weib seiner Jugend in einer Laube von Weinreben, die er, bei dem ersten Erwachen seiner Liebe, aus keiner geringern Ursache auf einer Anhöhe seines Gartens gepflanzt hatte, als weil er von da aus das Eremiten-Häuschen überblicken konnte, wo gewöhnlich in den Morgen- und Abendstunden das fräulein sich ihren wehmütigsüssen Gefühlen Preis gab. Diese beiden einander zuwinkenden Plätze gaben durch die Erinnerung an jene bängliche Zeit den Stunden, die sie jetzt hier weilten, einen unaussprechlichen Reiz. An ihrem Hochzeitabende war die erste Traube dieser geheiligten Pflanzung reif geworden. Sie hätten es gern für ein Wunder gehalten, als sie auf ihrem traulichen Spaziergange damit überrascht wurden. In einem dichterischen Schwunge der höchsten Zärtlichkeit, unter dem Abglanze der untergehenden Sonne, der sie beide mit klopfenden Herzen und Ahndungen der annähernden Freuden nachblickten, bog Er, gleichsam als Vorspiel, diese noch unberührte Frucht den Lippen seiner Geliebten zu, und zerdrückte jede Beere, die sie fassten, mit glühenden Küssen, eine Scene, die das holde Weib noch jetzt nicht vergessen kann. Heute feierten die Glücklichen den ankommenden Frühling unter dieser ihnen so teuern Laube. Er wiegte sie auf seinen Knien, und sich an ihrem Busen, und rechnete schalkhaft ihr vor, um wie viele Pfunde seit jenem mystischen Abend sie schwerer geworden sei, als einer seiner Bedienten ihm den Brief brachte. Die kleine Mutwillige ... ach! hätte sie gewusst, mit welcher Natter sie spielte! – ergriff ihn, knickte das Siegel, drohte seine Geheimnisse zu lesen, und stellte es zuletzt seiner Grossmut anheim, ihre Neugier zu stillen. Gleichgültig schob er ihn zwischen die Weste, denn er hatte nur Augen und Gedanken für Sie. Diese Tändeleien der Liebe, die an dem Tage, der ein so grausames Geschick in seinem Schoosse trug, der Erwähnung wohl wert sind, beschreibe ich nach der Aussage einer person, die das Frühstück besorgte, und dabei ab- und zuging – eines vortrefflichen Mädchens, das, als Kind, die Gespielin der jungen Dame, jetzt weniger ihre Dienstbotin, als bewährte Freundin war. Sie, die nach geendigtem Frühstück in die Laube trat, versetzte durch den Ausruf: O das ist zum Malen schön! ihre Gebieterin aus einem süssen Traume in einen andern. Du hast Recht, meine gute Anne! Geh' und trage mir geschwind meinen Pastellkasten in die Eremitage, und indem sie sich aus den Armen ihres Gemahls wand – Lass mich, sagte sie mit losem Ernst, deine Laube muss nicht immer den Vorzug vor meinem Schilfhäuschen haben. In zwei Stunden, eher hilft aber kein Anklopfen, will ich den Herrn Gemahl mit der Kopie seines Originals empfangen, die er mir teuer bezahlen, und die ihn ganz überzeugen soll, wie hässlich ihm dieser lüsterne Mund, diese begehrlichen Augen und diese glühenden Wangen zu gesicht stehen.
"Mit diesen Worten – den letzten, die er aus dem mund seines Weibes vernahm, flog sie in ihr Eremiten-Häuschen, setzte sich vor den Zeichentisch, wählte aus dem zarten Gewebe der vergangenen Stunde den herzlichsten Augenblick, und bot allen Zauber der Kunst auf, um durch den Schmelz der Farben und den Hauch der Wahrheit das liebliche Schattenbild ihrer noch frischen Erinnerung zu beleben. Diese letzte Arbeit ihrer hände, diese kostbare Ueberlieferung ihres zerrütteten Glücks, wird von unserm Freunde SaintSauveur als ein Heiligtum aufbewahrt. Ach! wie oft habe ich schon davor gestanden, und nur mit Gewalt vermocht, meine tränenden Augen davon abzuziehen! – In sprachloser Seelenzufriedenheit – die hände gefaltet, und die Augen gegen Himmel gerichtet, sass der überglückliche Mann noch eine Weile unter dem Ueberhange seiner Laube, als man ihm meldete, der reitende Bote warte auf Antwort. Jetzt erinnerte er sich des briefes – suchte – erbrach vollends das Siegel, überlas ihn – – und nach einem kurzen ernsten Nachdenken befahl er zwei Pferde vor die hintere Gartentür – nannte den Reitknecht, der ihn begleiten sollte, und verbot, als er aufstieg, den Umstehenden, der Dame etwas von seinem Spazierritte zu sagen: in einer Stunde werde er wieder zurück sein; – und so flog er dem Orte zu, wo sein Gegner ihn erwartete. Sie trafen einander auf einem Rasenplatz am fuss der Vestung. Der Graf reichte dem Angekommenen zwei Pistolen – Er wählte eine mit stolzem, furchtbarem Stillschweigen, und beide – nachdem sie zehn Schritte von einander ihre Stellung genommen – drückten los, und in derselben Minute stürzte Grammont mit zerschmetterter Stirne zu Boden. Der Mörder schwang sich auf sein Pferd – flüchtete auf einem gemieteten Postschiffe nach Genua, und hat nun von dort aus die Frechheit, um freie Rückkehr in sein Vaterland zu bitten. Im Krampfe des Entsetzens, liess der Reitknecht das scheugewordne Pferd seines getödteten Herrn fahren, und mit verhängtem Zügel flog er der einsamen Schilfhütte zu, wo noch in ihrer Glückseligkeit vertieft, die teure Unbefangene verweilte, und eben daran war, einen Schattenzirkel um das fertige Gemälde zu ziehen. Sie hörte das Trappen des Pferds – hörte sich mit einem Jammerton rufen – riss sich in die Höh – stürzte den Zeichentisch um – öffnete die Tür, und sah den verblassten Menschen, der nur noch die unselige Kraft hatte – mit zitternder Hand nach der Gegend der Vestung zu deuten – die Namen ihres Gemahls – des Grafen – Zweikampf – und Tod – in einzelnen Tönen, aus der beklemmten Brust zu stossen, ehe er ohnmächtig niedersank. Wer es vermag, schildere den Zustand dieses weiblich zarten Herzens, sobald es