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ihm beifiel, dass er mir für die Ehre seines Klosters noch eine Kleinigkeit zu vertrauen hätte. "Auch hat es" – fuhr er in seinem Nachstoppeln fort – "vor allen im Reiche den Vorzug, einen Urenkel von der leiblichen Schwester des heiligen Fiacre in seiner Mitte zu sehen, indess zu gleicher Zeit, im teologischen Sinne, einer auf dem königlichen Trone sitzt. Sie würden selbst Familienähnlichkeit in den Gesichtszügen jenes Porträts und des Pater André finden, wenn es Ihnen beliebte, mir in seine Zelle zu folgen." "Lassen Sie uns," erwiderte ich ängstlich, "doch vorher nachsehen, wie weit der Maler gekommen ist." Dieser Pinsler aber, als wir auf ihn zugingen, winkte uns so ernstlich, wie Diogenes in der Tonne, aus dem Sonnenscheine seines Entusiasmus, dass ich im Drange meiner Langeweile doch für klüger hielt, den gütlichen Vorschlag des Mönchs anzunehmen, als mich noch länger auf den Marmorplatten der dunkeln Kirche herum zu treiben, schimpfte aber in Gedanken desto ausgelassener auf meinen tollen Zeichenmeister. Ich hätte schon damals Ursache genug gehabt, mir diese undankbare Aufwallung meiner Laune zu verweisen; denn die Bekanntschaft mit dem Helden einer Epopee war ja wohl belohnend genug, um mich über alle und jede Unbehaglichkeit zu trösten. Musste ich denn erst noch eine Stunde älter werden, um zur Besinnung zu kommen? O du Sperling aller Sperlinge! vergieb mir um des hohen Verdienstes willen, das ich späterhin deiner Narrheit mit reuigem Herzen zugestand. Wie willig und gedemütigt tat ich ihr Ehrenerklärung und Abbitte! Sogar in diesem Augenblicke meines ruhigen Nachdenkens beuge ich mich noch vor deinem Stümpertalente tiefer, als vor der Hoheit der Raphaele und Titiane, die sich zu vornehm dünkten, auf dem Hochaltare zu Cotignac dir ein Vorbild und jenem Barfüsser eine Kupplerin aufzustellen. Auch die kalte Küche, die du mir in prophetischer Ahndung rietest mit mir zu nehmen, werde ich dir ewig verdanken: denn eben durch jenen Fasan, den ich an die Stelle des Eiergerichts schob, das der Pater André zu verzehren sich anschickte, und durch die vier Flaschen Burgunder, die den Braten umringten, gewann ich in aller Geschwindigkeit das Zutrauen des freundlichen Mannes; und was trug mir nicht dieses gegen das Ende des Mahles ein! Trocknes Brod, das Gott segnen will, bedarf keiner Brühe. Mein kleines, auf den Mittag versetztes und so wenig diplomatisches Frühstück, dass ich in Regenspurg mir nicht getrauen würde, einen Hund damit aus dem Ofen zu locken, vermittelte mir dennoch die Entdekkung eines Staatsgeheimnisses, dem mehr als hundertjährige Riegel vorgeschoben waren. Ein Sekulum war verrauscht, ohne es zu verraten, ein zweites trug es in seinem morschen Leichentuche weiter, und drohte schon mit ihm zu verschwinden, als der Genius, der über das Verborgene wacht, den Räuber im Fluge aufhielt, und wie einen Reiher zwang, seine Beute fahren zu lassen. Unbegreiflicher Zusammenhang der Dinge! Gleich dem Vogel Fonton in Arabien,6 der schreiend den Wanderern vorflattert, um sie, wäre es auch ein Sumpf, dahin zu leiten, wo etwas Merkwürdiges versteckt ist, musste ein deutscher Narr einen andern Deutschen in diess Mönchsnest verlocken, damit er einen Schatz heben konnte, den dort ein Schwarzkünstler für die Ewigkeit zu vergraben glaubte. Könnte ich der Schadenfreude den geringsten Geschmack abgewinnen, oder spornte mich Nationalstolz, wie würde ich mich gegen die unzähligen Franzosen brüsten, die seit dem 5. December 1638 bis auf den heutigen 24. Februar vergebens darnach geforscht haben; – aber bei Zufällen des Glücks steht nichts besser als Bescheidenheit.

Nach dem zehnten Glase ungefähr, wo es der schweren Zunge des Paters André lästig zu werden schien, den Einfluss der Mutter Gottes auf seinen Grossonkel länger in Betracht zu ziehen, erhob er sich, und taumelte der kleinen Niederlage seiner Bücher zu, zog eins aus dem Staube hervor, und – "Hier, mein Herr!" reichte er mir's über die Achsel, "verehre ich Ihnen zum Andenken die neueste Biographie des seligen MannesLa vie du vénérable Frère Fiacre. Paris 1722. – Können Sie alte Papiere besser lesen, als ich, so steht Ihnen auch noch der Plunder zu Diensten, der als sein einziger Nachlass bis auf mich fortgeerbt hat." Ich nahm sein, wie ich wähnte, unbedeutendes Geschenk mit höflichen Blicken an, und lüftete, während die Kuttenträger ihre Gläser aufs neue füllten, das morsche Gewebe ein wenig unter dem pappenen Umschlag, und wasEduardfiel mir zuerst in die Augen? Nichts geringers als ein Handbrief der Königin Anna. Welch Glück, dass ich keinen feinern Physiognomisten gegen über sass, als ein paar halbtrunkenen Mönchen! Ihre gebrochenen Augen irrten nur von den leeren Flaschen zu der einzigen, die noch verstöpselt vor ihnen standohne meine verfärbten Wangen des Anblicks zu würdigen. Ich bekam Zeit, mich von meiner freudigen Erschütterung zu erholen, band das lockere Paket fester, warf es so gleichgültig neben meinem Hut hin, als ob es eine deutsche Monatsschrift wäre, und gab nundie Madonna und ihr Fiacre dürfen es mir wahrlich nicht verübelnmeinem gespräche eine Richtung, die uns immer weiter von ihrer Glorie entfernte. Desto verbindlicher betrug ich mich gegen ihre beiden Trabanten. Sie wollten mir weiss machen, es wäre ihnen in ewiger Zeit kein Fremder von so einnehmendem Umgang vorgekommen. Ich vergalt es ihnen durch die Lüge, dass ich noch Jahr und Tag in Marseille bleiben, und mir öfters das Vergnügen