vielleicht mehr ein, als dem Eigentümer, der es nach China schickt. Gehen Sie. Ehe es dahin segelt, wollen wir Sie schon wieder abgeholt haben."
Ich tat mir heute, wie ein lebhaftes Kind, dem man das Gängelband abnimmt, so viel auf die kleinste Bewegung zu gute, dass ich zwar herzhaft die Strickleiter ergriff, aber nach dem ersten Tritte auf dieser schwankenden Stiege alle Mühe hatte, mich bei Mut zu erhalten. Steigst du doch, sagte ich spöttisch zu mir, so scheu und zitternd deiner Neugier nach, wie ein unerfahrnes Mädchen in das Brautbette. Zufällig kam ich auf dem Verdeck neben einem zu stehen, das jung und reizend genug war, um meinen unbedeutenden Einfall erst gefährlich zu machen. Still vor sich hin blickte sie über das Geländer, als ich zu ihr trat. – "Ist es auch das erstemal?" redete ich sie nachbarlich an. – "Ja," drehte sie ihr Köpfchen nach mir; "auch erwarte ich schon lange den Schwung mit Ungeduld, von dem die Leute so viel Wesens machen. Meine Brust ist mir unbeschreiblich beklommen." – "Mir geht es auch so," erwiderte ich, "und wenn es erlaubt ist, eine Kleinigkeit philosophisch zu betrachten, so schwebt das Herz auch hier, wie bei jedem Uebergange zu einer unbekannten Erfahrung, zwischen – wie soll ich sagen ..." – "Nach meiner Empfindung," fiel sie mir ins Wort, "schwebt es zwischen einer süssen Angst und einem ungestümen Verlangen." – "Richtig, mein schönes Kind!" fuhr ich fort: "aber desshalb fürchte ich auch, dass der kritische flüchtige Moment der Belehrung der angenehmen Unruhe unserer pochenden Herzen kaum wert sein wird; und in dieser Rücksicht tut es mir beinahe leid, dass wir – oder wenigstens, dass S i e h i e r sind." – Sie warf ein Paar grosse fragende Augen auf mich. – "Weil" antwortete ich, "Ihnen nun künftig nichts Aehnliches mehr vorfallen kann, was nicht durch das Gegenwärtige etwas von dem Reiz seiner Neuheit verlor. Sie nehmen jetzt eine Erfahrung voraus, die Ihnen zu einer andern Zeit.. Denken Sie an mich, ob ich nicht wahr rede." – "Das will ich tun," erwiderte sie lächelnd; "denn jetzt verstehe ich Sie nicht." – Und das war kein Wunder, Eduard; verstand ich mich doch selbst nicht. Offenbar hatte die Teorie meines Freundes, die mir von heute Mittag her noch in dem Sinne schwebte, Schuld an diesem Geschwätze mit dem Mädchen. Ich hatte sie selbst noch nicht ganz begriffen, und suchte sie doch schon einem Kinderkopfe verständlich zu machen – ganz im Geschmack unsers philosophischen Zeitalters. Meine Einbildungskraft, sah ich wohl, war leichter in Bewegung zu setzen als das Frachtschiff. Dieses lag noch eine Weile nachher, als jene sich schon warm geflogen hatte, unerschütterlich auf dem Werfte. Endlich, als ob es einen kurzen heroischen Entschluss fasste, fing es – das Mädchen klammerte sich fest an mich – zu rollen an, schlug Flammen in die Höh, und einen Pulsschlag nachher schwebte es auf dem wogigen Meere. Fröhliches Getöse auf dem Verdecke begleitete es, Jubelgeschrei vom Ufer her wirbelte ihm nach, und die junge, seufzende, zitternde Schöne – Gott segne ihre fühlbaren Nerven – wusste jetzt wie ihr war, und liess meinen Arm fahren. Ach, ich hätte ihr ihn gern noch länger geliehen, und, wie man dem Probegang einer ausgebesserten Uhr nachspürt, gern noch länger jene leisen Schwingungen verfolgt, die der Druck von ein Paar weiblichen Händen auf meine Fibern erregte. Aber jetzt bekümmerte sich weiter keine Seele um die andere. Was die Neugier vereinigt hatte, trennte die Befriedigung. Die Gesellschaft flog nun auf die vielen kleinen Boote aus einander, die sich zu ihrer Aufnahme näherten, und Saint-Sauveur erwartete mich in dem seinigen. – "Ich komme recht sehr zufrieden," rief ich ihm entgegen, als ich einstieg, "von dem Versuche mit mir selbst zurück, und deine Teorie entält mehr Wahres als ich gedacht habe." – Indem ruderte das Boot, auf dem sich meine neue Bekannte befand, bei dem unsrigen vorüber. Ich hätte wohl gewünscht mit ihr zugleich an das Ufer zu steigen; aber ich landete einige Augenblicke – an denen vielleicht ein ganzer Roman hing – zu spät an.
Auf dem Hingange nach unserm Wagen kamen wir bei der wohnung des ehrlichen Passerino vorbei. Die schwarze Tafel über der Haustüre, sein Sortiment menschlicher Gebrechen, mein Frühstück bei ihm, und die martervollen Tage, die gleich darauf folgten – alles trat in Einem Blicke mir jetzt vor die Seele. Mit feuchten Augen teilte ich meinen Begleitern die Empfindung, die mir anflog, und zugleich die Nachricht mit, die ihnen freilich wenig verschlagen konnte, dass in diesem haus der brave Mann wohne, der mein Lehrmeister in der Baukunst gewesen sei. Um meine ehemaligen Spöttereien über ihn, zu denen ich alleweile kein Herz hatte, wieder gut zu machen, und um seiner Kundschaft nicht Abbruch zu tun, lobte ich ihn als einen zweiten Vitruv. – "Ich habe ihm vieles zu danken," sagte ich. – "Besonders auch," fiel mir Sabatier in das Wort, "als Krankenwärter. Man las es in seinem verstörten gesicht, wie sehr ihm Ihr Aufkommen am Herzen lag." – "Das