und schicken es ihren Nachbarn in Brabant zu, die jährlich darauf harren, um ihre an Erstickung allzu grosser Fettigkeit leidenden Felder damit zu lüften, um sie zu bessern Ernten geschickt zu machen. Dieser Tauschhandel ist fortdauernd im Gange, und ist Staatsbedürfniss geworden. Das eine Land bezahlt von dem Ueberflusse seines Korns den überflüssigen Staub des andern, und beide Länder befinden sich wohl dabei. Wie wunderbar, meine Herren, hängt doch auf unserer Kugel – Alles und Nichts – und wie wunderbar, wirst Du sagen, hängt doch Geschwätz und Philosophie, und oft ein schwerer Beweis mit einem Glase so süssen Weines zusammen, als ich eben, wie Du vermutlich von weitem ahndest, auf aller Patrioten Wohlsein ausleere!
Abends neun Uhr.
Wie ich glaube – denn gewiss weiss ich es doch nicht – bin ich auf der vorigen Seite mit den Patrioten, den Philosophen und Dir völlig zu rand gekommen – habe von euch allen die erlaubnis ausgewirkt, mein Tagebuch drucken zu lassen, und meine Aktien sind nun im Steigen. Doch fürchte nicht, Eduard, dass mich diese abgeschüttelten Sorgen verleiten werden, meigeschriebenen Hefte besagen. Gott bewahre! Ich wünsche Gegenteils, – und ich kann wohl sagen, mit aufrichtigem Herzen – dass von nun an nur die reinsten Tugendbilder aus meinem Leben zurück strahlen und meine Feder beschäftigen mögen. Nur mute mir niemand zu, ihr eine schöne Lüge unterzulegen, in dem Falle, dass ich Dir eine hässliche Wahrheit zu gestehen hätte. Daraus wird nichts. Wer Guckkasten von so erbaulicher Zusammensetzung verlangt, lasse mein Tagebuch ungelesen, und suche sich einen unter den zweien – dreien – aus, die er selbst in der kleinsten Stadt findet. Ich hörte eben einen über die Strasse orgeln. – Er stand zu sehr in Verbindung mit meinen Gedanken, um ihn ruhig vorbei gehen zu lassen. Der Epilogus musste ihm nachspringen. Es trat ein stattlicher Junge herein, der seine Sachen ganz gut machte. Passerino fand seine bunten Bilder recht artig; sein Leierstückchen war es gewiss nicht weniger, und lautet in unserer Deutschen Uebersetzung also:
Schaut auf! Hier wird zur Abenbfeier
Die grosse Harmonie der Welt,
Dem armen Mann für einen Dreier,
Weit männlicher nach meiner Leier,
Als durch Kastraten vorgestellt!
Diess ärmlichste von allen Spielen
Entwickelt mehr, als es verheisst:
Den Hohen – die vom Gipfel fielen,
Rührt es das Herz und hebt den Geist.
Hier siehst du – Karl, den Kaiser, speisen
Und König Salomonis Tron,
Und möchtest dich vor Neid zerreissen,
Und wünschest, auch ein Herr zu heissen,
Wie Kaiser Karl und Salomon.
Doch bald nachher erfolgen Possen,
Wie sie von Zeit zu Zeit geschehn.
Den Pharao sammt seinen Rossen
Wirst du, elendiglich erschossen,
Im roten Meere schwimmen sehen!
Jetzt schleudert er in Todesschmerzen
Mit Fluchen Kron' und Zepter hin;
Nun rufst du mit bekehrtem Herzen:
Mit Gottes Macht ist nicht zu scherzen;
Wohl mir dass ich kein König bin!
Um Mitternacht.
Ich muss doch meine Feder noch einmal ansetzen, die, wie meine müde getriebenen Gedanken, länger als zwei Stunden geruht hat, um Dir die Lage zu schildern, in der ich mich schaukele; denn sie ist gar zu schnakisch. – Entschuldige nur meine grossen Buchstaben. Wenn ich sie hinsetze, kommen sie mir winzig klein vor; aber sie wachsen, wie sie mir entDer Mensch kann ... Mein ehrwürdiger Freund und gönner haben mir – fortschreiben, aber Sie k o n n t e n nicht. Der Wein scheint eine andere Richtung genommen zu haben, als der liebe Herr erwartete; denn anstatt den Magen auszuspülen, ist er ihm zu kopf gestiegen, und hat ausserdem nichts gewirkt, als ein starkes Zittern an Händen und Füssen und ein wenig Schwindel. Da sich alles das hinter meinem rücken gemacht hat, so erschreckte mich eine so unerwartete Erscheinung nicht wenig, als ich mit der Abschrift fertig war, und mich herum drehte, um sie ihrem Herrn zu überliefern. Ich habe sie, wie auch das Original, einstweilen dem Herrn Kammerdiener zugestellt, mit dessen Beihülfe ich eben den Kranken zu Bette gebracht habe. Ew. – ich lasse alle Titulatur weg, da ich nicht weiss, an wen ich die Ehre habe zu schreiben – dürfen also unsers gemeinschaftlichen Freundes halber ganz ausser sorge sein. Der nächtliche Schlaf wird den Unfug wohl heben, den der Wein aus dreier Herrn Länder angerichtet hat; und da wir morgen mit dem frühesten – auf sehr holperigem Wege – über Land fahren, so ist kein Zweifel, dass diese starke Bewegung dem hartnäckigen Streit mit dem Seefische – der leider noch immer besteht – einen glücklichen Ausgang verschaffen werde. – Wie die Zeit vergeht! Schon zwei Stunden über Mitternacht! Der Herr schlafen – aber etwas unruhig. Mein Licht ist abgebrannt – ich darf nicht länger hier säumen, wenn es mir bis an die Haustüre noch vorleuchten soll.
Den 12ten Februar.
Ich komme heute weder von der Maria zu Cotignac, wie Du nach der letzten Zeile glauben musstest, die ich schrieb, noch von sonst einem andern christlichen oder heidnischen Götzenbilde, sondern viel weiter her, und zu Dir zurück, mein unschätzbarer Freund. Ein neues reines Blatt liegt vor mir, mit dem ich heute ein frisches Tagebuch anfange. – Fortsetzen kann ich das ältere nicht, denn es ist auf meiner beschwerlichen Reise verräumt worden. Seit wir uns kennen, mein Eduard, sind die letztvergangenen vier Wochen die ersten