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Luft, Licht und Diadem Dir zu verdanken hat. Wohlan, nach grauser Nacht und beigelegtem Streite Mit einem deutschen Dieb und englischen Spion Erschein Aurora mir! Gleich ihr, Freund, überbreite Dein Dichterglanz die fahle Region, Die mir, erinnre Dich, der hinkende Gefreite So wunderreich beschrieb, als wär zum Botenlohn Mein Staunen ihm genug. Doch, Teurer, jetzt geleite Von jenem Marterstuhl, auf dem ich zu Toulon Mehr zitterte als je ein Schach auf seinem Tron, Mich an die freie Luft. So schnell Du kannst, bereite An meines edlen Freunds und Krankenwärters Seite Ein weiches Polster mir in seinem Phaëton. "Gott grüss dich Saint-Sauveur," lall' ich; in gleichem Ton Grüsst er auch mich, doch kaum fliegt sein Gespann ins
Weite
So schnarchen Er und Ich auch schon. In dieser Not nimm Dich des Fuhrwerks an, nur gleite Aus zu viel Eifer nicht vom Kutschersitz, zum Hohn Der schönen Lesewelt, wie vormals Phöbus Sohn! Streif mit uns Träumenden dem Racheschiff' im Hafen1 Den Schwalben gleich vorüber, denn uns ficht Sein Gastmahl nicht mehr an – und wenn das
Himmelslicht
An dem, im Tod noch treugebliebnen Sklaven Der Würfel, seine Strahlen bricht – Wenn sein zum erstenmal errötendes Gesicht Nach der Galeere schielt, wo wir zusammen trafen, Wo meines Taschentuchs entscheidendes Gewicht Zum Lehrer ihn erhob, der Recht, Gesetz und Pflicht Bewiesner demonstrirt als selten es der braven Gelehrten einem glückt der vom Kateder spricht, So schliess aus meiner Ruh, wie vielen Herzensstrafen Der Schlaukopf sich entzieht, der sein geheim Gericht Mit einer Dosis Schlaf besticht. Nur störe mich Dein Genius, im Schlafen Durch des Verklärten Predigt nicht. Den Spieler hinter uns, im nächsten Wald, begegne Ein jung Dryadchen Dir, dem jüngst der Saft gerann, Der seinen Sprössling nährt. Hier halt die Zügel an, Sei der Verkümmerten ein zweiter Zevs, und regne In Gold auf sie herab; doch hüb' ein West etwann Gewisse heimliche, jetzt ihrem fernen Mann Nicht halb so gut als Dir gelegne Kleinodien aus ihrem Kirchenbann; So wende schnell von da Dein wieherndes Gespann Und fühl' es, dass bei Gott! der glücklichste Verwegne Im schlüpfrichsten Roman, den Crebillon ersann, Sich keines festlichern Genusses rühmen kann, Als hier der Reisende durch meinen, den Gott segne Erbaulichen Gedankenstrich – – – gewann. Hat, weiter nun, Dein Geist im Spalt der Felsenmauer Die ich Dir jüngst gemalt, die nackte Höh' erklimmt, Das Ungeheuer ihn, das dort auf meiner Lauer Den Rachen sperrt und nach dem Abgrund schwimmt, Zur höhern Poesie gestimmt, So segne meines Schlummers Dauer Und schildre fürchterlich den Schauer Des Schwindels, der Dich übernimmt. Verfolge die Gefahr bis zu dem schmalsten rand Der letzten Kluft, die ins Gesicht Dir gafft! Ein Wunder rette mich; mal' es so lügenhaft, Als je auf seiner Fahrt zu wasser und zu land Ein Robinson – als je auf seiner Pilgerschaft Ein Mitglied aus der Spielerbande Der Heiligen, eins aufgerafft. Durchflechte, Freund, mit Ahndungen und Schrecken, Ein zweiter Ossian, die Räume der natur, Durchdonnre, wenn Du willst, die Flur: Doch hüte Dich, mich aufzuwecken – Diess einzige verbitt' ich nur! Nach allem Ungestüm, den Du in Deiner Runde Mit Malerlist und Seelenkunde Erregt, wie wird so wunderschön Auf diesem schwarzen Hintergrunde Das Farbenspiel der Abendstunde Dein bald errungnes Ziel erhöhn! Sie bring' uns schnell gesund und heiter Auf nun gebahnterm Weg in das gepriesne Tal. Jetzt sind wir da; doch ach, wo sind' ich eine Leiter Aus meinem Phaëton? Wer leuchtet durch den Saal Mich in mein Kämmerchen und weiter? Das alles zieh' aus dem Gedankenstrahl, Der meinem Kiel entfloss, und nun – zum letztenmal Noch eine Bitte, mein Begleiter! Sind gleich die Stunden voll, des warmen Abends Rest Bedarf zur Krone doch noch eine – Sie schwebe noch, bevor Dein Schutzgeist mich verlässt, Einher auf dem verbuhlten West, Mit Düften angefüllt, die er dem Buchenhaine Zu meinem Schlaftrunk ausgepresst, Und lock' und treibe sanft das weit verflogne kleine Geliebte Täubchen, das ich meine, Aus seinem, in mein Federnest. Dann, Lieber, lass im Mondenscheine Die Girrenden für sich alleine Und ende Dein Gedankenfest. – Und nun dem Maler Preis, der bis zum höchsten Lichte Das düsterste Gemäld' erhob, Und dem unförmlichen gesicht Des Fortgangs meiner Zeit-geschichte Form, Kraft und Leben unterschob! Der Tag kam in sein Gleis, der, wie es schien, vergebens Dem Kreise des Gefühls entwich, Kraft meines Federzugs, der in dem gang des Lebens Dem Faden Ariadnens glich. Zog er denn nicht, o Freund, in Deinen Händen mich Aus Schwindel und Gefahr? und ward denn nicht durch
Dich,
O Meister in der Kunst des geistigen Verwebens! Auch er das Zauberband, an dem mein zweites Ich In leisen Schritten, jüngferlich Mit allen Grazien des kindischen Erbebens Zu meiner kammer überschlich? Umschlangen nicht an ihm nach langer Trennung sich Zwei Herzen, voll so inniglich Magnetischen Entgegenstrebens? Gott, welch ein Schlaf! welch ein Gedankenstrich! So sah der erste Mensch im ersten Traum sich wippen, Und stieg und fiel bald hoch, bald tief, Verlor in Dornen sich, stiess sich an Marmorklippen, Und träumte von zerbrochnen Rippen, Und wusste nicht, welch Glück er sich erschlief, Bis ihn sein holdes Weib mit süssgespitzten Lippen Zum fröhlichen