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einige höchst glückliche Stunden bei ihm zu, bewunderte auf's neue die feine Dienstfertigkeit, die bei ihm der reinste Ausfluss einer allgemeinen Menschenliebe ist, die von dem redlichsten Charakter, dem herrlichsten verstand, der seltensten Erfahrung, und den ausgebreitetsten Kenntnissen genährt und unterstützt wird. Als ich ihn mit dem stillen Wunsche verliess, immer so gute Menschen auf meiner Wallfahrt zu finden, war alles in Paris für mich abgetan. Ich liess Opern, Tuillerien und Boulevard gut sein, übergab mich der Poste rovale, hielt mir die Ohren zu, bis ich ausser der Barriere war, und küsstemeinen Mops, als ich mich aus diesem Getümmel gerettet sah.

Es war schon ein gutes Zeichen meiner anhebenden Besserung, dass sich zwischen Paris und Fontainebleau ein Selbstgespräch in mir entspann, das mir keine Runzeln auf der Stirne zurück liess. Ich wog zum erstenmale den Vorzug der Reisen gegen den albernen Beruf ab, immer wie ein Fixstern an Einer Stelle zu bleiben, und zu erwarten, ob uns einmal ein scharfsichtiges Auge in unserer entfernten Region entdecken werde, und sagte mit heimlicher Freude: "Gott Lobt! Nun bist du wahrscheinlich auf der Spur, der du in Berlin so lange irre gingestzu verdauen und zufrieden zu sein." Seele und Körper begegneten einander s o , als suchten sie die ehemalige gute Freundschaft wieder zu erneuern, die durch ein geringes Missverständniss unterbrochen wurde. "Wenn dieses harmonische verhältnis von Bestand ist, wie ich hoffe, was kümmert mich," sagte ich, "alles übrige?"

Ich erzählte, um genau zu gehen, alle die Fälle, die mich je um Freude und Gesundheit betrogen, und überlegte, wie leicht ich ihnen durch ein Paar Postpferde hätte entwischen können. "Stehen dir," fuhr ich fort, "in dem einen Winkel der Welt deine Spielgesellen nicht an, rutsche nur eine Ecke weiter zu andern! Es müsste nicht gut sein, wenn du nicht hier und da auf eine leidliche Seele stossen wolltest, bei der du eine Weile ausruhen und vergessen könntest, wie dieser und jener dir einmal auf deinem geraden Gange ein Bein stellte, oder ein Loch in deine Trommel stiess. Wie viel weniger haben unsere Torheiten auf Reisen gegen die zu bedeuten, die wir in unserer Heimat begehen! Gewaltiger Unterschied, wenn ein Land oder eine Gasse zwischen ihnen und uns liegt!"

Auch Ihr, meine lieben Freunde und gönner, gewannet zusehens mit jeder Station, die ich zurück legte, in meiner Neigung und achtung. Ihr erscheint mir in der Entfernung in einem viel wohltätigern Lichte, als da ich noch Euern, manchmal ungelegenen Besuchen, Euern Launen, Euern Schmäusen, Euern Gevatterbriefen ausgesetzt war. – Ich versöhnte mich mit allen grossen Männern meines Vaterlandes, ihren Schriften und Liedern, so oft ich bei einem französischen Buchladen vorbei fuhr, und lächelte in Gedanken rings umher ihre Gypsköpfe an, die mir vor drei Wochen noch überall im Wege standen.

In dieser Lebhaftigkeit erhielt ich mich bis in dem Angesichte des Jagdschlosses, auf welchem einst eine junge Königin,8 auch auf einer Lustreise (welches mir in diesem Augenblicke meiner Behaglichkeit ungewöhnlich, auffiel) eine empörte leidenschaft durch einen Mord zu besänftigen suchte. Ob ihr die gute Absicht ihrer Beruhigung so leicht gelungen sein mag, als das gefährliche Mittel, das sie einschlug, will ich nicht mit Gewissheit behaupten, und es noch weit weniger mit dem allgebietenden Leibnitz in Schutz nehmen. Mich gemein denkenden Mann brachte schon die Erinnerung dieser geschichte ganz aus meiner glücklichen Stimmnug, und verbitterte mir bis nach A u x e r r e jedes Aufwallen freudiger Empfindung.

Hier stiess mir ein desto lustigeres Abenteuer aus, an das ich mich um so begieriger hing, je alberner ich mir selbst in den veralteten Händeln vorkam, in die mich meine empfängliche Einbildungskraft verwickelt hatte. Gerade dem Postause gegen über schrie ein Kerl an einer kleinen Bude, zu der eine Menge Menschen hinströmte: Fruges consumere natus: Bête sauvage d'Allemagne, jusqu'ici inconnue en France.

Es wären, dachte ich, die ersten zwölf Sous, die ich in Frankreich wagte, um meiner gereizten Neugier ein Geschenk zu machen, und mochte der kleinen Versuchung nicht widerstehen, etwas näher zu untersuchen, auf welches geschöpf wohl eine Beschreibung angewendet sei, die auf so viele in meinem vaterland passte, und die ich zu einer andern Zeit wohl hypochondrisch genug gewesen wäre auf mich selbst zu ziehen. Ich fand mehr und fand weniger, als ich erwartete. Das Wundertier, dessen ganzes Geschlecht wir gern der französischen Nation, für die Regie, die sie uns gab, zum Gegengeschenk machen würden, war freilich nurein Hamster: aber der Mann, der ihn in diesem Städtchen zur Schau stellte, war mir desto merkwürdiger. Diesen Anstand, diesen hohlen Ton der stimme, diese funkelnden Augentrug, wie mich sogleich der Augenschein lehrte, vor dem Jahre ein homme comme il faut, auf unsern Redouten herum, der mit ausgezeichnetem Glücke Piket spielte, Dich, lieber Freund, so gutmütig als dringend auf sein Marquisat einlud, und Dich, wer weiss? zu dieser Lustreise verführt haben würde, hätte ihn nicht endlich eine Kleinigkeit aus Deinen Umarmungen gerissen! Ich bezahlte über meine zwölf Sous noch gern mein Erröten für das seinige, als er mich erkannte, setzte mich geschwind wieder in meine Chaise und fuhr unter lautem Gelächter davon.

Wie gern hätte ich noch zwölf Sous bezahlt, wenn ich