den Tod drohte! Ich kann es mir lebhaft aus dem Gange meines Blutes erklären. – So schwer und trübe es war, als ich den bänglichen Wagen bestieg – wie sprudelte es nicht, als ich ihn verliess. Ein Hinblick auf das in stolzer Ruhe prangende Meer versöhnte mich geschwind mit mir selber, und meine kleinmütigen Stubengrillen verkrochen sich vor der Hoheit der natur – Gott mag wissen, wohin? Sobald ich an der Seite meines Anführers in der letzten der drei, mit Herren und Damen besetzten Gondeln, die nur sein Signal zur Abfahrt erwarteten, Platz genommen hatte, wirbelte von der vordersten her, unter deren Leitung wir vom land stiessen, ein Zusammenklang blasender Instrumente über das Meer, der, von dem jubel der Zuschauer erwiedert, alle Seelen zu beleben schien. Ich kann jetzt die Möglichkeit begreifen, wie eine volltönende kriegerische Musik es dahin bringen kann, dass so viele verzärtelte Muttersöhnchen den Hass gegen ihre Werber, ihr Heimweh und ihr Zittern vor dem tod auf einmal verlieren – lustig dem feindlichen Feuer entgegen tanzen, und sich einbilden können, sie haben Herz; denn siehe, auch ich fühlte keinen Groll mehr gegen den Marquis und seinen Stellvertreter, lachte mit festem blick der Fregatte zu, die vor meinen Augen hin und her schwankte, und machte mir keine sorge weiter über den Ehrenposten, zu welchem ich mich, ohne mein Zutun, erhoben sah. O die Harmonie ist eine herrliche Anführerin für Geschöpfe mit menschlichen Ohren! Ich habe die Donnerschläge der Kanonen nicht gezählt, mit denen uns Voltaire zu unserm Empfang begrüsste; ich weiss nur, dass man mir, unbeholfen wie ich war, das Vorrecht der schamhaften Damen zugestand, und auch mich auf einem herabgelassenen Armstuhl durch eine Winde auf das Verdeck zog, während herzhaftere Männer auf der Strickleiter hinaufstiegen. Von da schlängelte sich die Gesellschaft in das Innere des schiffes, einem saal zu, dessen Grösse und Schönheit mir kein geringeres Erstaunen verursachte, als jenes Spiegelkabinet den beiden Berliner Nymphen, die sich heute vor sechs Wochen – Gott möge sie unbeschädigt an Ort und Stelle gebracht haben – unter dem Schalle meiner Horazischen Ode nach St. Domingo einschifften. Ich wüsste nicht, wie ich mich bei den Musen entschuldigen wollte, wenn ich Dir diesen auf wasser erbauten Tempel dichterischen Ruhms nicht beschriebe. Das Erste, auf das der feurige Hinblick der Andern meine Augen hinzog, war die Satyrfigur des Patrons in seiner natürlichen Dürre und Blässe. Er grinzte aus einem, zum Blindwerden vergoldeten Rahm so spöttisch auf unsere Huldigungen herab, dass mir die Schamröte anflog, die seinen Wangen abging. Unter diesem Bilde lag auf einem Wandtische das auf Pergament gedruckte Trompeterstück, mit welchem Er die Fregatte anblies, die den Schall seines glorreichen Namens als ein Landesprodukt ausführen, und in alle Winde verbreiten sollte.3 Auf zwölf Feldern von Purpurholz trugen glänzend gefirnisste Genien in erhabenem Schnitzwerk die einzeln Stufen zu der ganzen himmlischen Tonleiter seiner Muse zusammen. Sein schriftlicher Nachlass strahlte hinter den Gittern von vier Eckschränken hervor. Auf der Höhe derselben prangten, als seine Schutzgötter, die Büsten unsers F r i e d r i c h 's, K a t h a r i n e n d e r Z w e i t e n – des Kaisersohns J o s e p h und des Königs der Sarmaten, in Pappe. – Wären sie hier, sagte der Kapitain, ihrer Würde gemäss, aus Marmor, so sehen Sie wohl, könnten sie bei stürmischem Wetter durch ihre eigene Härte und Schwere leicht einander gefährlich werden. Wollte Gott, erwiderte ich, die natur hätte auch Rücksicht darauf genommen, als s i e diese Köpfe aufstellte. In der Mitte der Hauptwände haben zwei Charitinnen Körbe mit frischen Blumen empor. Jeder zu beiden Seiten, hielt ein Affe, mit allem Ausdrucke natürlichen Ingrimms, eine Tischplatte in die Höhe, die ausschliesslich den Lobschriften auf den Unsterblichen eingeräumt war. Um den Hals dieser angefesselten Träger schlang sich ein Band mit den Namen eines der Menschen, die dem Dichter zur Ableitung der Galle so nötig waren, als seine tägliche Nahrung. F r e r o n hielt den Anelitteraire4 – B e a u m e l l e das Siècle de Louis XIV. – N o n o t t e les Erreurs de Voltaire und F r a n c d e P o m p i g n a n seine Cantiques sacrés mit der Umschrift in den Pfoten: Sacrés ils sont, car personne n'y touche. Diese zähnefletschenden Gesichter wären, sagte man, ganz den Originalen ähnlich, die er, nach seinen vier Widersachern benennt, in dem Hofraume zu Fernay an Ketten gelegt, täglich mit eigenen Händen fütterte und peinigte, um diesen schuldlosen Geschöpfen die Freude seines Grolls fühlen zu lassen, den er ihren NamensVettern bis an sein seliges Ende nachtrug. Alles war hier, wie Du siehst, auf die Ehre des grossen Mannes berechnet; nichts hat aber wohl jemals sie lauter verkündigt, als die ansehnliche Versammlung, in deren Kreise ich äusserst verlegen da stand. Meine Zunge war, gegen die Geläufigkeit der andern genommen, wie vom Schlage gerührt, und genau überlegt, konnte vielleicht nichts besser zu meinen gegenwärtigen Verhältnissen passen, als diese Lähmung; denn wie leicht hätte mir sonst mein deutsches Gefühl den Streich spielen, und mich verleiten können, aus Vergessenheit meiner Repräsentantenstelle, den Signalen unseres K l e i s t , K l o p s t o c k und