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armselige Vergleichung! – gestickt schien, bereiteten sich schon tausend singende Stimmen, blökende Kehlen, seufzende und betende Herzen, zu dem Einklange in den grossen Choral, zur Zustimmung in den allgemeinen Dank vor; und als der erste kleine Bogen des Zirkels über den silbernen Wasserfall blinkte, und als er schon so feurige Strahlen ausspie, um dem geblendeten Auge für die folgenden Hinblikke bange zu machen, in denen er höher, immer brennender höher trat, und als sich nun zwischen dem Eindung unaufhaltsam in das blaue Weltmeer des Aeters stürzteda erwachte alles, da dankten, jauchzten, bebten ihr alle Organe der Schöpfung entgegen. Ein Kind weint bei einem heftigen SchalleErstaunen lässt seine Augen trocken. Der Mann von Gefühl staunt, empfindet und weint. Keine andere Sprache hatten wir jetzt, ich und mein Freund.

Die Vergoldung des Tals war vollendetvollendet in seiner ganzen Pracht. Lasurgrün umzitterte Blätter und Bäume, ihre Schäfte waren Gold, die Dächer sprühten Funken, die Fenster flimmerten, das Gewölbe über ihnen allen glühte, und meine Brust hob sich unter den Schlägen des überwältigten Herzens. Jetzt drangen von den Hügeln die Schalmeien der Hirten in mein Ohr. Die Melodie ihres Baskischen Gesangs, die Andacht ihrer Morgenlieder ergriff mich, und ich teilte nun den Reichtum meiner von den myriadenfältigen Schönheiten überschwängerten Blikke, und warf, so viele ich deren von den Gegenständen meiner Bewunderung loszureissen vermochte, auf das freundschaftliche Wesen in mir, das jeden Tautropfen der äussern Sinne mit dürstendem Verlangen auffing, und zu einer Schnur für die Ewigkeit an einander reihte. Seines edlen Geschäftes bewusst, würde es jeden unächten Blendling, der ihm zugeflossen wäre, erkannt und verachtend weit von sich geworfen habenden Stolz mit allen seinen Kronen und Zeptern, den Neid, den Menschenhass und die Rachsucht. – Die Schmeicheleien der Wollust glitten von ihm ab, wie Fliegen von einer polirten Stahlfläche. Ohne Gehör für die stimme der Sirenen, ohne Augen für ihre Reize, ohne Gefühl für den Druck ihrer hände, beantwortete es ihre zugeworfenen Küsse mit Ekel. Zu reich für das Almosen verrufener Münze, zu gross für gemeine Freuden, schwamm es in reinem Schwanengefieder weit von der schlammigen Erde, leicht, vertrauend und froh, dem Trone des Unerforschlichen zu. Seine Empfindungen waren Gebete, und der Drang seiner Wünsche war, sich mitzuteilen und wohlzutun.

O du holder Vertrauter meines heutigen Entzükkens, schöner, schlanker, süss träumender Genius, den der Zufall mit einer irdischen Hülle bekleidet hat, die seiner nicht wert ist, könntest du erscheinen, wie ich dich ahnde, und einst die Unsterblichkeit dich ausmalen und aufstellen wird; der Tyrann würde abstehen, sein Schwert, die Verleumdung, den Dolch ihrer Zunge gegen dich zu wetzender Geiz würde dir seine Schätze anbieten, und der Fürstenstolz selbst vor deiner Hoheit sich bücken. Möge nie ein stinkender Nebel aus den Sümpfen der Welt mir die Würde deiner Schönheit verstecken, nie ein unreiner Hauch deine himmlische klarheit verdunkeln, und jede Perle, die du in dem Oceane der verflossenen Stunde geschöpft hast, sich in dem Hauptschmucke deiner Ewigkeit wiederfinden!

Wenn Schwärmerei Vergebung verdient, so ist es die für die Tugend, und an einem so heilig romantischen Morgen, als mein heutiger war. Ach das hässliche Toulon! Der Wagen meines Freundes hielt am Ende seines Parks. Seine Rosse schnauften und stampften und wieherten im Gefühl ihres Muts. Und ich musste dich verlassen, Tal der Unschuld und Freude, dich, Sonne über ihm? – Ach mir war, als könnte nur Finsterniss hinter den Bergen liegen. Ich blickte noch einmal wonnetrunken in ihr heiliges Antlitz, und breitete meine arme aus, als wollte ich den ganzen Weltkreis an mein liebendes Herz drückenich blickte noch einmal zu ihr hinauf, und unwillkürlich entschwebte der harmonische Ausruf meinen Lippen:

Staub, der, zu Gott empor gedrungen,

Am Fusstritt seines Trones glimmt!

und so bot ich meinem freundlichen Geleiter die Hand, stieg hastigen Schritts aus seinem Tempel, durch den Park, in den Phaëton. Hier fasste er stillschweigend die Zügel, überliess mich ungestört der obern Region, und sorgte nur, dass wir in der untern nicht aus dem Gleise kämen. Indem wir über den mit allen saiten in den Psalm ein, der seit den zwei Noten, mit denen ich anschlug, in mir forttönte. – Jetzt waren die Beweise meiner Genesung vollständig; die natur hatte den letzten beigebracht, denn sie hatte mein Dichtergefühl wieder erweckt. Mein Herz schwoll, meine dunkeln Empfindungen bildeten sich zu harmonischen Worten, äterisches Feuer erhellte den blick, den ich dankend gegen Himmel schlug, eine singende Lerche stieg und funkelte mit ihm zugleich in die Höhe, und mein Lied begann.

Staub, der, zu Gott empor gedrungen,

Am Fusstritt seines Trones glimmt,

Ziel meines Psalms, im Chor gesungen,

Das jubelnd, dich umschlungen,

In deinem Aeter schwimmt!

Seit du, der leeren Nacht entsunken,

Dein stolzes Licht von Ihm geholt,

Sah es in dem Gewühl der Funken,

Die durch den Luftraum prunken,

Schon manchen Stern verkohlt.

Nur deinem Urgestirn veraltet

Kein Reiz! Mit gleicher Kraft beflammt,

Treibt es sein grosses Rad, entfaltet

Die zeiten, und verwaltet,

Wie sonst, sein Mittleramt.

Und lenken aller Erden Psalmen

Doch überkleidest du die Palmen

Des Atos, wie die Halmen

Des rauhsten Schweizertals!

Hat nicht ein Geist, aus dir geboren,

Der Liebe Freudenquell gewürzt,

Der aus