und, zu meinem Zeitvertreibe für den Morgen, seine schriftliche erlaubnis, das Arsenal zu besehen. Ich legte den Zettel neben mir auf das Kaffeebret mit aller der G l e i c h g ü l t i g k e i t , die ich für solchen militärischen Prunk habe, d i e aber dafür den Brigadier desto mehr verschnupfte. – "Ich sehe wohl," sagte er empfindlich, "du erkennst den Vorzug nicht, wie du solltest, den dir diess Einlassbillet vor so vielen tausend durchreisenden gelehrten Wanderern verschafft, Herr von Saintaignan es selbst meinen Bitten nicht eher zugestand, als bis ich für dich gut sagte. Warum rümpfst du die Nase? Glaubst du etwa, dass unsere Zeughäuser so zugänglich sind, als unsere Teater und Kirchen? O nichts weniger. dafür wirken sie aber auch mächtig auf unsere Imagination, wie alles Grosse, das sich versteckt hält, und der glückliche, dem es vergönnt wird sie in der Nähe zu bewundern, trägt für sein übriges Leben einen auszeichnenden Glanz davon." – "Du sprichst," erwiderte ich, "wie ein Soldat; ich aber denke wie ein Magister, der lieber während seiner Morgenbetrachtungen einer Liqueurbouteille in den Hals sieht, als einer Kanone, und ungern der leidigen Neugier einen Mundbissen von seinem Frühstück aufopfert." – "Kürze es heute immer ein wenig ab," versetzte der Marquis, "und hebe auch, wenn ich dir raten darf, deinen philosophischen Senf bis auf ein andermal auf. Die kritischen Betrachtungen eines Magisters über die Kriegskunst ändern den Lauf der Welt nicht um ein Haar breit; sie stören aber leicht den guten Humor. Davor musst du dich aber heute besonders in Acht nehmen; denn die Tafel des Kommendanten erwartet an dir einen muntern Gast, und das schöne Korps unserer Damen einen witzigen Gesellschafter. Hier ist Stock und Hut. Rühre dich, Wilhelm. Der lahme Gefreite, den ich dir zu deiner Begleitung mitgebracht habe ..." – "Du also," unterbrach ich ihn, "hast keine Lust?" – "Meine Geschäfte," zuckte er die Achseln, "wollen mir es nicht erlauben. Doch wirst du mich auch nicht vermissen. Ich habe dir einen gesprächigen und pünktlichen Mann ausgesucht, der selbst in dem Palaste wohnt, wo er dich einführen soll, der das weitläuftige Inventarium davon unter seiner Kreide und Aufsicht, und für keine andern Merkwürdigkeiten der Welt einen Sinn hat. Ich wünschte nur, dein Verlangen sie zu sehen wäre so gross, als seine Freude sie dir zu zeigen." – Ich fühlte, ob ich meinen Beutel in der tasche hätte. – "O nicht etwa," widerlegte der Marquis meinen Gedanken, "als sei es ihm um ein gutes Trinkgeld zu tun. Für einen so gewöhnlichen Cicerone darfst du deinen Führer nicht halten. Viel zu stolz, neben der königlichen Pension von einem andern einen Groschen anzunehmen, plaudert er sich heiser, und schleppt sein gelähmtes Bein nach – ächt Französisch, bloss zur Ehre seines Monarchen, von dessen Bewunderung er voll ist. Ich will nicht zweifeln, dass selbst ein Preusse dieses Gefühl mit ihm teilen kann, wenn er die Docke zum Schiffbau, den Waffensaal, die ungeheuern Vorräte in den Magazinen an Tauen, Ankern und Segeln, die Werkstätte des Schreckens in voller Arbeit, das viele kostbare Geschütz und mehrere andere Wunder unsers Arsenals zu Gesicht bekommt. Es ist unmöglich, hier nicht von dem höchsten Erstaunen ergriffen und von der Grösse eines Königs von Frankreich durchdrungen zu werden. Gönne immer deinem Begleiter diess Schauspiel deines erregten Entusiasmus zur Belohnung für seine angestrengten Flechsen. Ein Französischer Invalid verlangt keine andere. – Ach! ehe ich gehe, noch ein Wort von unserer morgenden Spazierfahrt nach Hieres. – Diese müssen wir einstellen. Wir sind zu einem Schmause am Bord der Vengeance gebeten, den die Seeofficiers zur Einweihung dieses neuen Kriegsschiffs veranstalten. Mich freut es, dass so manches Ungewöhnliche zusammen trifft, um dir den Aufentalt in Toulon unvergesslich zu machen – Lebe wohl!" – –
Der liebe Brigadier! Ich verkenne zwar keineswegs seine guten Absichten; aber die Anordnung meines Zeitvertreibs versteht er nicht. Mir will nun einmal die grosse entusiastische Ehrfurcht für einen Monarchen, wenn er sie mir nicht, wie unser F r i e d r i c h auf eine feinere Art abzulocken weiss, als mit Kanonen und Schiffen, so wenig in den Kopf, als mich witzige Einfälle reizen, auf die man in voraus bei mir Bestellung macht. Und wie könnte ich mich vollends über den Verlust der Hierischen Gewürzinseln trösten, die mir ein Soldatengelag an einer schwankenden Schiffstafel, an die ich nicht denken darf ohne mich schon in voraus seekrank zu fühlen, so vor der Nase wegnimmt!
Nach einem solchen grillenhaften Selbstgespräch war es wohl nicht zu erwarten, dass ich mich den Anmassungen meines Führers geduldig preis geben würde. Auch trat ich ihm, um seinem prahlenden Gewäsche in zeiten vorzubeugen, mit Worten entgegen, die zur ersten Ansprache wohl etwas freundlicher hätten sein dürfen. – "Hinken Sie nur ohne Bedenken und Komplimente vor mir her, Herr Unterofficier, und lassen Sie mir Ihre Merkwürdigkeiten jetzt unbeschrieben. Ich bin für den Augenschein, und auch mit dem hat es keine Eile." – So trollte ich ihm mit meiner übeln Laune in den Hafen nach, der, im Vorbeigehen gesagt, sehr verschieden von dem reinen Wasserbecken zu Marseille, sich einer feinen Nase schon