ein ganzes Dutzend mir winkt, braun mit Vanille be
staubt,
Wög' alles Bettelbrot auf, um das ihr arme beraubt. Ihr Blöden, lernt Ihr denn nie die Macht der Küchen und
Keller
Auf Menschenherzen verstehn? Hat nicht ein schiffes
koch oft heller
Auf blinde Heiden gewirkt und mehr Pagoden gestürzt, Als alle Meister der Welt, die Zweifelsknoten geschürzt? Ein Trio lieblich dem Ohr, wie L ö f f l e r , S ü ss
m i l c h und T e l l e r , 17
Gleich einem ländlichen Schmaus, den Frühlingsblumen
gewürzt,
Zög' leicht mehr Jünger herbei, und hätte, glaube' ich,
wohl schneller,
Als Frank's Episteln vordem, trotz ihrer klugen Besteller, Den Weg von Trankebar aus zum dritten Himmel ver
kürzt.
So setzt die Kost der natur die Prachtgericht' in den
Schatten,
Und unsre Augen auch hier durch gleiche Wunder in
Brand.
Zieht nicht des Vaters Geschenk bis diesen Abend auf
Sand
Des Meers in Felsen gezwängt, zieht jener Hügel von
Datten
Nicht dunkel über den Tisch wie Nonnen über ein Land? Beim Dasein ohne Gefühl, ohn' allen frohen Verband Mit Mond und Sonne, mit Freunden und Gatten, Bleibt zwar diess arme Gewürm in seines Lebens Ermat
ten
Gleich der verschleierten Schaar mit meinem Mitleid ver
wandt.
Doch diessmal kam es zu gut dem Drang des Hungers zu
Statten,
Als dass es leibliche Ruh' in unsrer Nachbarschaft fand. Geschickt wie Söhne des Mars, wenn ihre frevelnde
Hand
Novizen-Zellen erbricht, erbrachen wir, suchten und hat
ten
Wir bald die Scheuen erreicht, und keine über den Rand Des Munds geschwenket, die nicht die letzte probe be
stand.
Was gleicht dem Meer wie die Welt! In jedem lebenden
Tropfen
Der Austern schien so vergnügt, als sie die Gurgel ver
schlang,
Ein Herz,18 ein weibliches Herz, das mit der Schale noch
rang,
Statt sich zu sperren, der Hand sogleich entgegen zu
klopfen,
Der, im Gedränge darnach, die Kunst des Vorgriffs ge
lang.
So schwelgten träumend wir fort bis zu dem folgenden
gang,
Der, wie ein Rittertournier, um uns die Mäuler zu stop
fen,
Die zarte simple natur von ihrem platz verdrang. Ein ernster Herold voran, ihm folgten dienende Sylphen, Besorget Ordnung und Rang, weist an, beschränkt und
vereint
Die edle Kaste der Herrn von B e r g e n , R i e d e n und
Schilfen