. Er freute sich
Der klugen Zeit nicht sonderlich,
Die seinen Eichenkranz mit Flittergold bedeckte,
Und seinen Harnisch überstrich.
Der schmeichelhafte West umsäuselt
Umsonst sein weiss gepudert Haar:
Schwermütig denkt er nur, wie es noch ungekräuselt
Die Zierde seiner Jugend war.
Denn ach! um seinen Scheitel schweben
Die Wunder noch der alten Zeit,
Und alle seine Glieder beben,
Bei jedem Aufblick in ein Leben,
Das mit dem Sklavenjoch verfeinter Höflichkeit
Den freigebornen Mann bedräut.
Er blickt im Drange seines Schmerzens
In's Silber seiner Wellen hin,
Aus dem das Bildniss einst des frommen Antonin
Rein, wie der Abdruck seines Herzens,
Aus blauem grund wiederschien;
Und richtiger als selbst Voltaire
Wiegt er die Zeit von Ludwig und August,
Und leise, dass es nicht der strenge Klerus höre,
Bejammert er der alten Kunst und Ehre
Unwiederbringlichen Verlust.
Den 8ten December.
So viele Reize dieser Spaziergang für mich hat, so muss man ihn doch in der Abendzeit besuchen, um ihn in seiner ganzen Schönheit zu sehen; nicht nur desswegen, weil die malerische Dämmerung die frischen Farben ein wenig bleicht, mit denen dieses Denkmal verunstaltet ist, und es dem Auge in dem gräulichen Anstriche wieder gibt, das seinem Alter so wohl ansteht: nein, es rufen einen wieder auflebenden Jüngling, wie ich mich fühle, noch andere, ihm nähere Lockungen, in diese ausgezeichnete Gegend. Ein Tempel der Göttin der Keuschheit, der nicht weit vom Bade, von düsterm Gebüsch umschattet, in seinen Ruinen liegt, trägt am meisten zu den Pittoresken des Ganzen bei. Zahlreiche Wallfahrten strömen dem Tempel zu, so bald sich der Abendstern am Himmel zeigt. Du fühlest, dass Du auf heiliger Erde wandelst, wie Du Dich ihm näherst. Schauer der Vorwelt ergreifen Dich, und nicht leicht wirst Du irgendwo ein gemächlicher Plätzchen finden, dem Gedanken nachzuhängen, in welchem ich und Du, Salomon Lucian und die Propheten einstimmig zusammen treffen: "Wie doch alles hienieden so eitel ist!"
Ich bin hier einige Abende nach einander hinter dem Mondscheine hergeschlichen, und meine Einbildungskraft kehrte nie unbefriedigt zurück. O dass Du, von Deinen tobenden Winterlustbarkeiten geborgen, Arm in Arm mit mir dieses Gebüsch durchirren und mit eigenen Augen sehen könntest, wie holdselig hier, auch in einer December-Nacht, Cyntia die säuselnden Blätter der Silberpappeln und des Epheu's durchzittert, der die gespaltenen Mauern ihres Tempels umflochten hält!
Oft sucht ihr Seitenblick auf den verfallnen Tron
Umsonst nach Huldigung und königlichen Rechten;
Ihr guter Ruf sogar wär' als ein Rauch entflohn,
Gäb' es nicht Nymphen hier, die für ein Gotteslohn
In süsser Schwärmerei ihn zu erhalten dächten!
Kein Mädchen ist zu jung und es gelingt ihm schon
Der Göttin einen Kranz zu flechten –
verstehe mich recht – in lauen Nächten,
Als Freundin des Endymion.
Wie viele schleichen nicht aus ihrem Opferhaine,
Wie Priesterinnen ziemt, blass, schüchtern und
verstummt,
Mich Lauschenden vorbei, die erst in Lunens Scheine
Geich Bienen um mein Ohr gesummt! –
Und Du, der jetzt vielleicht mit Schnee und Sturm im
Streite
Mich, ohne Neid, aus dem Gesicht verlierst,
Gross wie ein Gott Dich dünkst, wenn Du an Lottchens
Seite,
Die Du, betäubt vom schallenden Geläute
Des Schlittens, im Triumphe führst,
Nur alle Finger nicht erfrierst;
Mein trauter Freund! ich bitte Dich, entferne
Doch ja den Stolz, der sich in Deinem Busen regt,
Und wisse, dass der Weg, den ich hier wandeln lerne,
Nichts weniger als Dornen trägt.
blick einmal nur, wenn es Dir nichts verschlägt,
Auf meine magische Laterne,
Und sieh erstaunt, was hier der Glanz vom
Abendsterne
Für Schatten an der Wand bewegt!
Den 12ten December.
Ich habe die letzten Tage der vergangenen Woche, wider das Verbot des guten Jerom, meine Berge und Täler, in denen ich verwickelt war, und meine eigene stille Gesellschaft verlassen, um mich in eine zu werfen, die man hier und überall die Gute nennt. Ein Besuch bei dem Eveque, einer bei dem Intendanten – das hätte so hingehen mögen, wenn es dabei geblieben wäre. – Doch wie kann es das? Die ersten Leute an einem Orte sind immer mit einem Zirkel umringt, daran ein jeder Punkt die nehmliche Aufmerksamkeit von einem Fremden verlangt, wenn die Reihe an ihn kommt; und keiner, so klein er ist, will überhüpft sein. Nun treten ihre Höflichkeiten in derselben Ordnung um unser Individuum her, bis es endlich müde und matt auf seinen eigenen Schwerpunkt zurück fällt. Mich verwickelt immer diese hergebrachte Sitte der grossen Welt in Schwierigkeiten, aus denen ich mich nie recht zu ziehen weiss. Spiel und Souper sind gegenwärtig die ersten Morgenbegrüssungen, von denen ich höre, und die mich endlich auch von hier verjagen werden, wie von Berlin. Ich habe nun einmal keinen sellschaftlichen Vergnügens, um das sich doch leider! gross und klein herum dreht.
Bei dem Bischof lernte ich indess eine seiner Verwandten kennen, die ich auch nachher oft und gern wiedersah; die Marquise d ' A n t r e m o n t . Durch die Musenalmanachs sind einige ihrer weiblichen arbeiten bis nach Deutschland gekommen; die grössere Anzahl ist aber auf dem Grund und Boden gesunken, wo sie entstanden, und halten ein strenges Inkognito. Das Gefühl für die Dichtkunst ist eine Art Freimäurer-geheimnis, das seine Anhänger in allen Himmelsstrichen eben so bald vertraulich an einander bindet, als jenes die