Brauchbarkeit für die Welt bestehen? Werden nicht Metalle und Seelen nur desto mehr an innerm Gehalte verlieren, je geschwinder sie unter den Händen des Künstlers eine nützliche Form erhalten, und unter dem Gepräge eines Fürsten in Umlauf gesetzt, und verdammt werden, Handel und Wandel auf ihren Märkten zu fördern? –
Aber Jerom winkt mir – ich schweige. Ich respektire seine Warnung, seitdem es mir wahrscheinlich wird, dass seine Weissagungen nicht so ganz unerfüllt bleiben werden, als es mein Starrsinn des vorigen Monats gegen ihn behauptete. Freude, lachen, Müssiggang und Mutwillen scheinen über meinem Schreibtische zu schweben, mir die Feder zu führen und mir die Worte unvermerkt zu vertauschen; ja, hätte mich nicht das heilige Versprechen, das Du mir abnahmest, an mein Tagebuch gefesselt, o sie würden mich schon gern weit von ihm hinweg, in andere Irrgänge verlockt haben, als die sich um die Blumenbeete meines kleinen Gartens schlängeln.
Keine Reisebeschreibung von Inhalt, keine statistisch und politisch praktischen Bemerkungen, keine Münz- und Antiquitätensammlungen, keine Untersuchung des Bodens und der Schichten der Berge – Was war es nicht alles, das Du Dir verbatest? – Guter Freund! Du hättest Deine Ausnahmen sparen können; denn kaum habe ich Zeit, Dir nur zu geben, was ich Dir schuldig bin, kaum Zeit, das Votivgemälde zu entwerfen, das ich meinem Erretter gelobte! – In dieser Art Malerei ist es Herkommens, dass sie nicht nach der Kunst, sondern nach der guten Absicht beurteilt und geschätzt wird, und schickt sich also besonders gut für meinen ungeübten, flüchtigen Pinsel. Die Wahrheit soll indess desto weniger dabei verlieren; und findest Du ja, dass hier und da die Farben zu stark aufgetragen, sich nicht genug in einander verschmelzen, so darfst Du nur das Stück ein wenig höher hängen, als gewöhnlich; es wird schon seine wirkung tun. – Hänge es so hoch, dass es kein myopisches Auge einer Dame, keine Brille eines Doktors erreichen kann. Ich bin unter dem Schütze des Merkur, in dem Garten der Circe, male nur meinem Freunde, und male nach der natur.
Hier, wie Du denken kannst, gibt nicht die
Langeweile
Mir Arbeit in die Hand. So süsse Stunden teile
Nur Freundschaft unter sich! Der blonde Phöbus sieht
Mein Morgenopfer gern. Wie freundlich überzieht
Sein Goldstrahl mein Papier, und trocknet jede Zeile,
Die meinem Schwanenkiel entflieht!
Sprich selbst, verdient' ich wohl die Milde seiner
Strahlen,
Wenn ich mit deutscher Autorhand
Es unternähme, D i r die Scenen aufzumalen,
Die ich, bleich durch die Zeit, verderbt durch
Unverstand,
Im Staube wurmichter Annalen
Und im Lombard des Irrtums fand?
Nein! Freund, ich und das Ding, das jetzt mit goldnem
Flügel
An meiner Feder lauscht, jetzt schnell sich wieder hebt,
Und nun im Tal und auf dem Hügel,
Und immer nur auf Blumen schwebt,
Wir lassen gern dem trägen Igel,
Der Schnecke, die am Boden klebt –
Obgleich ihr Seherohr in's Empyreum strebt –
Sehr gern den philosophischen Zügel,
Den ihnen die natur gewebt.
Den 7ten December.
Seit vier Tagen schon, mein Eduard, habe ich einen grösseren Zirkel um mich geschlagen, den ich nach und nach, wie es sich für einen Genesenden schickt, immer mehr erweitern werde. Da habe ich nun, ohne es zu ahnden, Dinge hinein gezogen, die es wohl verdienen, dass ich sie abzeichne. Ich hatte mich zum erstenmale, und nicht viel über hundert Schritte, von meinem Pavillon entfernt, als ich auf ein Menschenwerk stiess, das – wie soll ich sagen? – den Anstand einer Königin unter dem Flitterstaat einer gemeinen Buhlerill verriet; ein vollkommen erhaltenes römisches Bad, frisch übertüncht, mit neuern Bildsäulen und einem Garten voll Hecken umgeben.
Ich wusste lange nicht woran ich war, bis mir das glücklichste Ungefähr einen Tagelöhner herbei führte, der selbst Hand an die Entdeckung dieses herrlichen Werks gelegt hatte. Der ausgemachteste Antiquar hätte mir schwerlich mehr Genüge tun können, als dieser Mann. So sehr er Franzos war, so gestand er nige Zeit nach der Entdeckung in seinem ehrwürdigen Altertum da stand, weit besser gefallen habe, als jetzt. Sein Urteil kam mir sehr glaubhaft vor. Dieses machte ihn so beredt, dass ich unterrichtet genug wäre, Dir die ganze Begebenheit, an der er so wichtigen Anteil nahm, bis auf den letzten Schaufelwurf seiner hände darzustellen. Vor dieser Epoche wurden weisse Wäsche und reine Teller für den grössten Luxus eines hiesigen Einwohners gehalten. Seit vierzig Jahren ist diesem Mangel durch das wieder aufgefundene Geschenk, das die prächtigen Römer dieser Provinz machten, gänzlich abgeholfen. Du kannst Dir also einen Begriff von der Freude des schmutzigen volkes machen, als der Schutt nun weggeräumt war, der einen solchen Reichtum verbarg, und nun auf einmal der verhaltne Strom mit Getöse hervorbrach.
Der stolze Quell, den einst Agrippens Zauberstab
Aus Felsen schlug, warf jetzt die tausendjähr'ge Bürde
Der Barbarei in süsser Hoffnung ab;
Bei'm Zuruf eines volkes, das seinen Glanz umgab,
Verliess der Held mit Rümerwürde
Auf F l e u r y s Ehrenwort sein Grab.
Doch kaum entfielen ihm die unverdienten Bande,
Die seinen Körper wund gedruckt,
So ward auch, zum Beweis, in wessen Königs land
Die Auferstehung ihm geglückt,
Der edlen Stirn manch Brandmal aufgedrückt,
Und mit Geräusch dem römischen Gewande
Manch Modequästchen angeflickt.
So viele Prevenanc' erschreckte
Den edlen Greis