Gottes, der in dieser Halle von seinem Diener gesprochen wurde, fiel auf dein Haupt. Unter allen Altären zur Ehre Gottes, wo in der weiten Welt wurde ihm, als in dieser Kluft, einer errichtet, der seiner würdiger wäre? wo ist je einer geschmückter gewesen, als dieser durch die Blüten deines kindlichgehorsamen, frommen und edlen Herzens? Ewigen Dank, teures Weib, für das Wort der Liebe und Weihe, das ihm entquoll. Es müsse mich einst vor dem Trone Gottes verklagen, wenn ich je des Wohlklangs vergessen könnte, mit dem es an das meinige anschlug. Ich habe dich errungen. Kann ich wohl seliger werden?" – – Unter welcher zarten weiblichen Erschütterung folgte nicht das holde Mädchen dem Strome dieser Worte! Nur Seufzer der innigsten Freude unterbrachen seine Rede, und heilige Tränen belohnten den geliebten Schwärmer. Seine Seele brauchte Erholung. Sie ruhte aus auf der Höhe ihres Entzückens, dann stieg sie erleichtert, sanft und freundlich zu dem niedern Zirkel herunter, der im Stillen ihrem Auffluge nachblickte. "Vergieb mir," wendete er sich zuerst an Agaten, "die lange Angst, der ich dich am Eingange eines ewigen Kerkers aussetzte. Der heutige Festtag führt dich der freien Luft, der natur und der treusten Freundschaft zurück. Vater meiner Klara, und auch Sie, vortreffliche Frau, die sie mir erzog – habt Dank, Ihr guten Menschen, für das grosse Geschenk, das Ihr meiner Liebe aufhobt – O dieser einzige Abend! welch einen edlen und glücklichen Zirkel umspannt er nicht!" St. Aignan, für jede Teilnahme an Anderen – nur in den Blicken seiner Montbasson verloren, bemerkte nicht einmal, mit welchem feinen Gefühl ihn sein freundschaftlicher Schwager überging und seine Hand mir reichte. "Guter, stolzer Berliner, kam er mir entgegen, wie kitzelt es mich, dass auch du Zeuge des Glücks eines Franzmanns in der schwierigsten Eroberung – und" – setzte er lächelnd hinzu – "auch der Wahrheit seiner Ueberraschungsteorie sein konntest." – "Meinen ganzen Beifall," stammelte ich, und drückte tränend ihn an mein gepresstes Herz. Seine trauliche Ansprache und Umarmung zog mich, als hätte mir unser Monarch das Band des Verdienstes umgehangen, auf einmal aus meiner Dunkelheit hervor. Klara erinnerte sich unsers nächtlichen Spazierganges mit bedeutenden Winken. Ihre Erzieherin bot mir ihre Dose, und Agate von selbst ihren Arm, als die Gesellschaft ihren hohen Standpunkt verliess. Während schon die Abendröte zu verblassen anfing, leitete uns der liebe Mann eine versteckte Treppe herab, durch schlängelnde Akaziengänge des Parks, seinem Wohnsitze zu. Ich bemerkte, so für mich, dass wir uns doch ein wenig über die Zeit mit unsern Entzückungen auf dem Balkon verweilt hätten, denn ich konnte kaum Agatens Gesichtchen mehr erkennen – aber wie schnell verstummte meine Kritik, als mir beim Austritt aus dem düstern Gebüsche das Schloss unsers Anführers mit tausend bunten Lampen, wie mit Diamanten behängt, entgegen strahlte. Ein neuer überraschender Anblick, jedoch nur weniger Minuten. Wir huldigten nur so lange der Pracht und der Kunst, bis sie uns selbst an die schönere natur und durch eine vortretende Inschrift über dem Eingange an das dreifache fest der Geburt – der Erlösung und der anbrechenden Vollendung des gefeierten Mädchens erinnerten. Unsre geblendeten Augen, alle zugleich, wie durch den Druck einer Feder, auf die einzige gerichtet, erfassten, umschlangen und entwickelten nun die schlanke, holde, siebenzehnjährige Gestalt – Die Bebungen des durch die kleinsten Fältchen ihres sittsamen Nonnengewandes spielenden Lichts setzten ihre Schönheit in einen so äterischen Schimmer, und uns alle in eine so optische Täuschung, dass in einer Art taumelnder Erwartung: jetzt werde Sie der Erde entschweben, eine Zunge der andern den Ausruf abnahm: Welch ein Mädchen – welch ein überirdisches Mädchen! Ach, sie ist zum Engel geboren. Spotte nicht etwa, guter Freund, meiner entusiastischen Schilderung! Niemand fühlt die Anstrengung der ohnmächtigen Sprache lebhafter als ich; aber ich kämpfe hier so vergebens mit Worten, wie Raphael bei dem letzten Gemälde seiner Hand mit den Farben: denn welcher Sterbliche vermag das Ideal einer Verklärung zu erreichen? Während dieses Vollgenusses des Gesichts schienen meine vier übrigen Sinne wie in dem tiefsten Schlafe versunken, aber nur zu bald wurden auch s i e berührt, erweckt und in die Bezauberung des ersten verflochten; denn als wir auf einen Wink des Gebieters Hand in Hand uns seinem Tempel näherten, die Türen zwischen flammenden Säulen aufflogen, – Rosenduft unsern Geruchsnerven – Töne der Harmonika unserm Gehör entgegenschwammen – zwölf gaukelnde Genien uns zum Hochzeitmahl einluden – da wusste wahrlich kein Sinn mehr, welcher, in dieser allgemeinen Befriedigung, der glücklichste sei. Wir würden uns gern für Geister gehalten haben, hätte nicht der eintretende Hunger, als wenn er von einer langen Reise zurückkäme, seine vergesslichen Freunde belehrt, dass sie ihm noch untertan, und auch heute nichts mehr als sehr glücklich versorgte Menschen wären! Wollte ich Dir jetzt erzählen, dass wir uns setzten, assen und tranken, bis wir satt waren – so könnte meine Beredsamkeit den Stuhl, den ich einnahm, noch so elastisch polstern – die Tafel, die vor mir stand, noch so reich besetzen – meinem Gaumen sogar alle die Gerechtigkeit erweisen, die man ihm unter den Schlemmern zugesteht, und ich würde Dir doch nur am Ende nichts als eine alberne Wahrheit gesagt haben. dafür bewahre mich die Harmonie des Ganzen, die diess hochzeitliche Mahl vor allen und jeden, die mir in meinem Leben Langeweile gemacht