seinem Janustempel? dringender Geschäfte wegen? in dem Durchgange eines Steinbruchs?" Ich suchte geschwind über meine stillen fragen Erläuterung in der folgenden Zeile – Was fand ich? "Die zwei ersten Feiertage Deines Festes verlor ich zu Toulon – auf den heutigen dritten und letzten muss ich nun zwar auch Verzicht tun – doch stelle ich Dir, um die Lücke zu füllen, meinen Mann an einem alten Bekannten von mir, aus Berlin, der eben in meinem Wagen nach der Stadt fährt" – "So?" murmelte ich, – "Er? ein sonst so guter zuvorkommender Wirt – konnte sich doch heute vor Dir unter einem Steinhaufen verstecken? Was in aller Welt hatte der Mann für Ursachen dazu?" Das Ding fing an mich zu verschnupfen, doch las ich weiter, und da erklärte sich denn der ganze Handel: doch so, dass ich beinahe ausser mir kam. "Mein armer Freund," erzählte er ganz unverblümt seinem Verwandten, "hat nach seiner Genesung von einer schweren Gemütskrankheit tägliche Veränderung nötig – und ich suche hierin nach Möglichkeit seinen Arzt zu ersetzen, der sich entfernt hat: – doch sorge ich heute gewiss so sehr für Deine Unterhaltung, als für die seinige, wenn ich Dich bitte, Deine gastfreie Einladung von mir auf seinen Kopf überzutragen. Dieser Sonderling vom festen land hält, wie alle reisenden Deutschen, so gut ein Tagebuch und selbst pünktlicher noch – als ein Admiral." Ich möchte wohl hören, wie er sein erstes Gastmal zwischen Himmel und wasser beschreiben wird. Dabei muss ich Dir nur sagen, dass ihm der Götze, dessen W i e g e n f e s t Du begehst, ein so grosser Heiliger ist, dass er es gewiss, in dem Taumel seiner Verehrung, allen Deinen übrigen Gästen zuvortun wird. Was willst Du mehr? Morgen nehme ich Dir die sorge für ihn wieder ab. Ich muss des armen Schelms wegen zur Stadt, der auf Leben und Tod sitzt – und bin recht neugierig darauf – "So? so?" – wie angenehm ihn das Schrecken seines Pardons ü b e r r a s c h e n wird. "Es soll mir – und schon desswegen ist mir diess Dienstgeschäft lieb – einen neuen herrlichen Beweis für mein System liefern." – Ist es nicht, überdachte ich das Gelesene, ein recht hämischer Streich, den dir hier der saubere Marquis, und diessmal gewiss nicht bloss aus Vorliebe zu seinem albernen System spielt? Er übergeht zwar deine Sottise zu Toulon mit Stillschweigen, hätte er aber wohl in seiner Missive das heutige vermaledeite Wiegenfest zweimal unterstrichen, wenn es ihn nicht für das schwindelnde Gastmal rächen sollte, um das du ihn durch Einschub des Gehenkten gebracht hast? Wenn er glaubt, dass ein drehender Kopf zu deiner Nachkur gehört, so verzeihe es ihm Gott – aber wer ist denn der Heilige, dem so viel daran liegt? – Den meinigen – so berlinisch er ist – soll er ungehudelt lassen – Doch wie geschwind verschluckte ich meine abschlägige Antwort, als mir der Officier auf die obige Frage Voltairen nannte. "Ich habe das Glück," fuhr er fort, "die Fregatte zu kommandiren, die seinen Namen führt. Einige seiner Bewunderer haben sie ausgerüstet, und so lange sie wasser hält, verpflichtet mich meine Bestallung – unter welcher Zone der Erde ich auch den 20sten Februar2 vor Anker liege, zu dreitägiger Feier seines Geburtstags. Es kann mir kaum so leid tun, dass die beiden ersten ohne Teilnahme unsers Freundes vergingen, als Sie an seiner Stelle, mein Herr, mir bei der Feier des letzten willkommen sind. Es ist weltbekannt, wie viele Anhänger der Schutzpatron meines schiffes in Berlin hat, von F r i e d r i c h d e m G r o ss e n an bis auf den geringsten Standartenjunker. Meine Gesellschaft wird stolz darauf sehen, einen Repräsentanten seiner dortigen Verehrer in ihrer Mitte zu sehen; und auch ich freue mich herzlich auf die anziehenden Anekdoten, die Sie uns von seinem Aufentalte in Ihrer Vaterstadt mitteilen werden." Jetzt war ich mir nicht klug genug, weder wie ich die Einladung des Kapitains ablehnen, noch der Verlegenheit trotzen sollte, in die mich allemal ein Kompliment verwikkelt, das man mir in dieser oder jener falschen Voraussetzung aufdringt – und gewiss würde keiner von Euch allen, die mit Voltaires Bekanntschaft gross tun, und mit den Beiträgen seines Witzes dem ihrigen aufhelfen, meine Vokation unterschrieben haben, wenn Ihr die alberne Miene gesehen hättet, mit der ich sie annahm. Die Bangigkeit meiner Erwartung war unbeschreiblich. Ich konnte mir an den Fingern abzählen, dass der Ehrenposten, den ich behaupten sollte, meinen natürlichen Schwindel nur noch vermehren würde, und es ist die Frage, ob der Delinquent, über den man m o r g e n Standrecht hält, nicht mit grösserer Besinnung hinter s e i n e m Kapitain hertraben wird, als ich h e u t e d e m m e i n i g e n nachschlich.
O was für ein Ball des Augenblicks ist der Mensch! Daher sollten wir, nach dem Princip erfahrner Spieler, nicht bei jeder widrigen Karte, die der Zufall aufschlägt, ausser Fassung geraten; immer auf Abwechselung hoffen, und bedenken, dass der mögliche Uebergang vom Verluste zum Gewinnste nur desto entzückender ist. Mit welchem ungestüm freudigen Herzklopfen wird nicht der heute noch so beklemmte arme Flügelmann morgen dem Kreis enteilen, der ihm