einem prächtigen Rahmen beinahe die ganze Hauptwand der Sakristei einnahm – dem Bilde eines Barfüsser Mönchs, in Lebensgrösse von Rigaud gemalt – dem wichtigsten mann, wie der Pater sich ausdrückte, in der französischen geschichte, und von dem ich doch – so misslich steht es leider mit meinen historischen Kenntnissen – kein Wort in meinem Leben gehört hatte. Desto mehr Aufmerksamkeit schenkte ich jetzt dafür den Taten dieses Auserwählten, die mein Führer mit vieler Beredtsamkeit zu entfalten verstand. Bei jedem neuen Farbenstriche, den er dem Gemälde zusetzte, machte ich immer grössere Augen. Wie hoch stieg aber nicht erst mein Erstaunen, als ich in dem schönen Ganzen, das sich am Ende aus seiner Erzählung ergab, den Plan zu einem Heldengedicht entdeckte, so tadellos und vollkommen, als vielleicht noch keinem Dichter der Welt einen zu entwerfen gelungen ist. Du wirst es schon finden, dass ich das Maul nicht zu voll nehme, denn alle Eigenschaften, die Aristoteles von der Epopee verlangt, treffen in ihm zusammen. Der Heros ist weder ein geschöpf der Phantasie, noch ein gleichgültiger Spieler auf dem Schauplatze der Welt – Seine Taten sind kühn, und greifen in die Zukunft. In der zu besingenden Handlung ist Anfang, Fortgang und Ende von gleich hohem Interesse – die Episoden und Maschinen sogar sind ihr angemessen, natürlich und notwendig: der ganze liebliche Stoff ist reichhaltig und gross. Ach! warum versagte mir doch die natur alle Anlage zu der Trompete! da doch eben mir ein Stück für dieses Instrument der höhern Dichtkunst unter die Hand kommen musste, das gewiss, wenn meine schwache Lunge nicht wäre, Lärm in der Welt machen sollte; und ach! warum hat das Ungefähr nicht lieber Voltairen statt meiner mit diesem mann der geschichte bekannt gemacht, der es wohl eher verdient hätte, von solch einem Meister an das Licht gezogen zu werden, als die berüchtigte Pücelle! Um jedoch nicht dem Hahne in der Fabel zu gleichen, der ein Kleinod aus dem Mist scharrte, und als zu hart für seinen Schnabel, es in seine schmutzige Verborgenheit zurückschleuderte, überlasse ich Dir, oder jedem andern Barden, grossmütig das ausgescharrte meinige, um es zu waschen, zu wägen und in homerischen Glanz zu setzen, ohne weiter zu untersuchen, wer mir mehr Dank schuldig wird – der Sänger, den ich in Zukunft, oder der Held, den ich schon jetzt, so gut ich kann, aus der unverdientesten Vergessenheit ziehe. Denn hüllt uns gleich der dickste Nebel, Den kein V a r r e n t r a p p noch K r e b e l Durchzubrechen wagt, seinen Ursprung ein, Frankreichs stolzen Bürgern sollt' er doch als Hebel Ihres grössten Königs aus dem Ehverein Ludewigs des Schwachen unvergesslich sein. Vor dem neuen Spiele einer Rolle bange, Die, – wenn nun beim Uebergange In die Vierzig – Amor sich entfernt – Jede Frau gezwungen lernt, Trug die Königin, die um Ehesegen Erd und Himmel zu bewegen, Zwanzig Jahr schon ihr Latein verlor, Und jetzt mehr als je verlegen, Einem Helden aus dem Chor Der Barfüsser ihre Wünsche vor. Fiacre hiess der Mann. Stolz führt den Ehrennamen Noch ein Gesindel fort, dem Dienst des staates geweiht, Das sein Vehikulum Ermüdeten und Lahmen Auf Stunden und Minuten leiht. So jung und nackt er war, stand er zu seiner Zeit Mehr noch, als sein Monarch, bei allen Notredamen In glücklicher Vertraulichkeit. Nur eine kannt er nicht, die alt und ausgeleeret An Wunderkräften war. In Tenniers Geschmack Gemalt, verbleichte sie, von Wenigen verehret, Still, auf dem Hochaltar des Städtchens Cotignac. Der Mönch, klug wie er war, und mit dem seltnen Falle Der Königin vertraut, tat, was ihr Ehkompan, Kalt in der Andacht, nie getan, Dass eine wenigstens nur helfe, ruft er alle Der Christenheit Madonnen an. Und kaum vernahm von fern das M u t t e r b i l d d e r
Gnaden
Den ungewohnten Ruf, als, ohne zu verziehn, Es in dem ganzen Reiz der Nymphen von O s t a d e n Dem eingeschlafnen Mönch erschien. – "Steh!" treibt es ihn, "steh' auf, dem König ohne Schaden Weck' Annen auch! Ihr sei zum Possen dem Kalvin Noch diese Nacht ein Sohn, der einst durch Dragonaden Das Volk, das mich verkennt, nach Kassel und Berlin Zum Teufel jagen wird – verliehn!" Und der Mönch erwacht und erweckt auch Annen. – unsrer l i e b e n F r a u Wirkungen begannen: Freundlich war die Nacht, und dem Mönch gelang Des Kalvinus Untergang. Und der Prinz kam an, den der fromme Pater Kraft des Wundertraums verhiess, Eh sich sein gekrönter Vater Etwas von ihm träumen liess.5
Der Erzähler einer merkwürdigen Begebenheit, der aufmerksame Zuhörer findet, ist, wie ein reicher Gutsbesitzer unter seines Fröhnern, ein überaus glücklicher Mann. Von der einen Seite schlägt der Glanz seines Gegenstandes – von der andern das Ausströmen der erwärmten Neugier, wohltuend über ihn zusammen. Ist aber das Feld einmal geräumt und die Ernte im Trocknen, so macht er als Nachstoppler eine desto ärmlichere Figur. Ich sah den guten Mönch immer noch eine einzelne Aehre nach der andern auflesen, um die Garbe, die er gebunden hatte, wichtiger zu machen. Wir fühlten aber beide gar bald das Langweilige davon, und ich fing an mich gewaltig nach meiner Heimreise zu sehnen, als es