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verlor den seinigen bei dem ersten Spaziergange. Bald nachher erhielt der junge Mensch einen Gesandtschaftsposten, der ihn fünf Jahre von seiner Verlobten entfernte. In dieser Zwischenzeit fiel das, nächst an den Wohnort des baron gränzende Landgut durch Erbschaft an einen Herrn v o n G r a m m o n t , der liebenswürdig, sittlich und von dem edelsten Herzen, weit mehr als der Herzog gleiches Namens, verdient hätte, die Feder eines Hamilton zu beschäftigen. Er besuchte seinen Nachbarsah die Tochter, die in der Blüte ihres siebenzehnten Jahres stand, und nun erst hielt er den Zufall, der ihn in dieses Tal eingeführt hatte, für einen Würfel in der leitenden Hand der Vorsehung, die das höchste Glück seines Lebens bezweckte, und strebte, seit dieser unvergesslichen Stunde, dem grossen Ziele seiner Hoffnungen nach. Er erreichte esgewann bald die achtung und Freundschaft des Vaters, und nur desto geschwinder auch die Gegenliebe der Tochter, die sich in aller Unbefangenheit der Jugend ihrer ersten Neigung hingab. Kein Ring, kein Brief, kein Gedanke erinnerte sie an ihren entfernten Verlobten, am allerwenigsten der Vater, der sich nur im Stillen die Uebereilung seiner ältern Zusage vorwarf, nicht über das Herz bringen konnte, die wachsende schöne leidenschaft der Tochter zu stören, und, als sein Freund um ihre Hand bat, weder vermögend war, sie ihm abzuschlagen, noch zu gewähren. Wenn die beiden Liebenden mit Tränen der Zärtlichkeit bittend vor ihm standen, bat er sie dagegen nur um Geduld und Aufschubvermischte seine Seufzer, mit den ihrigen, verschloss aber nur desto sorgfältiger das geheimnis seiner Unruhe. In diesem Kampfe mit sich selbst, war ein Jahr vergangen, als dem alten mann eine tödtliche Krankheit zustiess. So bald er ihren Ausgang ahndete, fühlte sich seine beängstete Seele erleichtert. Mit erheitertem Blicke rief er die weinende Tochter an sein Sterbebette, umarmte sie mit sichtbarer Freude, und, O! – waren seine Worte, wie danke ich Gott, dass er in's Mittel tritt, meinen Fehler gegen Dich wieder gut zu machen. Du liebes treffliches Mädchen! – Mein Tod entzieht Dich noch zeitig genug der lästigen Verbindlichkeit, die ich Dir in Deiner Kindheit auflegteDein Herz nahm und konnte keinen teil daran nehmenaber es wird ihm nun bald frei stehen seiner eigenen Wahl zu folgen. Du staunst? verstehst mich nicht? Ach! hätte ich mein übereilt gegebenes Wort so leicht vergessen können, als Du Deines, das Dir nur blinder Gehorsam abdrang. Mein letzter Wille vernichtet den ersternBefolge ihn, so bald Du mich unter die Erde gebracht hast, und zögere nicht, Dich und den glücklich zu machen, der Deines Besitzes so wert istweit mehr als jener, dem ich solchen einst zusagte. Ein längeres Leben würde mir den Trost geraubt haben, der mir jetzt mein Ende versüsst: denn nun erst kann ich hoffen, dass Du und Er mein Andenken segnen werden. –

Die liebreichen Befehle des Sterbendender Drang ihres eigenen Herzens, am meisten aber das Gespenst des Grafen, setzten ihrem kindlichen Schmerze wohltätige Schranken. Sie drückte mit der einen Hand, unter einem Ergusse von Tränen, ihrem Vater die Augen zu, und reichte die andere ihrem Geliebten. Nach einer kurzen Trauer feierten sie den Festtag ihrer Vermählung, der ihre HerzenTugenden und Güter in ein schönes Ganze verschmolz. Das glücklichste Paar auf dem schönsten Punkte der Erde! lautete die allgemeine stimme, und nie hatte sie wahrer gesprochen. Nach sieben Monaten vollen Genusses aller irdischen Seligkeiten kam der Zerstörer derselben, der Graf, von seiner Mission zurück. Ich sah ihn den Tag nachher bei unserm Gouverneur. Da scherzte er noch über die Untreue des ihm einst aufgedrungenen Kindes. Er habe sie, setzte er lachend hinzu, in Neapel erfahren, wo zum Glück ein junger Mann sich noch am geschwindesten über solche Unglücksfälle trösten lerne. Als er aber in der Folge überall, wo er nur hinkam, von seinem Verlust unterhalten wurde, und dessen Grösse erst ganz begriff, da ihm ein glänzender Zirkel auf die Frage, mit der er ungestüm in den Saal trat: Sagen Sie mir um Gotteswillen, wer ist das wunderschöne Weib, und der strahlende Herr, die mir eben im Vorzimmer begegneten? – aus allen Ecken zurief: Graf! kennen Sie denn Ihre ehemalige Braut nicht mehr? da fielen diese Worte wie ein Donnerschlag auf sein Herz, erfüllten es mit den wütendsten Gefühlen des Stolzes, der Eifersucht und der beleidigten Ehre. Seine innere Empörung ward allen Gegenwärtigen sichtbar. Er veränderte die Farbe, so oft der Name Grammont ertönte. Den ganzen Abend über misstrauisch gegen jedes lächelnde Gesicht, in sich gekehrt, abwesend und stumm, verliess er endlich die Gesellschaft mit dem Fluche des Verbrechens belastet, das er den Morgen darauf ausführte. So wie er in seine wohnung kam, störte er die halbe Nacht hindurch unter seinen vor fünf Jahren zurückgelassenen Kleinigkeiten, nach dem Versprechungsring der fräulein von Larai, zwängte ihn an den Finger, und hielt sich nun mit diesem Beweise seiner ältern Ansprüche für berechtigt, einen gang zu wagen, um sich an demjenigen zu rächen, der sie in seiner Abwesenheit auf das empfindlichste verletzt habe. Unter diesem Blendwerke sophistischer Schlussfolgen, schickte er, ohne auf die Vorstellungen seines Sekretärs, der mir diese Umstände erzählt hat, zu achten, dem schuldlos glücklichen mann eine beschimpfende Ausforderung zu. Herr von Grammont frühstückte eben mit dem