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Landsmann hast auslöschen helfen, unser schuld- und straffreies Tal erreichen. Dort wird es dir hoffentlich eher behagen, die reichhaltige geschichte des verlaufenen tages in eigene stille Betrachtung zu ziehen, als umringt von Fragern und Zuhörern. – Wo wolltest du Zeit hernehmen, die Neugier aller zu befriedigen, in deren Mäuler du geraten bist? Auf den Malteser Ritter allein müsstest du eine gute Stunde rechnen. Er ist zu sehr Genealogist, um nicht bei gelegenheit des Mastbaumsden Stammbaum des gehenkten Edelmanns bis auf den nun ausgegangenen Zweig zu beleuchten, Ahnenprobe mit ihm anzustellen, und dabei zu bedauern, dass eine solche Stiftsfähigkeit, für die mancher ehrliche Bürger gern Haus und Hof hingeben würde, wenn er sie dadurch erlangen könnte, so schändlich verloren gegangen sei. Hast du nun für dergleichen genealogische Ergetzungen keinen Sinn, trauest du dir nicht Festigkeit genug zu, den Bemerkungen deiner moralischen Tischnachbarin, dem viel sagenden höflichen Stillschweigen des Intendanten, den Sticheleien deines lahmen Begleiters, mit Einem Worte, allen den Folgen von H e u t e , gesetzten Schritts morgen entgegen zu treten; so halte dich gegen fünf Uhr früh, wo ich bei dir vorfahren werde, zu deiner Abreise gefasst.

Saint-Sauveur."

Das trifft ganz vortrefflich zusammen! Eben schlägt es. Ich bin völlig, noch von gestern her, gekleidet, und höre, wenn ich mich nicht irre, den Wagen des Marquis über die Gasse herrollen. – Richtig er ist es.

Den 21sten Februar.

Den 21sten Februar.

Unterweges von Toulon nach dem Sonnental.

Fussnoten

1 Nach einem Auszug aus Bernoulli's Reisen im Jahr 1777. 1ter teil p. 78. Endlich sind in dieser Blibliotek (des Generals von Borke zu Stargardt) eine Menge Bücher, die nur ihrer Seltenheit wegen merkwürdig sind u.s.w., als zum Beispiel die Bibliotek des Don Quichotte, nämlich alle Romane, welche nach der allgemein bekannten geschichte dieses irrenden Ritters, den Büchervorrat desselben ausmachten – – – 2 Calendarium Romano-Germanicum medii aevi etc. Adornavit Anton Ulric ab EralhExemplar unicum, partim prelo subjectum, partim libera manu successive impressum etc. in IX Tomos. Dillenburgi 1761. 3 Der Abbé la Coste, der 1760 auf Zeitlebens zu der Galeerenstrafe verdammt wurde.

Vierter Band

Vierter teil.

Marseille.

Den 22sten Februar.

Nie stand die deutsche Kunst auf einem bessern FussWir Dichter wiegen uns im Schooss der Aristarchen! Entrückt dem feinen Ohr des Sängers von Venus Verrät uns Niemand, wenn wir schnarchen. – Die Leser? – O für die ist nie ein Schedel leer; Sie stellen, stützt sich nur ihr schlummernder Homer Auf ihre Schulter, gleich dem tätigsten Monarchen Aus eignem Ueberfluss, das sinkende Verkehr Mit Sinn und Wohllaut, wieder her: Denn da nach jenem Fund, den F a u s t getan und

Schäfer,

Ein dritter deutscher Kopf, den, für sein Vaterland Weit nützlichern G e d a n k e n s t r i c h erfand; So singe wie ein Spatz, schreibe wie ein Siebenschläfer, Nur sei nicht karg mit jenem Zug der Hand! – Er gilt im Wechsel für Verstand. Der Leser hilft so gern dem Autor aus dem Traume, Freut gläubig sich des Sinns, den er ihm unterlegt, Und halst dem Ehrenmann, der ihm diess Brückchen

schlägt

Zum Fortgang in dem leeren raum dafür mehr Plunder auf, als durch den Sporn erregt Die alte Mähre kaum erträgt, Die an dem Pindus grast und nur zu gern dem Zaume Des Reiters zu entwischen pflegt. Vor Lesern, die mich nur mit ihrem Geistesschaume Besudeln, schütze mich dein Genius! Er wägt Prüft und ersetzt das Bild, das noch unausgeprägt Im Münzstock hängen blieb. N ä c h s t i h m , vor dem

die Krücken

Gelähmter Dichter sich wie vor Apollo bücken, Der Skribler nur verlacht, die tadellos und klug Sich dünkend, auf Homers und Miltons Aschenkrug Viel blinder noch als sie, mit stolzem Mitleid blicken, Hat K l i n g e r s deutscher Geist am meisten Recht und

Fug

In meiner Gallerie die leeren Rähm' und Lücken Mit B i l d e r n – minder nicht die dunkeln

Eselsbrücken,

Die meine matte Hand mit einem FederzugZum Uebergang ins Reich der Phantasieen schlug, Mit L e u c h t e n zu versehn. Doch näh're Wünsche

drücken

Mir jetzt das HerzLass Freund, lass von den

Blumenstücken

Berlinses spriessen dort der Rosen ja genug, Ein Körbchen voll von Deiner Muse pflücken, Das Zerrbild meines Ich's aufs festlichste zu schmücken, Das gestern Morpheus mir, in schwerem Eulenflug, Gleich einem Savoyard, auf seinem breiten rücken, Als wär's ein Murmeltier in träumendem Entzücken, Mit Mohn bekränzt, vorübertrug. Erwecke zum Genuss des Tages, jene Stunden, Die ich verschlief; empfind' an meiner Statt Die Freuden, die ich nicht empfunden! Wie ein Gebrechlicher sein Ehbett dem gesunden Hausfreunde überlässt, so unterwirft diess Blatt Rein wie die Unschuld selbst, mir aus der Hand

gewunden

Sich Deinem Bildungstrieb. Trotz Deiner vielen Kunden, Für einen Ritterdienst fühlst Du Dich nie zu matt, Drum hoff' ich auch Du wirst gern meinen Blendling

runden,

Der wie ein Embryo des langen Schlafes satt Sich dehnt und regt, bis er, der Dunkelheit

entschwunden,

Gleich einem Königssohn durch S i e b o l d s Kunst

entbunden