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seiner Landstände reiset, geschweige für mich! Womit soll ich den törichten Geldverprassnur dieser letzten zehn Tagegeschweige aller der Wochen, decken, die noch unberechnet dahinter liegen? Wie soll ich meiner zerrütteten Privatkasse aufhelfen, und der Entkräftung beikommen, die sie gemeinschaftlich mit meinem moralischen Vermögen erlitten hat? Bei Gott, ich weiss es nicht! – – Doch halt! da kommt mir eben ein Einfall. Wie wäre es, Eduard, wenn ich, in Ermangelung landschaftlicher Beihülfe, einen andern Notreif ergriff, der, eben so gut als jener, schon manchen leck gewordenen Reisenden in seinen Fugen gehalten, und vor gänzlichem Zerfallen geschützt hat, und, da ich kein Steuer-Aerar in meine Torheiten verflechten kann, das eben so geduldige, lesende und neugierige Publikum zur Mitleidenschaft zöge? – Und warumlass uns ein wenig darüber nachdenkenwarum sollte ich nicht? Der Einfall ist gar nicht so übel. Zeigen sich in der Verfolgung desselben nicht noch unversehene Schwierigkeiten, die mir ihn verkümmern, so werde ich am Ende wohl gar noch dem S t u r m e , der mir ihn zuführte, eine Ehrenerklärung tun müssen.

Aber, schon kommt mir ein Umstand in die Quere, den ich vor allen Dingen beseitigen muss, eh' ich mein Strandrecht benutzen kann. Es ist vorerst auszumachen, wem die Entscheidung über diese Blätter eigentlich zusteheDiroder mir? Gehört das Votiv-Gemälde dem Gichtbrüchigen, der es aufstellte, oder dem Götzen, dem es geweiht wurde? und wirst Duwenn Letzteres gelten sollmir erlauben, das meinige aus Deiner heiligen Halle zurück zu nehmen, um es der öffentlichen Beschauung preis zu geben? Wie mag ich nur fragen? als ob Du wohl je noch den gang einer Sache gestört hättest, die mehr Gutes erwarten lässt als Böses. – Und dass der Druck mein Tagebuch in diesen voraus bedungenen Fall setzet, soll Dir gewiss am Ende so stark in die Augen leuchten, dass Du mir schwerlich DeinImprimaturversagen wirst.

Den m ö g l i c h e n Ersatz meines verschleuderten Kapitals habe ich, einige Zeilen höher, schon dargetan, und da der Vorteil für mich dabei nicht zu bezweifeln ist, so gibt es wohl nirgends einen so beschränkten Pfuscher von Finanzminister, der nicht hierin seine eigenen Grundsätze erkennen, und meiner Spekulation das Siegel aufdrücken sollte. Ob aber in solcher der Patriotfür den Nachteil, den ich durch meinen Müssiggang dem staatder Philosophfür die Beeinträchtigung, die ich der Moral zugefügt habeeine eben so auslangende Entschädigung erwarten dürfe, hätte ich Dir noch zu erweisen; und es ist ein wahres Glück, dass, trotz aller Dünste, die mir zu Kopf steigen, ich Federkraft genug habe, so verwickelte fragen aus einander zu wirren. Patrioten und Philosophenich weiss essind krittliche Geschöpfe, und es ist eine wahre Wohltat von Gott, dass ein unbefangener Autor deren nur wenig antrifftaber, ich dächte dochauch s i e müssten einsehen, dass mit meiner Sache wenig oder nichts anzufangen sei, wenn ich sie liegen lasse, wie sie alleweile liegt: denn gesetzt, meine Herren, ich liesse die Stunden meines Müssiggangs, mit ihrem ganzen hässlichen Gefolge, als Schatten eines vergeudeten Lebens, tagtäglich an meinem Lehnstuhle oder Rechnungstische vorbei ziehen, so kann ihre traurige Procession doch höchstens nur eine Staubwolkeden vergeblichen Wunsch nämlich bei mir erregen, dass sie noch zu meiner Zeit gehören möchten! Ihr widriger Anblick kann mich allenfalls in meinem Vornehmen befestigen, die folgenden, die mir etwa noch werden, mit guten, nützlichen, wohltätigen Werken zu schmücken, damit nie eine mehr bei mir vorüberschlüpfe, die mir nicht freundlich und friedlich in die Augen spiele, und noch im Verschwinden einen Kuss zurückwerfe. Das ist nun zwar etwas, aber nicht viel. Wollte ich aus schamhafter Empfindlichkeit vollends gar ihrem Andenken entsagen, und tun, als ob sie nie zu meinem Leben gehört hätten, so wäre das noch weniger. Entschliesse ich mich aber nur, ihre Luftgestalten in einen Spiegel zu fassen, und gewönne ich nur so viel damit, dass ich ihn dem Selbstgefühl anderer leichtsinniger Gesellen, die bei mir vorüber ihren Leidenschaften nachlaufen, vorhalten, und bewerkstelligen kann, dass sie einen Augenblick stille stehen, und bei Betrachtung meiner Bilder zu Atem kommen, so gibt mir dieses schon einen ganz andernbeinahe teologischen Antrieb, mit einem Buchhändler zu sprechen, und legt dem e r s t e n Bewegungsgrunde, der nur auf meinen Nutzen berechnet war, einen ungleich w i c h t i g e r n bei, und der viel empfehlendes selbst für den Philosophen hat. – Immer aber ist weder der e i n e noch der a n d e r e auslangend genug, dass ich mich so geschwind über die Schamröte wegsetzen möchte, die gewiss jeden ehrbaren Mann anfliegt, wenn er, wie ein Savoyard mit seiner Zauberlaterne, durch die Strassen laufen, und seine Grotesken ausrufen soll. Nein, meine hochverehrten Herren! Die wahre Triebfeder, die mich zu einem Schritte bewegen kann, der eigentlich meinem Gefühle widersteht, liegt in meiner denkart über einen Grundsatz, den ich mir zwar bloss aus der Erfahrung gebildet habe, der aber, nach meiner Einsicht, wohl verdiente, in der praktischen Weltweisheit einen systematischen Anstrich zu erhalten: dass man nämlich die ä u ss e r e Mechanik