machen würde, sie zu besuchen, und lache mich nur aus, Eduard – aus Bangigkeit, dass es dem dummen volk doch wohl einfallen könnte, die Handschriften vor der völligen Auslieferung noch einmal durchzusehen, stellte ich ihnen als die sicherste Zerstreuung und mit der Miene eines jovialen Tafelfreunds, eine zu, die für sie von ungleich grösserm Wert war – eine Anweisung an meinen Gastwirt auf zwei Dutzend Bouteillen desselben Weins, der ihrer Zunge so wohl tat. Diese Aussicht in die Zukunft warf die sanftesten Strahlen auf die Gegenwart. Das Dankgefühl der armen Geschöpfe war gränzenlos. Sie küssten meine ketzerischen Lippen so inbrünstig, als ob es Schuhsohlen eines Apostels wären, und dem ehrlichen Passerino, der nach vollbrachter Arbeit hereintrat und sich hungrig nach dem Frühstücke, das er selbst bestellt hatte, umsah, setzten sie die leeren Flaschen und den verschrumpften Eierkuchen unter einem so tollausgelassenen Gelächter vor die Nase, dass der Prior nachfragen liess, was denn hier vorginge? Glücklicher Weise – denn nun pochte mir das Herz noch stärker, stiess der Postillion ins Horn. Ich fuhr geschwind nach meinem hut und dem Geschenke darneben, umarmte die bärtigen Kerle, empfahl mich ihrem Gebete, und ach! wie heilfroh blickte ich an den blauen Himmel hinauf, als ich den Klosterhof zehn Schritte hinter mir hatte! Der Rückweg, der abwärts ging, und das doppelte Trinkgeld, mit dem ich den Fuhrmann auf Kosten der Pferde bestach, brachten mich um vieles früher nach haus. Passerino konnte mir unterwegs kein Wort abgewinnen. dafür entliess ich ihn an der tür der Gaststube mit unbeschränkter Vollmacht. Ich warf meine Hülle wie ein Schmetterling ab, jagte Bastian, der aufräumen wollte, aus dem Zimmer – verschloss es, und sitze seitdem mitten unter meinen, den Motten und Mönchen abgerungenen Urkunden, an meinem lieben heimlichen Schreibtische, ohne dass ich vor Eifer mir hätte Zeit nehmen mögen, ein Billet des Marquis zu lesen, das in diesem Augenblick noch unerbrochen neben mir liegt. Nichts ist doch historischen, auch wohl andern wichtigen Untersuchungen nachteiliger als die erste Hitze. Ich hatte schon bei einer Stunde meinen Spreuhaufen hin- und hergeworfelt, ehe ich das seltne Weitzenkörnchen, das mir dabei schon oft über die Finger geschlüpft war, bemerkte. Ich blätterte und blätterte alle Briefe vorbei, die nicht von der Königin waren, und von denen ich doch jetzt die meisten wieder in ihren Staub zurückwerfe, da sie schlechterdings des Durchsiebens nicht wert scheinen – voll verliebten Unsinns in altem Styl, der, so eindringend er auch zu seiner Zeit wirken mochte, auf Herzen, wie sie in der jetzigen organisirt sind, keinen als höchstens einen lächerlichen Eindruck hervorbringen. dafür will ich Dir ein Morgenbillet der liebenswürdigen Anna, das sich bisher immer versteckt hielt, und so unbedeutend es aussah, mir doch zuerst die Augen öffnete, seiner ganzen Länge nach abschreiben: Nos neuvaines ont fait merveille. Depuis douze ans bien ecoulés, je viens de revoir mon gracieux mari et maître. L'orage d'hier qui l'a tristement éconduit du cage de sa7 Fauvette, me l'a ramené. Peus-tu croire qu'il a même soupé avec moi? Oui, oui! mon reverend père, sans qu'il ait8 – touché à ton plat favori. En es-tu content? Il est reparti pour Versailles. Que Dieu le conduisse. J'espère chasser de ma chambre la peste de son haleine par l'encens que tu m'offriras. Je t'attens à l'heure acoutumée de ma devotion. La Beauvais te dira le reste. Au Louvre ce 6 Decembr. 1637. A – d'A.
Mir fiel in diesen Zeilen anfangs nichts so sehr ins
Ohr als das Spatgewitter, dem überall das gemeine Volk weit wichtigern Einfluss in den Winter- als in den Sommermonaten zueignet. Nach seinen Begriffen ist es ein Wecker der Vorsehung. Einem so ungewöhnlichen Tumult der natur müsse, hofft es, ein politischer nachfolgen. Ein fataler Volksglaube! der besonders in Russland an manchem Unfug schuld ist, so dass ich aus anhänglichkeit an die grosse Katarina froh bin, dass während ihrer glorreichen Regierung sich kein dergleichen Luftzeichen ihrem Horizonte genähert hat. Es waren nur ein paar flüchtige augenblicke, die ich an dieses himmlische Phänomen verlor; denn ich stieg sogleich einige Zeilen tiefer, zu dem weit Erklärbarern herunter, das der Name Beauvais meinen Nachforschungen Preis gab. Die vielen Briefe, die mit dieser Unterschrift in meinem Portefeuille den königlichen Handschreiben beigesellt waren, könnten doch wohl, vermutete ich, bedeutender sein, als ich ihnen bis jetzt zugetraut hatte. Ich legte also vorerst meinen Händen die verschuldete Strafe auf, die so sehr gestörte chronologische Ordnung der Briefe wieder herzustellen, ehe ich meinen Augen anmutete, ihre Hieroglyphen zu entziffern. Sie gingen freilich sehr scheu und und ungern daran, aber o was für eine wackere Lehrmeisterin ist nicht die Neugier! Kaum hatte ich die ersten Schwierigkeiten überwunden, und mich überzeugt, dass es Annens vertrauteste Kammerfrau sei, mit der ich zu tun bekam, so las ich auch schon ihre Handschrift mit derselben Leichtigkeit als die Deinige. Ich möchte das verschmitzte geschöpf gekannt haben! Schon der erste Brief, den ich enträtselte, flösste mir eine hohe Meinung von ihrem praktischen verstand ein. Sie empfiehlt in halber Frakturschrift dem ehrwürdigen Bruder die sorgfältigste Behutsamkeit in seinem Benehmen, und warnt ihn besonders vor den scharfsichtigen Augen Orleans. Gestern noch, erzählt sie, sei der