e i s e n S i e g l ü c k l i c h ! " statt der entscheidenden Antwort, um die ich ihn anflehte, tönte mir nun in den Ohren, wie eine Abfertigung in die andere Welt.
Wie, wenn der Wetterstrahl in Girards Beichtstuhl
bricht,
Der Heuchler aufgeschreckt, aus Selbsterhaltungs
pflicht
Schnell aus dem Dunstkreis sich der Busenfreundin
stürzet,1
Und Sie? – Vermisst nun Sie das männliche Gewicht
Des Segenspendenden, der ihre Seele würzet,
Staunt – weint – schlägt an die Brust, und ihr Entset
zen spricht
Mit hohlem Ton: Ich bin verkürzet! –
So fuhr mich mir, – Vergleichung, Freund, gibt
Licht, –
Des stummen Doktors Eil' und seines Gaums Verzicht
Auf eine fette Gans, elektrisch durch die Nerven.
Ich sah im geist schon, (denn kluger wusst' ich nicht
Das Wunder abzutun) zu meinem Blutgericht
Ihn sein Skalpier und seine Feder schärfen.
Um, nach vollbrachter Tat, mit ernstem Amtsgesicht,
Mir seinen Sektionsbericht
Zur Antwort hinten nach zu werfen.
Aus diesem Schreckenstraum ein wenig aufgerafft,
Sucht' ich nach mir, und fand, – an Leib' und See!' er
schlafft,
Mein S e l b s t weit aus dem Kreis der Fröhlichen ver
schoben,
Als wäre zwischen mir und jeder Lebenskraft,
Schon alle Freundschaft aufgehoben.
Diese traurige Gestalt meiner selbst, die ich immer in einem Spiegel vor mir sah, jagte mich vom Tische auf, und sträubte mir das Haar noch, als ich atemlos mein Zimmer erreicht hatte. Zum Ueberfluss setzte die lang entwohnte Hitze eines beitzenden Rheinweins, von dem ich leider! ein Glas getrunken hatte, meine Einbildungskraft in Feuer und Flammen. In jedem Pulsschlage glaubte ich die Tritte des heran nahenden Todes zu hören, glaubte zu fühlen, wie sich schon ein Faden um den andern aus dem künstlichen Gebinde ablösete, an den hienieden meine Marionettenrolle geknüpft ist – verfiel darüber in den metaphysischen Unsinn – den unbrauchbarsten von allen – meinem eigenen S e l b s t bis auf die feine Endspitze nachzuschleichen, wo es sich für seine zwo Welten teilen würde – als etwas glücklicher Weise dazwischen trat, das mich nötigte, mein grosses Experiment zu verschieben – ein Dunst, der mehr wert ist, als die hellste Betrachtung, und in dessen Nebel ich immer Weisheit, Lebenskraft und Menschenwürde wieder gegen verlor: aber gütiger hatte er seit den Jahren meiner Kindheit nicht auf meinen Augenliedern geruht als diessmal, und der Gedanke: "Habe Mut zu leben, eile in die arme der natur zurück," herrschte durch mein ganzes Wesen, als ich mit der Morgenröte erwachte. –
Wie viele Schleifwege zu dem menschlichen Herzen stehen nicht dem Unmute offen! Er springt über Dämme und Hecken, und wirft alle Bollwerke über den Haufen; da hingegen die Freude mit ihrem bescheidenen Gefolge auf der gebahntesten Strasse und überall anstösst, durch jedes Wer da? erschreckt, und, ach wie oft! schon durch einen Schatten verscheucht wird. Die frohen Empfindungen, die vergangene Nacht bei mir einkehrten, verweilten kaum noch die Stunde des Frühstücks über, und ehe ich mich versah, waren sie schon über alle Berge. Mit so seltenen Gästen, die einen noch dazu unvermutet überraschen, weiss man sich immer nicht recht zu benehmen. Ich erschrak, als ich mein Nest wieder so leer fand; die Alltagswirtschaft nahm ihren alten gang, und ich weiss Dir nichts weiter zu sagen, als dass wohl noch nie so runzlichte Gesichter durch die B e r g s t r a ss e gefahren sind, als ich und mein Mops diesen Abend mit nach Heidelberg brachten.
Lass Dir, wenn Du willst, die anmutige Lage dieser Stadt von andern Reisenden vormalen. Ich hatte keinen Sinn für ihre Reize, und in dem wirtshaus, das mich aufnahm, ging es mir, wie es der Freude bei mir ging. Der Hausherr gefiel mir nicht – seine Zimmer waren staubicht – sein Bette war mir zu hart, und seine Sprache beleidigte meine Ohren. Ich träumte die ganze Nacht durch nur von dem glücklichen Morgen, wo ich diesen Ort verlassen würde; und diese Erwartung war bis zur Fieberbewegung gestiegen, als dieser Morgen erschien.
Wie viel oder wenig ich damit gewann, und ob es ein Kunstwort gibt, das alle die widrigen Gefühle ausdrückt, die mich nach B r u c h s a l begleiteten, mag ich jetzt nicht untersuchen. Genug, damals glaubte ich es aus dem mund eines Arztes zu hören, der nicht weit von der Post, über den Kreis vieler Hülfsbedürftigen hervor ragte, denen er seine Wissenschaft und Erfahrung in gemeinnütziger Beredsamkeit Preis gab. Ich glaubte der überzeugung, die er mir einflösste, dass die Krankheit, gegen die er eben sympatetische Tropfen feil bot, nach allen Teilen ihrer fürchterlichen Beschreibung, die meinige sei; und nun drängte ich mich durch meine Mitbrüder hindurch, pflanzte mich gerade vor seinen Tron, und sperrte, wie andere, das Maul auf. Das war auch ein ganz anderer Mann, als der Hausarzt des Römischen Kaisers, der mir gestern ein so mächtiges Schrecken einjagte.
Ein Zepter in der Hand, um das zwo Schlangen
krochen,
Sass dieser Ehrenmann auf einem Tron von Knochen,
Wie das Symbol der Medicin.
Ich, hub er an, (was er zuvor gesprochen,
Erfuhr ich leider! nicht) ich komme von B e r l i n .
Den Zahn, den Ihr hier